Mit diesem KI-generierten Foto verkündete der Aichtaler Bürgermeister Sebastian Kurz den Abrissstart. Foto: Sebastian Kurz

Ein privater Facebook-Post des Bürgermeisters von Aichtal (Kreis Esslingen) hat Wellen geschlagen. Doch die Meldung ist ein Fake. Tatsächlich muss nun ein Gericht entscheiden, ob das zum Kulturdenkmal erklärte Gebäude erhalten bleibt.

Es geht voran, verkündet Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz auf seiner privaten Facebook-Seite und erntet für seinen Eintrag am 1. April viele Likes. „Heute haben die Abbrucharbeiten am alten Schimmelhaus im Höhenweg begonnen. An dieser Stelle entsteht ein neues, vierstöckiges Wohnhaus – ein weiterer wichtiger Schritt für mehr Wohnraum in Aichtal.“ Doch das Foto vom Baggerbiss ist wie die Nachricht selbst ein Fake. „Das war ein Aprilscherz“, stellt Kurz klar.

 

Und der hat Wellen geschlagen. Er habe viele Reaktionen nicht nur von Bewohnern des Stadtteils Grötzingen erhalten, erzählt der Bürgermeister fröhlich. Es hätten sich sogar drei Stadträte bei ihm gemeldet und ihre Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass es nun doch recht schnell gehe mit dem umstrittenen Abriss des maroden früheren Behelfsheims für Heimatvertriebene, das von den Behörden als erhaltenswertes Kulturdenkmal eingestuft wurde. Auf allen Seiten sei das Bedauern groß gewesen, dass es sich nur um einen Aprilscherz gehandelt habe – zu schön, um wahr zu sein, sagt der Bürgermeister.

Im Inneren des Gebäudes sind Mauern eingefallen. Foto: Stadt Aichtal

„Eigentlich“, erzählt der 39-Jährige munter weiter, „habe ich fast damit gerechnet, dass sich das Stuttgarter Regierungspräsidium und das Esslinger Landratsamt wegen des Fotos melden.“ Denn auf den ersten Blick erweckt es den Eindruck, dass sich die Stadt Aichtal über den schwelenden Rechtsstreit hinwegsetzt und mit dem Abriss Fakten schafft.

Abrissfoto mit KI erstellt

Wer genauer hinschaut, erkennt freilich die kleinen, gewollten Übertreibungen: die übermäßig vielen Steine, die aus der Fassade bröckeln; den Forstarbeiter mit der Motorsäge in der Hand. Das Foto hat Kurz eigenen Angaben zufolge mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) erstellt, „das war innerhalb von fünf Minuten fertig“. In der ersten Version seines Posts habe auf dem Ausleger des Baggers sogar noch ein Firmenname gestanden. Das örtliche Bauunternehmen habe den Scherz umgehend aufgegriffen und den Ball zurückgespielt: „Der Kämmerei wurde daraufhin per Mail eine Rechnung über 55 000 Euro für den Abriss geschickt“. Den Spaß habe der Schultes dann seiner Verwaltung erst einmal erklären müssen.

Kurz ist überzeugt, dieser Aprilscherz ist ihm gelungen. Er habe ja alles mit einem Augenzwinkern versehen, sodass der Beitrag als solcher erkennbar gewesen sei. Und nicht zuletzt habe er in der Story auch die Auflösung geliefert: „Das Schimmelhaus steht selbstverständlich weiterhin, da das Denkmalamt den Abriss untersagt hat“. Kurz findet: „Es tut doch gut, wenn man ernste Themen auch mal mit Humor nimmt.“

Warnung aus gutem Grund: Das Gebäude gilt als einsturzgefährdet. Foto: Michael Steinert

In der Tat ist der Streit um das aus dem Jahr 1948 stammende Gebäude eine ernste Angelegenheit. Seit Jahren schon will die Stadt Aichtal anstelle des baufälligen Mehrfamilienhauses neuen Wohnraum schaffen. Der Abrissbagger hätte längst schon ganze Arbeit geleistet, wäre das Regierungspräsidium Stuttgart im Jahr 2016 nicht eingeschritten. Nach Einschätzung der Landesdenkmalschützer besteht „aufgrund seines exemplarischen und dokumentarischen Werts“ ein öffentliches Interesse am Erhalt des Hauses.

Stadt hat Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht

Inzwischen beschäftigt die Auseinandersetzung, die im vergangenen Jahr bundesweit für mediale Aufmerksamkeit sorgte, das Verwaltungsgericht Stuttgart. Nachdem das Regierungspräsidium in diesem Februar den Widerspruch der Stadt Aichtal gegen die Erhaltungspflicht abgelehnt hatte, reichte diese am 12. März Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart ein – damit der Abrissbagger doch noch kommen kann.