„Von Gleich zu Gleich“ nennt Cäcilie Davidis ihre filigrane Papierskulptur. Foto: Frank Eppler

„Tierisch!“ ist eine dreiteilige Ausstellungsreihe betitelt. Im Backnanger Helferhaus kann man über das Jahr verteilt drei kleine, feine Kabinettwechsel mit Druckgrafiken aus der Sammlung Riecker sehen. Darin dreht sich alles um das Verhältnis von Mensch und Tier.

Backnang - Zur besten Ausgehzeit, an einem Samstagabend, hat man im Backnanger Helferhaus die Eröffnung der Ausstellung „Tierisch!“ geplant. Und der Plan ging auf: Die Besucher drängten sich im Erdgeschoss des Graphik-Kabinetts, die Stühle reichten nicht aus für alle. Celia Haller-Klingler, die Leitern des Hauses, beruhigte ihr stehendes Publikum deshalb vor Beginn ihrer Begrüßung und Einführung in das Ausstellungskonzept. „Ich habe zwar neun Seiten Text, aber es wird nur rund zwanzig Minuten dauern.“

Tiere als Symbole und Teile von Fabelwesen

Das Konzept der Ausstellungen basiert auf dem Verhältnis von Mensch und Tier in der Kunst. Dieses kann aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden. Da ist einmal das Tier als Begleiter der menschlichen Kultur, was in der ersten Runde von drei Kabinettwechseln gezeigt wird. „No 1 Begleitend“ ist die kleine, aber feine Ausstellung überschrieben.

Da findet der Besucher unter anderem die griechische Göttin der Klugheit und Patronin Athens, Pallas Athene, mit einer Eule dargestellt. Der Vogel gilt als Symbol der Weisheit und der Göttin, die auch die Eulenäugige genannt wird.

Erst auf den zweiten Blick wird klar, was Lucas Cranachs Darstellung von „Christus vor Hannas“ mit dem Thema „Tierisch“ zu tun hat. Tatsächlich sieht man im unteren Teil zwei Haushunde des Hohepriesters fröhlich miteinander balgen – ein starker Kontrast zu dem ansonsten bedrückend düsteren Bild eines geschundenen Menschen.

Zu sehen sind die Druckgrafiken im Riecker-Raum des Grafik-Kabinetts. Sämtliche Exponate stammen aus der Sammlung des Backnanger Apothekers Ernst Riecker, die dieser seiner Heimatstadt vererbt hat. Von 1870 bis 1918 hat der in die USA ausgewanderte Riecker rund 1600 europäische Druckgrafiken aus dem 15. bis zum 19. Jahrhundert gesammelt. Mit den Kabinettwechseln können nun über das ganze Jahr verteilt Stücke daraus gesehen werden.

Der erste Wechsel findet am 9. Juni statt. „No 2 Fabelhaft“ widmet sich Mischwesen aus Mensch und Tier, wie sie seit der Antike in der Mythologie vorkommen. Von der Chimäre über die Sirene zur Harpyie spannt sich der Bogen. Aber auch der Basilisk wird zu sehen sein, dessen Bedeutung sich vom Guten zum Bösen wandelte. Der „König der Schlangen“ wurde als Mischung aus einem Hahn und einer Schlange dargestellt, manchmal auch mit einem menschlichen Kopf und einer Krone darauf. Der Sage nach wird zu Stein oder stirbt, wer einem Basilisken in die Augen sieht.

Das Thema Mode wird auch eine Rolle spielen

„No 3 Mit Haut und Haar“ beschäftigt sich der dritte Wechsel mit dem Tier als solchem. Im Lauf der Zeit hatten sich die Sujets der Kunst gewandelt. Tiere sollten nun möglichst realistisch in ihren Formen, aber auch in der Bewegung dargestellt werden. „Die Lebensräume sollten eine genaue Darstellung der Welt sein, in denen die Tiere leben“, so Celia Haller-Klingler.

Felle und Pelze wurden von Menschen seit der Frühzeit als wärmende Kleidung getragen . Besonders seltene wie Hermelin oder Zobel waren nach mittelalterlichen Bestimmungen nur Adligen vorbehalten. „Das Thema Mode spielt in diesem Teil auch eine Rolle.“

Ergänzt werden die Kabinettwechsel durch Skulpturen der Marbacher Künstlerin Cäcilie Davidis. Diese aus Papier gefertigten fragilen Kunstwerke kommentieren die einzelnen Ausstellungsteile.

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