Ein Feuerwehrauto machte Warndurchsagen an die Bevölkerung. Foto: dpa

Aufregung in Heidelberg und Umgebung: Aus den Hähnen fließt blaues Wasser. In kürzester Zeit schwinden die Wasservorräte in den Supermärkten. Am Nachmittag kommt dann die Entwarnung.

Heidelberg - Achtung, Achtung, aufgrund einer Verunreinigung ist der Verbrauch und Verzehr von Trinkwasser verboten“, tönt es aus dem Lautsprecher eines Feuerwehrwagens. Bis um die Mittagszeit fahren Einsatzkräfte am Donnerstag mit Blaulicht durch Heidelberg und den Nachbarort Dossenheim – und verbreiten die Warnung. Auch Speisen, „die nach 8 Uhr zubereitet wurden“, dürften nicht gegessen werden. „Waschen Sie sich nicht die Hände!“, empfiehlt die Feuerwehr. Der Grund des Alarms: Besorgte Bürger haben den Behörden gemeldet, das Wasser aus ihren Hähnen sei blau. Am späten Nachmittag kommt die Entwarnung: Analysen des Wassers hätten ergeben, dass es die Gesundheit nicht gefährde, teilt die Stadt mit.

„Legen Sie einen Wasservorrat an“, hatte die Feuerwehr den Bürgern zuvor geraten. Schon kurz darauf wurden in Supermärkten in Heidelberg und Dossenheim die Wasserflaschen knapp. Die Mensen der Universität wurden geschlossen, für tausende Studenten fiel das Mittag­essen aus. Auch Cafés und Gaststätten machten vorsorglich zu, im Uniklinikum und zwei benachbarten Krankenhäusern wurde ein Krisenstab eingerichtet. Bei den Hotlines des Gesundheitsamts Rhein-Neckar, das die Verbote angeordnet hatte, kamen besorgte Bürger kaum noch durch. Kurz vor 16 Uhr kam dann die erlösende Nachricht: „Die Trinkwasserwarnung des Gesundheitsamts ist aufgehoben. Es konnten keine Belastungen nachgewiesen werden“, hieß es aus dem Heidelberger Rathaus.

Wasserflaschen wurden knapp

„Wir haben mit unseren Maßnahmen für sehr viel Aufregung gesorgt“, hatte kurz zuvor der Leiter des Amts, Rainer Schwartz, bei einer Pressekonferenz gestanden. „Aber wir mussten die möglichen Gefahren abwägen.“ Daher habe man auch das Händewaschen untersagt. „Denn wenn es toxische oder ätzende Verunreinigungen gegeben hätte, hätte man uns Vorwürfe gemacht“, sagte der Mediziner.

Ausgelöst hatten die Sorgen um das Trinkwasser etliche Dossenheimer Bürger. Sie hatten am Morgen bei der Gemeinde und beim Gesundheitsamt angerufen und eine bläuliche Verfärbung ihres Leitungswassers gemeldet. Wenig­ später haben Mitarbeiter der Stadtwerke in ihrem Wasserwerk Entensee im Norden der Stadt eine Probe entnommen und auch eine leicht bläuliche Verfärbung festgestellt. Gegen 10 Uhr wurde das Wasserwerk daraufhin geschlossen. Unmittelbar danach habe man begonnen, die Leitungen zu spülen, und die Versorgung der Haushalte auf zwei andere Wasserwerke umgestellt, sagte Markus Morlock, der Technische Leiter der Firma.

Ursache der Farben unklar

Derweil gingen zehn Wasserproben zur Untersuchung an das Hygieneinstitut der Uni Heidelberg und an ein Speziallabor der Mannheimer Feuerwehr. Die Ergebnisse seien „unkritisch“, teilte die Stadt Heidelberg mit, das Wasser könne „ab sofort wieder in vollem Umfang genutzt werden“. Kurz danach hob auch das Gesundheitsamt die Trinkwasserwarnung auf.

Woher­ die Verfärbung rührte, ist unklar. Laut den Behörden steht nur fest, dass sie vom Wasserwerk Entensee kam. Dort habe es aber keinerlei Vorkommnisse gegeben, die als Ursache in Frage kämen, sagte der Sprecher der Stadtwerke. „Die Behörden nehmen an, dass die Verfärbung auf der natürlichen Schwankungsbreite der Zusammensetzung des Wassers beruht“, teilte die Stadt mit.

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