Am Montag, 1. November, werden zu Allerheiligen viele Gräber geschmückt. Foto: Roberto Bulgrin

Allerheiligen, Totensonntag und Volkstrauertag sind Anlässe, um die Gräber Verstorbener zu schmücken und zu besuchen. Doch wird diese Tradition noch gepflegt? Floristen und Mitarbeitende in Blumenfachgeschäften machen unterschiedliche Erfahrungen.

Esslingen - Das Erinnern darf nicht vergessen werden. Doch Gedenken hat viele Gesichter. In Zeiten wachsender Mobilität, sinkender Bindung an den Geburtsort, sich auflösender Familienbande und starker Individualisierung verändert sich auch die Trauerkultur. Neue Bestattungsformen, eine zunehmende Zahl an Urnengräbern und ein distanzierterer Umgang mit dem Thema Tod haben Einfluss auf die Art des Umgangs mit Verstorbenen. Werden die Gräber daher zu Allerheiligen oder am Totensonntag noch geschmückt und besucht? Eine Umfrage unter Blumengeschäften, Floristen und Verbänden ergibt ein gemischtes Echo.

 

Die Geschäfte blühen zu Allerheiligen, zum Totensonntag und am Volkstrauertag nicht mehr automatisch. Die Ladeninhaber müssten sich etwas einfallen lassen, sagt Nicola Fink, Pressesprecherin des Fachverbands Deutscher Floristen. Individuell gestaltete Blumengebinde, auf Kundenwünsche abgestimmte Gestecke oder besondere Arrangements könnten helfen. Denn die Trauerkultur hat sich verändert, meint auch die Verbandssprecherin: „Die Familien sind nicht mehr so eng beieinander. Man möchte seine Angehörigen nicht mehr mit der Grabpflege belasten und wählt darum andere Formen der Beisetzung.“ Aber gerade Allerheiligen könne als Feiertag ein willkommener Anlass sein, um als Familie zusammenzukommen.

Neue Gestaltungsideen

Daten über die Umsätze zu Allerheiligen können weder Fink noch ihr Kollege vom baden-württembergischen Floristenverband vorlegen. Doch die Sprecherin verweist darauf, dass die Anzahl der Blumenfachgeschäfte in Deutschland mit etwa 8000 in den letzten Jahren stabil geblieben ist. 2011 waren es aber noch 12 000 Läden. Ungeklärte Nachfolgeregelungen, Geschäftsausgaben und Fachkräftemangel belasten die Branche. Aber auch zu Allerheiligen, so fügt Fink hinzu, schlägt die branchenfremde Konkurrenz zu. Manche Kunden gehen nicht mehr zum Fachhandel, sondern besorgen sich die Blumen im Supermarkt um die Ecke.

Gestecke sind nicht mehr gefragt

Der Trend zum Schmücken der Gräber auf Allerheiligen geht zurück, hat Andrea Mergenthaler bemerkt. Die Inhaberin des gleichnamigen Esslinger Blumengeschäfts bedauert diese Entwicklung sehr: „Damit verlieren wir so viel an Tradition und Trauerarbeit.“ Dabei gelte es doch, ein ehrendes Gedenken an die Verstorbenen zu bewahren. Gerade zu Allerheiligen oder zum Totensonntag sei es eine schöne Sache, Blumen auf das Grab eines Angehörigen zu legen.

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Das Herrichten der Gräber vor dem 1. November sei weniger geworden, sagt auch Floristin Stefanie Herda von Blumen Binder in Plochingen. Allerdings würden die Gräber stattdessen eine Winterbepflanzung erhalten, die dann bis zum Frühjahr halte. Auch Gestecke seien zu Allerheiligen nicht mehr so gefragt. Generell gebe es in ihrer Branche Trends und sich ändernde Kundenwünsche. Abseits von Allerheiligen seien zurzeit Trockenblumen gefragt. Eine ihrer Kolleginnen aus Esslingen, die namentlich nicht genannt werden möchte, bestätigt das Nachlassen des Gräberschmückens vor Allerheiligen: Gestecke würden viele Kunden als altmodisch empfinden.

Winterpflanzen können helfen

Ganz andere Erfahrungen hat Regina Schneider gemacht. In ihrem Blumenfachgeschäft in Esslingen sind Kränze und Gestecke weiterhin und nicht nur zu Allerheiligen gefragt. Es gebe genügend Pflanzen, die sich auch bei niedrigen Temperaturen wohlfühlen – Erika oder Gräser zum Beispiel. Gestecke? Doch, die sind weiterhin beliebt, sagt auch Ayten Alsac vom „Blumenkiosk“ in Esslingen. Seit zwei Wochen sei das Team schon damit beschäftigt, entsprechende Kundenwünsche zu erfüllen. Beliebt seien aber vor allem besonders hergerichtete und nach persönlichen Wünsche kreierte Blumengebinde, die durch Kerzen, Kruzifixe oder Engel verziert werden würden. „Es läuft schon noch“, versichert auch Theresa Neugebauer, angehende Floristin im dritten Lehrjahr bei der Gärtnerei Heubach in Esslingen. Die Kunden wollten Gestecke und Kränze zu Allerheiligen. Aber natürlich nicht mit mit Geranien oder Alpenveilchen, sondern mit winterfesten Blumen.

Die Branche in Zahlen

Die Gräber
 Laut dem Jahresbericht aus dem Jahr 2020 des Zentralverbands Gartenbau mit Hauptsitz in Berlin und einem weiteren Standort in Bonn gibt es in Deutschland etwa 32 000 Friedhöfe mit ungefähr 32 Millionen Gräbern.

Die Grabpflege
 Für 262 478 der Gräber auf deutschen Friedhöfen wurde den Zahlen des Verbandes zu Folge ein Dauergrabpflegevertrag abgeschlossen. Etwa 0,9 Milliarden Euro Umsatz beträgt das Volumen der Dauergrabpflege-Verträge.

Die Beschäftigten
 Der Zentralverband Gartenbau gibt die Anzahl der Beschäftigen in Friedhofsverwaltungen mit ungefähr 30 000 Personen an. In Friedhofsgärtnereien arbeiten seinen Angaben zu Folge dagegen etwa 20 000 Menschen