Die Kliniken werben mit einer Imagekampagne und Gesprächsrunden um Vertrauen. Foto: Horst Rudel

Eigentlich sollten die Kliniken das Jahr 2018 ohne Minus abschließen – doch dann kam alles ganz anders.

Kreis Göppingen - Dramatisch schlechte Zahlen hat Wolfgang Schmid ausgerechnet an dem Tag präsentiert, an dem die Kreisräte die Teilbaufreigabe für Erdaushub und Rohbau für den Göppinger Klinikneubau auf den Weg brachten. Der Kaufmännische Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken rechnet bis Ende des Jahres mit einem Defizit von mindestens 6,3 Millionen Euro, dem schlechtesten Ergebnis seit neun Jahren, da die Zahl der Patienten gesunken ist und das bisher um vier Prozent.

Eigentlich sollten die Kliniken 2018 ohne Minus abschließen

Dabei hatte das Jahr gut begonnen: „Wir waren uns Anfang 2018 sicher, dass wir in diesem Jahr erstmalig ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen würden“, erklärte Schmid die Ausgangslage. Doch dann ging es Schlag auf Schlag: Darmkeime, die vor zwei Jahren das erste Mal verstärkt in der Klinik am Eichert auftraten, hatten wohl zu einer Verunsicherung der Bevölkerung und zu einem Rückgang der Patientenzahlen geführt. Und mit zwei Todesfällen, verursacht durch eine tragische Verwechslung von Infusionen im September, gerieten die Kliniken erneut in die Schlagzeilen.

Beim Thema Keime verschärften die Kliniken ihre Hygienevorschriften, führten eine Eingangsuntersuchung durch und isolierten Patienten. Der im Vergleich zu anderen Klinikkeimen deutlich weniger aggressive Darmkeim Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) ist wohl schwerer zu kontrollieren, da ihn bis zu zehn Prozent der Menschen in sich tragen. So war es auch im Frühjahr, wo vier von sieben infizierten Patienten den Keim bereits in sich trugen, als sie in die Klinik kamen.

Die Keimbelastung sei kein Göppinger Problem, sagt der Kaufmännische Geschäftsführer

Inzwischen gab Schmid Entwarnung: „Wir haben keine getrennten Bereiche mehr und sind auf einem niederen Stand der Besiedelung.“ Schmid betonte, die Keimbelastung sei kein Göppinger Problem, sondern in vielen Kliniken zu finden, allerdings gebe es dafür keine Meldepflicht und keine verlässlichen Vergleichszahlen. Die Klinikleitung habe das Landesgesundheitszentrum und das Sozialministerium deshalb aufgefordert, die Keimbelastung der Kliniken im Land zu erfassen.

Doch zurück zu den Finanzen: Immerhin Mehrkosten von 600 000 Euro hat der VRE-Keim den Alb-Fils-Kliniken beschert. Dazu kommen Einnahmeausfälle, weil die Klinik zugunsten des Christophsbads zunächst keine Schlaganfallpatienten mehr betreuen darf.

Schon im Frühjahr sei klar gewesen, dass das Defizit in diesem Jahr nicht mehr aufzuholen sei. Im Mai betrug das Minus bereits drei Millionen Euro, und inzwischen rechnet Schmid mit besagten 6,3 Millionen Euro. Sollte der Patientenrückgang bis zum Ende des Jahres anhalten, könnte das Minus sogar um weitere zwei Millionen Euro steigen.

Die Talsohle sei aber durchschritten, und der Leistungsrückgang schwäche sich ab, sagte der Kaufmännische Geschäftsführer, der sich trotz der Rückschläge zuversichtlich zeigte. Bis Ende 2019 wolle die Klinikleitung finanziell wieder dort stehen, wo Anfang 2018 der Einbruch erfolgte.

Die Sicherheit der Patienten im Blick

Ihre Leistungsfähigkeit vor allem auch in der Patientensicherheit möchten die Kliniken in einer groß angelegten Imagekampagne und in fünf Gesprächsrunden für Bürger und Gemeinderäte in mehreren Kreiskommunen dokumentieren. Inzwischen ließen sich die Kliniken vom bundesweiten Aktionsbündnis Patientensicherheit beraten und schulen, erklärte Schmid. Voran gehe es auch bei der Digitalisierung. Die digitale Patientenakte, die es auf ärztlicher Ebene bereits gebe, werde im kommenden Jahr durch die digitale Pflegedokumentation ergänzt. Sie erleichtere nicht nur die standardisierte Erfassung, sondern auch den Zugriff beim Stations- und Personalwechsel.

Es gelte, die Stärken der Kliniken auszubauen. Wie beispielsweise in der Kardiologie 2017 mit dem Einbau der elektro-physiologischen Einheit für die Behandlung von Vorhofflimmern und dem erneuerten Herzkathetermessplatz, einer Investition im mittleren sechsstelligen Bereich. Auch beim Klinikneubau geht es voran: Nach der Förderzusage des Landes über 168 Millionen Euro haben die Kreisräte mit der Teilbaufreigabe den Startschuss für den Neubau gegeben, und an diesem Donnerstag wird der Göppinger Gemeinderat den Bebauungsplan Neubau Klinik beschließen.

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