Alexander Zverev spielt beim Hopman Cup zusammen mit Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber. Foto: dpa

Mit 21 Jahren bereits Weltmeister, da ist das nächste Ziel für Alexander Zverev klar... Aber kann er das im Jahr 2019 bereits erreichen?

Perth - Angelique Kerber und Alexander Zverev, das deutsche Team beim Hopman Cup im australischen Perth, könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite die immer charmante und höfliche Nummer zwei der Welt aus Kiel – auf der anderen Seite der heißspornige Weltmeister, der sich ab und an Arroganz-Vorwürfen ausgesetzt sieht. Das ungleiche Paar eint der Wunsch, zum ersten Mal seit Boris Becker und Anke Huber 1995 den Hopman Cup nach Deutschland zu holen. „Es ist schon eine Weile her, dass Deutschland diesen Titel gewonnen hat, deshalb sind wir beide hier und wollen es besser machen“, sagt Zverev. Vor allem aber wollen beide eines: die Nummer eins der Welt sein. Während Kerber („Das wäre nochmal ein Highlight“) das lange vor ihrem Wimbledon-Triumph im Vorjahr bereits für 34 Wochen war, wissen Zverev, aktuell Nummer vier der Welt, und sein Team, worauf es in dieser Saison ankommen wird.

Grand-Slam-Auftritt müssen besser werden

Grand-Slam-Auftritte 17 Mal trat Alexander Zverev bisher bei Grand-Slam-Turnieren an, leidglich zweimal schaffte er den Sprung in die zweite Turnierwoche. Ein Achtelfinale 2017 in Wimbledon und ein Viertelfinale im Vorjahr bei den French Open sind die bisher besten Resultate des 21-Jährigen. Boris Becker, „Head of Men’s Tennis“ beim Deutschen Tennis-Bund (DTB), glaubt an eine Steigerung im neuen Jahr: „Mit dem Selbstvertrauen im Rücken, ATP-Weltmeister zu sein, mit Ivan Lendl in seiner Ecke und einem weiteren Jahr Tennis werden die Chancen in Melbourne größer sein als im letzten Jahr.“

2018 scheiterte Zverev Down Under in Runde drei am Südkoreaner Hyeon Chung. Will er sich in der Weltrangliste verbessern, muss er bei den wichtigsten Turnieren des Jahres seine Leistung steigern. Dass Lendl Grand-Slam-Sieger formen kann, bewies der Wahl-Amerikaner bei seinem Engagement mit Andy Murray, den er zu drei Grand-Slam-Titeln führte. „Ivan hat alles auf dem Schirm, alle Daten und Techniken auf seinem Computer. Ihm gefällt es sehr, dass er mir anhand der Daten zeigen kann, dass ich unrecht habe“, sagt Zverev über seinen Coach. In guten Phasen ist es einfach, sich vom Coach überzeugen zu lassen. Spannend wird das Verhältnis, sollte einmal eine schwächere Phase kommen.

Die Masters-Erfolge gilt es zu bestätigen

Punkte-Verteidigung Während Zverev bei den Grand Slams kaum Punkte aus dem Vorjahr zu verteidigen hat (630 Punkte), gilt es für den 1,98 Meter großen Hamburger, seine bärenstarken Leistungen bei den Masters-Turnieren zu bestätigen. Außer in Indian Wells und Cincinnati stand er 2018 immer mindestens im Viertelfinale, Madrid konnte er gewinnen, in Rom und Miami stand er im Endspiel. 3300 seiner aktuell 6385 Weltranglistenpunkte erspielte er sich bei den neun Masterturnieren. Einerseits ein Beleg seiner starken Leistungen, andererseits eine Hypothek für die kommende Saison, weil ihn schwache Auftritte bei den Masters ganz schnell von der Spitze der Rangliste wegspülen könnten.

Mehr Ruhe täte dem Heißsporn gut

Ruhe und Reife „Niemand hat einen höheren Anspruch an mich als ich selbst. Aber ich verstehe, dass manches Zeit benötigt“, sagt Zverev über seine eigene Erwartungshaltung – und die der Öffentlichkeit. Der Weg zur Nummer eins ist lang, steinig und nur selten ohne Rückschläge. Allerdings bekommen Beobachter manchmal den Eindruck, Zverev wolle zu schnell zu viel. An schwachen Tagen äußert sich das in offensichtlicher Frustration auf dem Platz; in selteneren Fällen in noch schwächeren Auftritten nach den Matches. Nun wird die Nummer eins der Welt nicht auf dem Podium gemacht. Es ist allerdings auffällig, dass Federer, Djokovic und Nadal erst dann die Nummer eins wurden, als sie gelernt hatten, auf und außerhalb des Platzes ruhiger und fokussierter zu werden. Nun wird bei Zverev wohl das Alter seinen Teil zu dieser Entwicklung beitragen. Aber auch Lendls Rolle ist nicht zu vernachlässigen. Nach den ungerechtfertigten Pfiffen gegen seinen Schützling bei der WM in London, sprach Lendl mit dem Youngster: „Nimm das nicht persönlich. Das sind alles Roger-Fans. Er hat es verdient, die meisten Fans der Welt zu haben.“ Was folgte, war eine sportliche Demonstration im Endspiel gegen Djokovic und nach dem WM-Titel der sympathischste Zverev-Auftritt seiner Karriere. Nur Zufall?

Was wird aus Federer, Djokovic und Co.?

Konkurrenz Zverev kann an seinen Schlägen, seiner Physis und seiner Psyche arbeiten. Eines aber kann er nicht kontrollieren: Die Stärke seiner Kontrahenten. Djokovic (9045 Punkte), Nadal (7480) und Federer (6420) stehen vor ihm in der Weltrangliste. An Federer, der bei den Australian Open den Titel zu verteidigen hat, könnte er nach dem ersten Grand Slam des Jahres vorbeiziehen. Nadal, der die vergangenen Jahre immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte und auch aktuell wieder pausieren muss, hat bis Ende April 1860 Punkte zu verteidigen. Ein Angriff Zverevs während der Rasen- oder Hartplatzsaison im Sommer scheint realistisch. An Djokovics Status als Nummer eins dürfte selbst bei einem optimalen Saisonverlauf für den Hamburger bis in den Herbst nicht zu rütteln sein. Der Serbe dominierte die zweite Saisonhälfte 2018 und hat bis zum Wimbledon-Turnier kaum Punkte zu verteidigen. Daher hat auch Becker seinen ehemaligen Schützling als Nummer eins auf dem Zettel und merkt in Richtung Zverev an: „Die drei lassen einen Jungen nicht so gerne und schnell vorbeiziehen. Das dauert seine Zeit.“ Die aber sollte sich Zverev mit seinen gerade einmal 21 Jahren auch nehmen – und die Öffentlichkeit ihm gönnen.

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