Alexander Zverev hat das Finale auf dem Weissenhof verloren – der frühere Weltranglisten-Zweite Tommy Haas blickt schon auf das Turnier in Wimbledon.
Herr Haas, Alexander Zverev hat in Stuttgart seinen ersten Titel auf Rasen knapp verpasst – über dem Killesberg schwebte aber auch der Streit zwischen Boris Becker und Zverev. Becker monierte, Zverev solle gegen die Großen mutiger spielen und sei zu passiv, zudem brauche er auf Trainerseite neue Impulse. Hat Becker recht?
Boris sagt, was er erkennt. Und er weiß trotz seiner jüngsten Kritik auch, was Alexander schon alles erreicht hat in seiner Karriere – denn das ist phänomenal. Er gehört seit vielen Jahren bei jedem großen Turnier zu den Topfavoriten. Aber klar: Wir warten alle auf den großen Wurf, den Grand-Slam-Titel.
Muss Zverev aktiver auftreten gegen die Großen?
Ja, da hat Boris einen Punkt. Alexander sollte die Dinge vielleicht mehr in die Hand nehmen, mal nach der Maxime „Alles oder nichts“ handeln. So, wie er zuletzt gegen Novak Djokovic in Paris aufgetreten ist, wirst du auch gegen die Dominatoren Carlos Alcaraz und Jannik Sinner nicht gewinnen können. Gerade mit Blick auf Wimbledon und den Rasenbelag sollte Zverev bei Stand von 4:4 und 30:30 in einem möglichen Halbfinale mal aggressiv ans Netz gehen und schauen, was passiert. Bei der Trainerfrage muss ich sagen, dass es mit seinem Vater über die gesamte Karriere ja gut lief. Den möglichen neuen Impuls muss er selbst spüren – wenn er das nicht tut, braucht es keinen Wechsel.
Wie realistisch ist ein Zverev-Triumph bei einem der nächsten Grand-Slam-Turniere?
Ausschließen darf man das nie. Aber Fakt ist: Sinner und Alcaraz thronen über allen anderen gerade. Wenn die auf diesem Niveau bleiben, kommt da kein anderer hin – auch Alexander Zverev nicht. Viel hängt also vom Faktor Glück ab. Eine leichte Auslosung, ein leichter Weg in ein mögliches Halbfinale, das ist ein Weg. Hier und da wird es bei einem Grand Slam auch die Möglichkeit geben, dass Sinner oder Alcaraz verletzt sind oder überraschend scheitern. Dann muss Zverev bereit sein – und erst recht aggressiver spielen.
Zum Schluss kurz der Blick zurück auf die Woche in Stuttgart. Wie haben Sie das Turnier als Gast erlebt?
Das Turnier hat sich fantastisch entwickelt in den vergangenen Jahren. Der Wechsel auf Rasen hat sich als toller Schachzug entpuppt – man sieht ausverkaufte Ränge, es ist ein First-Class-Turnier, mit einer heimischen Firma als Sponsor. Alles ist pünktlich, professionell, der Service ist für alle Fans top – das ist schön zu sehen und gut für das deutsche Tennis.