Das Alb-Fils-Klinikum in Göppingen bestätigt Kritikpunkte eines Rettungsdienstmitarbeiters und spricht von „unvorhergesehenen Herausforderungen“.
Heizlüfter in der Zentralen Notaufnahme (ZNA), Patienten werden über den Ausgang statt den überdachten Eingangsbereich angeliefert, Poller sollen für mehr Sicherheit an automatischen Türen sorgen: Auf diverse Mängel in der ZNA des neuen Alb-Fils-Klinikums (AFK) hat ein Mitarbeiter des Rettungsdiensts hingewiesen. Die Klinik bestätigt die meisten Punkte und verweist darauf, dass der Neubau ein sehr komplexes Projekt sei, „bei dem unvorhergesehene Herausforderungen auftreten“.
Patienten müssen teilweise im Freien warten
Nach Einschätzung des Sanitäters beruhen die Mängel auf „einer fehlerhaften Planung des Eingangsbereichs der Zentralen Notaufnahme“. Der eigentliche ZNA-Eingang durch die automatischen Schiebetüren dürfe nur noch in Ausnahmefällen bei Schockraumpatienten genutzt werden – „da ansonsten der Ersteinschätzungsbereich der ZNA auskühlt. Es wurden sogar Heizlüfter an den Eingängen der Schiebetüren installiert“. Es komme nicht selten vor, dass mehrere Patienten gleichzeitig zur Übergabe eintreffen. Dann müssten Patienten teilweise im Freien mit der Rettungsdienstbesatzung warten, bis sie an der Reihe sind. Der Mitarbeiter berichtet: „Die vorgeschlagene Lösung: Die Rettungsdienste sollen künftig den Ausgang als Eingang verwenden.“
Klinik-Sprecherin Susanne Stiltz räumt ein: „Es hat sich mit Beginn der Wintermonate gezeigt, dass die thermische Trennung im Bereich des ZNA-Eingangs bei schwierigen Wetterbedingungen und gleichzeitig auftretender, hoher Frequenz der Rettungsfahrzeuge optimiert werden muss, um unter anderem ein Abkühlen der Arbeitsbereiche und der Wartezonen zu vermeiden.“ Deshalb seien vorübergehend „zusätzliche Heizquellen“ installiert und „alternative Zugänge“ geschaffen worden. Schockraumpatienten würden jedoch grundsätzlich über den bisherigen Weg transportiert.
Ausgang nicht geeignet, um Notfallpatienten anzuliefern
Stiltz betont: „Die Nutzung des alternativen Zugangs ist eine operative Entscheidung zwischen dem AFK und den Rettungsdiensten, um den Patientenfluss bei starkem Aufkommen zu steuern.“ Was sie nicht bestätigen will, ist, dass Einsatzkräfte im Freien hätten warten müssen: „Wir gewährleisten derzeit ausreichend Platz innerhalb der Notaufnahme für das Warten von Rettungsdienstteams mit Patienten.“ Dennoch wird daran gearbeitet, die Situation zu optimieren, denn aktuell läuft laut Stiltz eine von der ZNA initiierte Umfrage, „um die Zufriedenheit der Rettungsdienste und der Mitarbeitenden mit der aktuellen Wegeführung zu evaluieren“. Nach Abschluss der Umfrage würden die Ergebnisse in den kommenden zwei Wochen analysiert.
Ein Problem der jetzigen Notlösung mit der Nutzung der Ausgänge ist laut des Insiders, „dass die Ausgangstüre mit einem automatischen Türöffner versehen ist und nach außen in den Fahrweg der ankommenden Rettungswagen öffnet“. Dieser Türöffner sei zunächst deaktiviert worden, um Unfälle zu verhindern – „eine Maßnahme, die aus meiner Sicht nicht tragfähig ist und erhebliche Sicherheits- sowie Prozessrisiken birgt“. Der Ausgang ist aufgrund der fehlenden Breite einfach nicht dazu geeignet, um Notfallpatienten anzuliefern.
Alb-Fils-Klinik nimmt die Hinweise ernst
Stiltz versichert: „Die Sensoren der Automatikschiebetüren wurden so konfiguriert, dass sie den spezifischen Anforderungen des Rangierbetriebs gerecht werden. Ein Sicherheitsrisiko besteht hierbei nicht.“ Dennoch muss an der Kritik des Sanitäters etwas dran sein, denn die Klinik will handeln: „Die Ausgangstüre für Rettungskräfte geht nach außen auf, hier sind noch Schutzpoller geplant und in diesem Zuge soll auch die Einfahrt der Rettungsfahrzeuge geändert werden, um eine mögliche Kollision mit der Türe auszuschließen“, kündigt Stiltz an.„Alles in allem, ist es eine deutliche Verschlechterung zum Altbau“, sagt der Rettungsprofi. Das lässt die Klinik nicht stehen: „Wir teilen die Einschätzung einer generellen Verschlechterung ausdrücklich nicht“, sagt Stiltz. „Dennoch ist uns bewusst, dass die Eingewöhnungsphase in einem Gebäude dieser Komplexität notwendige Veränderungspotenziale aufzeigen kann, die in der Planung so nicht absehbar waren.“ Sie versichert: „Wir nehmen die Hinweise aus den Reihen der Einsatzkräfte sehr ernst, da sie ein wichtiger Partner in der Patientenversorgung sind.“
Reform der Notaufnahmen in den Startlöchern
Entwurf
Perspektivisch könnte sich einiges ändern in der Notaufnahme: Klinik-Sprecherin Stiltz möchte auf „die langfristige Lösung durch ein integriertes Notfallzentrum hinweisen, mit der einige der ,überbrückenden‘ Anpassungen hinfällig werden“. Der Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums zur Reform der Notfallversorgung liege bereits vor.
Ersteinschätzung
Ministerin Nina Warken (CDU) will damit der Tatsache begegnen, dass die Notaufnahmen der Krankenhäuser seit Jahren voll mit Patienten sind, bei denen kein dringender Notfall vorliegt. Konkret hat Warken laut einem ersten Gesetzentwurf vor, die bundesweite Telefonnummer 116117, die bisher für den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Terminvergabe gedacht ist, zu einer Akutleitstelle auszubauen, die eine Ersteinschätzung vornimmt. Im konkreten Fall soll jeweils geklärt werden, ob ein Rettungswagen kommen muss. Wer sich selbst in ein Krankenhaus begibt, soll zuerst am Tresen eines „integrierten Notfallzentrums“, das 24 Stunden am Tag geöffnet ist, eine Ersteinschätzung bekommen.