Märkte sind viel mehr als Einkaufsstätten: Sie sind Orte des Austauschs und des Genießens. So stiften sie Identität, meint Redakteur Thomas K. Slotwinski.
Märkte sind seit der Antike nicht nur Orte des Handels, sondern auch der Begegnung. Hier treffen sich die Menschen, es werden Neuigkeiten ausgetauscht, kurzum: Man verbringt Zeit miteinander. Das ist bis heute nicht anders.
Von diesem kommunikativen Charakter profitieren in vielen Städten die Marktbeschicker selbst, genau wie der Handel und die Gastronomie. Die Menschen hetzen nicht, um möglichst schnell Kartoffeln und Äpfel zu bekommen. Sie verbinden ihre Einkäufe mit dem Erlebnis, mit dem Genuss, der Freude am Sehen und Gesehen werden. Das ist bei einer Tasse Kaffee, einem Häppchen, einem Secco oder einem Glas Wein sehr viel angenehmer. Ganz nach belieben.
In Zeiten der sterbenden Innenstädte ist es umso wichtiger, mit attraktiven Angeboten die Menschen zurück in die Stadt zu holen. Das einfachste Rezept ist das altbekannte, wonach Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält und die Menschen zusammenbringt. Wer sich an einem Ort wohlfühlt, der empfindet auch eine stärkere Identifikation. Küche und Keller sind durchaus identitätsstiftend.
Man muss gar nicht weit fahren, um am Rhein, in der Pfalz oder in Baden zu erleben, welch verbindende Wirkung ein attraktiver Markt haben kann, auf dem gekauft, aber eben auch genossen wird. Das sollte in der attraktiven Weinregion Stuttgart doch ebenfalls möglich sein. Diese Art der Wirtschaftsförderung ist authentisch, das Geld bleibt unmittelbar im Ort. Es ist wohlfeil, den Niedergang der Zentren zu beklagen, aber nichts dafür zu tun, ihnen neues Leben einzuhauchen. Denn allen politischen Lippenbekenntnissen zum Trotz regiert vielerorts nach wie vor eine fast jede Initiative lähmende Bürokratie.