Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Todesursache Nummer eins in Deutschland. Die Kardiologie des Alb-Fils-Klinikums Göppingen ist im Neubau nun besser aufgestellt.
Bluthochdruck, Herzinfarkt, Rhythmusstörungen: Erkrankungen des Herzens können schnell lebensbedrohlich sein. „Durchblutungsstörungen kommen am häufigsten vor“, sagt Professor Stephen Schröder, Chefarzt in der Klinik für Kardiologie des Alb-Fils-Klinikums. Im akuten Infarkt zählt jede Minute, die verengten Stellen müssen so schnell wie möglich wieder durchlässig gemacht werden.
„Hier sind wir technisch bestens aufgestellt“, sagt Schröder. Statt zwei gibt es im Neubau nun drei Herzkatheter-Labore mit hochmodernen Großgeräten, zum Beispiel könne man jetzt verkalkte Stellen auch mittels Schallwellen aufbrechen. Bei einfachen Eingriffen können Patienten ambulant behandelt werden, dies betreffe etwa ein Viertel der Patienten.
Großteil der Patientinnen und Patienten sind Notfälle
Der Chefarzt macht deutlich, dass ein Großteil der Patientinnen und Patienten in der Kardiologie als Notfälle kommen, beispielsweise mit einem akuten Herzinfarkt. Die Katheterlabore sind daher auch rund um die Uhr besetzt, bei Rufbereitschaft ist das Labor längstens innerhalb einer halben Stunde einsatzbereit.
Brustschmerzen seien immer ein Warnsignal und hätten daher in der Notaufnahme Priorität eins, sagt der Kardiologe. Es gehe darum, schnell ein EKG zu schreiben, Blut abzunehmen sowie Blutdruck und Puls zu kontrollieren. 130 bis 150 akute Herzinfarkte werden im Jahr im Alb-Fils-Klinikum behandelt, hochgerechnet auf 15 Jahre sind das etwa 1850, die in einem anonymisierten Register gesammelt werden, um Qualitätsmerkmale zu erheben.
72 Prozent der Patienten seien Männer, wobei die Frauen aufholen werden. „Die Sterblichkeit in der Klinik liegt bei uns bei rund acht Prozent. Das ist im deutschlandweiten Vergleich ein guter Wert“, unterstreicht der Chefarzt. Der Faktor Zeit spiele eine entscheidende Rolle – und wo der Infarkt im Herzen auftritt. Davon abhängig ist letztlich, wie schwer der Herzmuskel geschädigt wird und ob es zusätzlich zu Rhythmusstörungen kommt. Eine Beobachtung gebe es: „Schwerer verläuft ein Infarkt zum Beispiel meist bei jüngeren Menschen um die 40, mit Verschluss eines großen Koronargefäßes, bei ansonsten unauffälligen Arterien.“ Eine Reha und auch Herzsportgruppen seien wichtig, um die Patienten wieder an ihre gewohnten Tätigkeiten heranzuführen.
Spezialstation zur Diagnostik in die Notaufnahme integriert
Mit dem Umzug in den Klinikneubau hat sich nach Schröders Worten viel verbessert. „Neue Strukturen, vereinfachte Prozesse, kürzere Wege“, fasst er zusammen. Schrittmacher, die früher schwerpunktmäßig im OP implantiert wurden, werden jetzt direkt in der Kardiologie eingesetzt. Weiterer Vorteil: Die so genannte Chest-Pain-Unit, kurz CPU, eine Spezialstation zur Diagnostik und Ersttherapie von Patienten mit akuten Brustschmerzen, wurde mit dem Umzug in das neue Krankenhaus in die Zentrale Notaufnahme integriert. Eine so genannte Holding ist direkt an das Herzkatheterlabor angegliedert. „Hier werden Patienten vor und nach einer Intervention versorgt und überwacht“, sagt der Chefarzt.
„Die Ambulantisierung nimmt weiter zu, dadurch können wir die Patientenströme besser steuern“, erläutert Schröder einen Trend, der nicht nur seinen Fachbereich betrifft. Dennoch wurde die Bettenkapazität der Kardiologie im Neubau geringfügig aufgestockt, und zwar um sechs auf 72 Betten. Es gibt jetzt auch eine Kurzliege-Einheit für Patienten, die nach einem Eingriff nur eine Nacht dableiben müssen. Neu ist auch, dass die Kardiologie ihr Angebot ausgebaut hat. „Wir machen annähernd alles, was ohne hauseigene Herzchirurgie möglich ist, wir sind sehr breit aufgestellt“, verdeutlicht der Chefarzt.
Premiere für eine minimalinvasive Herzklappenreparatur
Ende Dezember gab es eine Premiere: Zum ersten Mal nahm Oberarzt Hussein Farag Alla im Alb-Fils-Klinikum eine minimalinvasive Herzklappenreparatur im sogenannten Mitraclip-Verfahren vor. Dabei wird ein Katheter über die Leistenvene bis in den linken Vorhof des Herzens geführt. Der Clip selbst – kaum größer als eine 1-Cent-Münze – greift die undichten Segel der Mitralklappe und zieht sie zusammen. Dadurch wird die Klappe wieder „dicht“, und das Herz muss deutlich weniger Pumparbeit leisten.
Der Erfolg des Mitraclip-Verfahrens beruhe auf einer Teamleistung und hängt maßgeblich von der Bildgebung zur präzisen Platzierung während des Eingriffs ab. Im Alb-Fils-Klinikum kommt hierfür ein spezielles 3D-Echokardiographie-System zum Einsatz, bedient von Oberarzt Georg Wedekind. Es liefert während des Eingriffs hochauflösende Echtzeit-Bilder des schlagenden Herzens.
„Die Präzision, mit der wir heute arbeiten können, ist beeindruckend“, erklärt Professor Stephen Schröder. „Dank der 3D-Rekonstruktion kann der Clip auf den Millimeter genau an den Klappensegeln positioniert werden.“ Für die erste Patientin, die während des Eingriffs in Narkose lag und durch die Chefärztin der Anästhesie Professorin Annette Rieg betreut wurde, bedeute das: „Maximale Sicherheit und ein unmittelbar spürbares Ergebnis.“
Die Ursachen – und was man tun kann
Auslöser
Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind insbesondere Rauchen, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen, aber auch die Gene, sagt Professor Stephen Schröder, Chefarzt der Kardiologie im Alb-Fils-Klinikum. Es sei wichtig, seine Blutfette kontrollieren zu lassen, um eine angeborene Störung auszuschließen. Wichtig sei, regelmäßig seinen Blutdruck zu messen und familiäre Belastungen im Blick zu haben. Das Rauchen sollte man am besten bleiben lassen.
Ratschlag
Ansonsten rät der Arzt, das „Leben genießen, sich auch mal etwas gönnen, aber maßvoll, und in Bewegung bleiben.“ Letztlich sei es entscheidend, nicht nur auf sein Herz, sondern auf den gesamten Körper achtzugeben.