Mit Alkohol am Steuer erwischt: Jürgen Kessing Foto: stn

Die Bietigheimer Kommunalpolitiker reagieren gelassen auf die Alkoholfahrt ihres Oberbürgermeisters Jürgen Kessing. So gelassen, dass es fast schon befremdlich wirkt.

Bietigheim-Bissingen - Den Reaktionen nach zu urteilen, die Jürgen Kessings alkoholisierte Fahrt am Steuer ausgelöst haben, scheinen die Bietigheimer Kommunalpolitiker bestens zu wissen, wie schnell so eine Straftat begangen ist. „Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein“, sagt etwa Volker Müller, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat. „Wir sind alle keine Engelchen“, sagt Thomas Wiesbauer, der die CDU-Fraktion anführt. Und sein Kollege von der FDP, Georg Mehrle, bekennt, er könne jeden verstehen, der sagt, es handle sich nicht um ein Kavaliersdelikt. „Aber: Es ist passiert.“ Dass es nicht in Ordnung ist, sei ja klar, sagt Ute Epple, die den Freien Wählern vorsitzt. Aber deshalb werde Jürgen Kessing ja eine Strafe bekommen.

Keine Beeinträchtigung erwartet

Wie berichtet war Kessing, SPD, vor fünf Wochen mit mehr als 1,1 Promille Alkohol im Blut am Steuer seines Wagens erwischt worden. Er musste seinen Führerschein abgeben. Für wie lange steht noch nicht fest. Das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft ist noch nicht abgeschlossen. Ab einem Wert von 1,1 Promille ist das Fahren eines Autos strafbar, auch wenn der Fahrer keinen Unfall verursacht.

Dass das Verhalten des Oberbürgermeisters Auswirkungen auf seine Arbeit hat, kann sich keiner der Fraktionsvorsitzenden vorstellen. Es sei ja niemand zu Schaden gekommen, sagt Volker Müller. Gewiss nehme Kessings Image Schaden, mutmaßt Thomas Wiesbauer, dass er in der Ausübung seines Amtes beeinträchtigt sei, glaubt der CDU-Chef jedoch nicht. Volker Müller meint, die Alkoholfahrt habe in der kommunalpolitischen Diskussion nix suchen. Traute Theurer will darum erst gar keinen Kommentar abgeben. „Das ist seine Privatangelegenheit“, sagt die GAL-Chefin. Kessing werde sich selbst am meisten ärgern, dass er diesen Fauxpas begangen hat, vermutet Rainer Fröbel, Kessings Vize der SPD-Kreistagsfraktion. „Oder sollte man sagen: Dummheit?“, ergänzt er.

Abtun nicht erwünscht

Der Deutsche Leichtathletik-Verband, zu dessen neuem Präsident Jürgen Kessing sich im November wählen lassen möchte, kann sich zu der Situation noch nicht äußern. Die Vorbereitung des Leichtathletik-WM stehe momentan im Vordergrund. „Das interessiert uns, klar“, sagt der Mediendirektor Peter Schmitt, der aus der Zeitung von Kessings Führerscheinverlust erfahren hat. „Das kann man nicht so leicht abtun“, sagt Schmitt.

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