Auf Alfs Heimatplaneten Melmac gelten Katzen als Spezialität Foto: Warner

Alf rülpst, hat ständig Hunger und jagt die Familienkatze. Trotzdem ist der Außerirdische vom Planeten Melmac eine Bereicherung für die Familie Tanner – und ein perfekter Gegenspieler zum spießigen Familienoberhaupt.

Serien gibt es fast so lange wie das Fernsehen selbst. Manche begleiten den Zuschauer sein halbes Leben, andere überdauern sogar Generationen. Wir stellen Produktionen vor, die in Erinnerung bleiben.

Los Angeles - Da liegt er, mitten auf dem Couchtisch. Mit seiner riesigen Nase, den großen Ohren und der ausgeprägten Körperbehaarung. „Es ist ein Alf“, sagt Vater Willie bei der Inspektion des Gastes – und schon hat das zottelige Wesen seinen Namen.

Alf (Abkürzung für: Außerirdische Lebens-Form) kracht eines Tages ins Leben, also in die Garage, der Familie Tanner. Und die lernt schnell, dass ungewöhnliche Mitbewohner eine nervige, aber liebenswerte Bereicherung sein können. Oft kommt es zu Missverständnissen, wenn sich Bräuche auf der Erde mit denen auf Melmac, Alfs explodiertem Heimatplaneten, nicht in Einklang bringen lassen. So rülpst der 230-Jährige beim Footballschauen gerne laut und anhaltend – auf die Art habe man auf Melmac applaudiert. Und dass Katze Lucky keine Delikatesse sondern ein Familienmitglied ist, daran muss sich Alf erst gewöhnen.

Ohne die Tanners funktioniert Alf nicht

Gordon Shumway, wie Alf eigentlich heißt, passt trotzdem in das amerikanische Vorstadtleben. Die Lieblingsbeschäftigung des etwa 90 Zentimeter großen Zottelwesens: Essen. Und auch der Fernseher und vor allem der Home-Shopping-Kanal haben es ihm angetan. Er darf schließlich das Haus nicht verlassen, aus Angst vor neugierigen Nachbarn und Behörden. So verpulvert der Kult-Alien fröhlich das Einkommen der Familie für alles Sinnfreie, vom Furzkissen bis hin zum Monster-Munster-Käse.

Die Grundidee ist nicht neu. Schon in „Mein Onkel vom Mars“ (1963 bis 1966) und in „Mork vom Ork“(1978 bis 1982) leben Menschen mit Außerirdischen. Doch das Zusammenspiel mit der Familie mach „Alf“ einzigartig. In dem Spielfilm, der 1996 im US-Fernsehen und in Deutschland sogar im Kino lief, fehlen die Tanners – und damit der Charme der Serie. Erst in Verbindung mit dem Vater Willie läuft Alf zu Höchstform auf. Die Mischung aus anarchischem Außerirdischen-Verhalten und der verklemmt ­moralinen Art des Familienoberhauptes macht die Sendung zu dem was sie ist.

Willie als Cracksüchtiger? Gerücht setzt TV-Karriere ein Ende

Für das deutsche Publikum hat nicht ­zuletzt Tommi Piper den Außerirdischen ­geformt: Er gab Alf seine unverwechselbare raue Stimme. Dem haarigen Körper hauchte der ungarische Mime Mihaly Meszaros Leben ein: Der knapp 84 Zentimeter große Kleinwüchsige spielte Alf während der gesamten Serie. Allerdings nur, wenn dieser in voller Pracht zu sehen ist. Ansonsten steckt Alf-Erfinder Paul Fusco oder einer seiner Kollegen hinter dem Außerirdischen – oder teilweise in ihm. Alf ist eine Handpuppe.

Was nach der Sendung aus der Puppe wurde, ist nicht bekannt. Willie allerdings, also Max Wright, ist heute nicht mehr als Moralapostel tätig: Der Schauspieler wurde in den vergangenen Jahren zwei Mal wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet. Und 2001 tauchte ein Video auf, in dem der er angeblich Crack raucht – umgeben von Obdachlosen, die er für Sex bezahlt. Willie Tanner in Verbindung mit Cracksucht und Schwulenpornos? Kaum zu glauben. Angeblich ist es auch nur eine Verwechslung und auf dem Video ein Mann zu sehen, der dem Schauspieler sehr ähnelt. Doch der Ruf ist ruiniert und führte zum Ende von Wrights TV-Karriere.

Vergangenes Jahr kursierte ein weiteres Gerücht: 2013 gebe einen neuen Alf-Film, soll Paul Fusco angekündigt haben. Doch das Jahr neigt sich dem Ende und von dem Film fehlt jede Spur. Aber wer Lust auf frisches Material hat: In Deutschland wurden nur 100 der 102 Folgen ausgestrahlt. Die Doppelfolge „Tonight Tonight“ ist hierzulande bisher nur auf der DVD der dritten Staffel zu sehen. Das schreit nach lautem Applaus. In diesem Sinne: Prost.