Beschäftigte mit einem Suchtproblem sind häufiger unkonzentriert im Job und fehlen öfter. Foto: dpa-tmn

Hunderttausende Beschäftigte im Südwesten sind abhängig von Alkohol, Zigaretten oder Computerspielen – das Suchtrisiko hat auch gravierende Folgen für die Arbeitswelt.

Stuttgart - Arbeitnehmer mit einem Suchtproblem haben in Baden-Württemberg deutlich mehr Fehltage im Job als ihre Kollegen. Der Krankenstand der Betroffenen ist laut aktuellem DAK-Gesundheitsreport 2019 mit 6,8 Prozent mehr als doppelt so hoch. Der Großteil der direkten Krankmeldungen bei Suchtproblemen ist in Baden-Württemberg auf Alkohol zurückzuführen.

Häufiger unkonzentriert und zu spät

Die Erwerbstätigen fehlen aber nicht nur im Job, weil sie wegen ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben werden. Sie sind häufig unkonzentrierter im Job oder kommen zu spät. Und sie fallen auch wegen anderer Krankheiten häufiger aus. So fehlen sie wegen psychischer Leiden dreimal so oft. Bei Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen gibt es doppelt so viele Ausfalltage, bei Atemwegserkrankungen sind es 52 Prozent mehr.

Insgesamt zählt die DAK-Studie unter den Erwerbstätigen in Baden-Württemberg 823.000 abhängige Raucher, 52.000 erfüllen die Kriterien einer Internet Gaming Disorder (Computerspielsucht), knapp 30.000 Erwerbstätige sind alkoholabhängig. Bei Männern beginnt ein riskanter Alkoholkonsum beispielsweise bei täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläsern Bier, bei Frauen schon bei einem 0,3 Liter-Glas Bier pro Tag. „Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft wie Alkohol. Das riskante Trinken bleibt ein zentrales Problem im Südwesten, das auch gravierende Folgen in der Arbeitswelt hat“, sagt Siegfried Euerle, Leiter der DAK-Landesvertretung in Baden-Württemberg.

Alkoholabhängige machen früher Feierabend

Der hohe Alkoholkonsum wirkt sich auch auf den Arbeitsalltag aus. So gab bundesweit jeder zehnte Arbeitnehmer mit riskantem Trinkverhalten an, in den letzten drei Monaten wegen Alkohol abgelenkt oder unkonzentriert bei der Arbeit gewesen zu sein; bei Arbeitnehmern mit einer möglichen Abhängigkeit sogar fast jeder Zweite (47 Prozent). Je höher der Alkoholkonsum, desto häufiger kommen betroffene Mitarbeiter deshalb auch zu spät zur Arbeit oder machen früher Feierabend.

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sei der vermeintliche Stressabbau mit Alkohol ein häufiger Grund für die Entwicklung einer Suchterkrankung. Alkohol führe zu einem erheblichen Unfallrisiko. Studien zufolge stehen etwa ein Viertel aller Arbeits- und Wegeunfälle im Zusammenhang mit Alkohol. Darunter fallen Stürze, Verkehrsunfälle auf dem Weg zur Arbeit oder das Fehlbedienen einer Maschine. Zum anderen verringere Alkohol das Urteils- und Konzentrationsvermögen und verzerre die Wahrnehmung.

Das Rauchen von Zigaretten ist laut DAK-Report in Baden-Württemberg die verbreitetste Sucht, die auch die Arbeitswelt betrifft. 14,3 Prozent der Erwerbstätigen sind zigarettenabhängig. Unter den jungen Erwerbstätigen zwischen 18 und 29 Jahren gibt es mit 16,3 Prozent den geringsten Anteil. Bei den 60- bis 65-jährigen Berufstätigen raucht fast jeder Vierte (23,7 Prozent). Etwa jeder zweite Raucher raucht auch während seiner Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen.

Spiele auch während der Arbeitszeit

Erstmals untersucht der Report der DAK auch das Thema Computerspiele und seine Auswirkungen auf den Arbeitsalltag. So spielen 56 Prozent der Erwerbstätigen in Baden-Württemberg Computerspiele. 401.000 Beschäftigte zeigen ein auffälliges Nutzungsverhalten. Vor allem junge Beschäftigte zwischen 18 und 29 Jahren seien Computerspieler mit Risiko zur Abhängigkeit. Fast die Hälfte der Computerspielsüchtigen spielt auch während der Arbeitszeit.

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