Leere Regale bei Aldi. Der Discounter hat Eier aus dem Sortiment genommen. Foto: StN

Trotz des Eier-Skandals haben Verbraucher in Stuttgart Vertrauen in die Qualität der Produkte – vor allem, wenn sie aus der Region und dem Land kommen.

Stuttgart - Nur der letzte Rest von Dotter deutet darauf hin, dass sich in diesem Regal mal Eierkartons stapelten. Jetzt herrscht gähnende Leere. Nicht einmal die Preis- und Typenschilder kleben noch am Regal. Der Marktleiter des Ladens in der Innenstadt hat ganze Arbeit geleistet. Wie in ganz Deutschland hat der Discounter auch in Stuttgart sämtliche Eier aus dem Verkauf genommen. Dass er an diesem Freitag beinahe im ­Akkord Fragen zu Eiern beantworten muss, nimmt er gelassen: „Sie sind nicht der Einzige, der heute Auskunft will. Ich schätze, wir haben bald wieder welche. Das Ganze muss halt neu organisiert werden.“

Anlass ist der sogenannte Fipronil-Skandal. Wahrscheinlich sind über zehn Millionen mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden im Umlauf, von denen nun eine Gesundheitsgefahr ausgeht. Der Discounter bezieht nach eigenen Angaben bereits seit Anfang der Woche keine Eier aus gesperrten niederländischen Betrieben mehr. In den vergangenen Tagen seien ­zudem in einzelnen Regionen Bio-, Bodenhaltungs- und Freilandeier mit geringen ­Fipronil-Gehalten vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden.

Kunden fehlt oft Information

Dass an diesem Tag bei Aldi immer noch viele Kunden Eier kaufen wollen, deutet auf die Unkenntnis der Verbraucher hin. Auf Nachfrage bestätigt sich das Ganze. Alle, die an diesem Freitag bei Aldi Eier kaufen wollen, sagen nach einer kurzen Aufklärung: „Ach, das habe ich gar nicht gewusst.“

Dieses Bild zeigt sich auch in anderen Lebensmittelmärkten der Innenstadt. Ganz gleich, ob bei Lidl, Edeka, Rewe, Alnatura oder Hit. Kunden greifen überwiegend bedenkenlos ins Regal. Nur wenige schauen auf den Etiketten nach der Herkunft oder nach der Art der Tierhaltung. „Die hier sind doch aus dem Ländle“, sagt eine Dame bei Edeka und zeigt mit dem Finger auf das Etikett: „Zudem stammen sie von Hühnern in Bodenhaltung.“ Dieses Verbrauchervertrauen in regionale Produkte bestärkt die Nahversorger, ihre Eier weiterzuverkaufen. Im Brustton der Überzeugung erklärt eine Verkäuferin bei Lidl in der City: „Ich habe die Auskunft bekommen, dass wir alles geprüft haben und die Ware okay ist. Deshalb verkaufen wir auch mit gutem Gewissen weiter.“ Daher wollen auch Edeka und Rewe zunächst auf einen so radikalen Schritt verzichten. Alle sehen keine Veranlassung dazu, Eier komplett aus dem Sortiment zu nehmen, denn bislang lägen allen Unternehmen kein Nachweis von Fipronil vor.

Aldi hat indes angekündigt, dass ab sofort nur noch Eier an den Discounter geliefert werden dürften, für die ein Nachweis vorliege, dass sie negativ auf Fipronil getestet seien. Klarheit und Transparenz für die Kunden sei nun das höchste Gebot, heißt es in einer Mitteilung des Discounters.

Nach dem Bekanntwerden des Skandals im Land ist im Übrigen ein Sonderkontrollprogramm angelaufen. In einem ersten Schritt seien 19 Proben von Erzeugern aus Baden-Württemberg geprüft worden. Ergebnis: Sie waren negativ.

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