Die Geschäftsführerin des Alexander-Stifts, Gaby Schröder, hält das Festhalten an der einrichtungsbezogenen Impfpflicht für „ungerecht und unsinnig“ – und warnt vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels.
Die in der vergangenen Woche von der Bundesregierung vorgestellten Corona-Regeln für den Herbst sind aus Sicht von Alten- und Pflegeeinrichtungen unzureichend. Vermisst werden insbesondere Informationen zum weiteren Umgang mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht.
Personalsituation zum Zerreißen angespannt
Für Gaby Schröder, der Geschäftsführerin des Alexander-Stifts, das im Rems-Murr-Kreis und fünf weiteren Landkreisen Einrichtungen im Bereich der Altenhilfe betreibt, ist das Festhalten der Politik an der einrichtungsbezogenen Impfpflicht und ihre Verschärfung nicht nur ungerecht, sondern aus mehreren Gründen unsinnig: „Unsere Personalsituation ist durch den Fachkräftemangel und durch Corona-Quarantänen ohnehin schon zum Zerreißen angespannt. Durch die Verschärfung und bei einer möglichen Verlängerung müssen wir mit weiteren Kündigungen rechnen“, sagt sie. Abgesehen davon sei die Impfpflicht wirkungslos und unsinnig, wenn sie nur für die Mitarbeitenden und nicht für die Bewohner und Besucher gelte. „Der Schutz vulnerabler Gruppen in unseren Einrichtungen und Diensten kann mit dieser eher symbolischen Regelung nicht gewährleistet werden“, so Schröder.
Die Impfquote in den einschlägigen Einrichtungen sei schon vor der Einführung der Pflicht hoch gewesen, im Alexander-Stift seien mehr als 95 Prozent der Mitarbeiter mindestens zweimal geimpft. In Kombination mit einer lückenlosen Testung, konsequentem Maskentragen und der medizinischen Kompetenz der Fachkräfte sei ein wirkungsvoller Infektionsschutz gewährleistet. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht müsse deshalb so schnell wie möglich ausgesetzt und dürfe keinesfalls verlängert werden: „Die völlig überzogene Ungleichbehandlung unserer Pflegekräfte ist inakzeptabel“, betont Schröder.
Mit ihrer Forderung und der Warnung vor einem eklatanten Fachkräftemangel steht die Geschäftsführerin des von der Diakonie Stetten getragenen Alexander-Stifts nicht allein. Auch die im Württembergischen Evangelischen Fachverband für Altenhilfe (WEFA) zusammengeschlossenen Träger stationärer Einrichtungen und der Landesverband der Diakonie und Sozialstationen warnen vor Personalengpässen: „In der momentanen Situation sehen wir uns nicht in der Lage, die Versorgung nachhaltig sicherzustellen und sind gezwungen, die ambulante Versorgung und die Belegung in den stationären Einrichtungen an die vorhandenen Kapazitäten anzupassen“, heißt es in einer Erklärung der WEFA. Im Zweifel könne die Qualität der Versorgung der Menschen in den Diensten und Einrichtungen nur durch einen Aufnahmestopp und temporäre Schließungen von einzelnen Pflegeplätzen oder ganzen Bereichen sichergestellt werden.
Staatlicher Ausgleich für Corona-Aufwand?
Im Herbst müsse zudem sichergestellt sein, dass die mit den Corona-Auflagen verbundenen Personal- und Sachkosten von der Bundesregierung auch refinanziert werden. Die wirtschaftlichen Risiken durch die Coronapandemie bestünden weiter, „mit drohenden Personalengpässen und ohne einen zusätzlichen Pflege-Rettungsschirm lassen sich diese Regeln nur schwer umsetzen“, sagt Kornelius Knapp, Vorstand Sozialpolitik des Diakonischen Werks Württemberg.