Der Albaufstieg von Beuren nach Erkenbrechtsweiler weist starke Schäden auf. Deshalb wird die Fahrbahn im Herbst erneuert. Während der dreimonatigen Arbeiten ist die Kreisstraße komplett gesperrt. Schon vor dem Baustart steigen die Kosten.
Die Erkenbrechtsweiler Steige zwischen Beuren und der Albgemeinde muss dringend saniert werden. Der Fahrbahnbelag der Kreisstraße 1262 weist starke Schäden auf: „Auf der gesamten Strecke sind Risse festzustellen“, informierte Landrat Heinz Eininger jüngst die Mitglieder des Ausschusses für Technik und Umwelt des Esslinger Kreistages. „Darüber hinaus treten zahlreiche Randabsenkungen sowie einzelne Schäden, die auf ein Versagen der Tragschichten schließen lassen, auf.“
Die Schäden an der Fahrbahnoberfläche spiegeln nicht nur den altersbedingten Zustand der Straße wieder – zuletzt war sie im Jahr 1990 grundlegend erneuert worden. Auch die hohe Verkehrsbelastung hinterlässt Spuren: Tag für Tag rollen rund 5200 Fahrzeuge auf diesem so wichtigen Streckenabschnitt, der laut Eininger Teil einer landesweit bedeutenden Verbindung für Großraumtransporte aus dem Raum Oberschwaben ist. Dem stetig steigenden Aufkommen sei die Kreisstraße jedoch nicht mehr gewachsen. Mit ihrer nur 14 Zentimeter starken Asphaltschicht sei sie „unterdimensioniert und entspricht nicht mehr dem aktuellen Regelwerk“, erklärt der Landrat in der Beschlussvorlage, warum eine Sanierung dringend erforderlich ist.
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In einem ersten Bauabschnitt soll daher die gesamte Fahrbahn von der Einmündung in die Landesstraße 1210 beim Freilichtmuseum Beuren bis zur Zufahrt zum Wanderparkplatz Bassgeige am Ortsrand von Erkenbrechtsweiler abgefräst und – mit einer Asphaltbinderschicht verstärkt – neu aufgebaut werden. Der am Fuß der Steige parallel verlaufende Gehweg soll ebenfalls saniert und die dortigen Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut werden.
Die Arbeiten sollen vor dem Winter erledigt sein
Die Arbeiten beginnen voraussichtlich im September dieses Jahres. Die Zeit drängt: „Ziel ist es, die Maßnahme zwingend vor dem Winter abzuschließen“, so Eininger. Rund drei Monate Bauzeit seien veranschlagt. „Währenddessen muss die Kreisstraße voll gesperrt werden.“ Der Verkehr werde dann umgeleitet. Die Sperrung ermögliche es, gleichzeitig geplante Forstarbeiten vorzunehmen.
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In einem zweiten Bauabschnitt im kommenden Jahr ist vorgesehen, die Stützbauwerke aus Blocksteinen innerhalb der Steige zu sanieren. Eine Gefahr für Hangrutschungen besteht nach jetzigen Kenntnisstand nicht. Weil Hang- und Felssicherungen nur von hierauf spezialisierten Firmen ausgeführt werden könnten, würden diese Arbeiten bewusst nicht zeitgleich mit der Fahrbahnsanierung erfolgen, sondern erst später – zusammen mit Arbeiten der Gemeinde Erkenbrechtsweiler, erläuterte der Landrat. Diese plane 2023 und 2024 die Sanierung von verschiedenen Versorgungsleitungen entlang der Ortsdurchfahrt, der Kreis werde daran anschließend die Fahrbahn instandsetzen.
Erdölprodukte werden immer teurer
Darüber hinaus soll am nördlichen Ortseingang die vorhandene Fahrbahninsel zu einer Querungshilfe für Fußgänger umgebaut werden. Die verschiedenen Bauabschnitte mit der jeweiligen Verkehrsführung sollen aufeinander abgestimmt werden, „um die verkehrlichen Beeinträchtigungen auf ein nicht vermeidbares Minimum zu begrenzen“, kündigte der Landrat an. Sorgen bereitet der Esslinger Kreisverwaltung indes die Situation im Baugewerbe. Insbesondere Erdölprodukte würden immer teurer. „Aktuell entwickeln sich die Bitumen- und damit die Asphaltpreise in einer bislang unbekannten Dynamik“, erklärte Heinz Eininger. „Ebenso sind im Stahlbau erhebliche Kostensteigerungen zu beobachten.“ Die Kalkulation des Projektes droht dadurch aus dem Ruder zu laufen.
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Entgegen der ursprünglichen Schätzung seien die Gesamtkosten für den ersten Bauabschnitt bereits jetzt um 50 000 Euro auf inzwischen 850 000 Euro geklettert. „Wie sich die Kosten weiter entwickeln werden, weiß im Moment niemand“, räumte der Landrat ein. „Die Kostenschätzung bezieht sich auf die uns derzeit bekannten Preise. Die tatsächlichen Preissteigerungen sind aktuell nur bedingt abschätzbar.“ Welche Summe für den zweiten Bauabschnitt benötigt wird, ist völlig unklar – das genaue Sanierungsverfahren steht noch nicht fest.
Der Ausschuss hat den geplanten Straßenbauarbeiten dennoch zugestimmt. Die Kreisverwaltung wurde beauftragt, die Leistungen öffentlich auszuschreiben und die Bauarbeiten an den wirtschaftlichsten Bieter zu vergeben.
Die Erkenbrechtsweiler Steige
Bedeutung
Die Steige ist eine wichtige Verbindung zwischen der L 1210 im Kreis Esslingen zur B 28 im Landkreis Reutlingen. Sie ist Teil einer landesweit bedeutenden Trasse für Großraumtransporte aus dem Raum Oberschwaben und zum Hafen Plochingen. An den Wochenenden ist sie für den Freizeitverkehr von großer Bedeutung.
Belastung
Die streckenweise kurvige Kreisstraße 1262 von Beuren nach Erkenbrechtsweiler ist insgesamt 2,9 Kilometer lang. Trotz einer doch recht beachtlichen Steigung von bis zu 16 Prozent ist sie einer der am meisten befahrenen Albaufstiege in der Region. Durchschnittlich sind hier 5200 Fahrzeuge jeden Tag unterwegs.