Bad Wildbad im Nordschwarzwald ist ein Traumziel für eine Auszeit in der Natur. Rund um den Sommerberg locken rund 235 Kilometer Wanderwege und viele Attraktionen wie der Baumwipfelpfad.
Bad Wildbad - Die 300 Höhenmeter von der Ortschaft Bad Wildbad im Enztal bis auf den Hausberg Sommerberg sind im Nu zurückgelegt. „Ganz schön steil“, stellt das fünfjähriges Mädchen fest, als die Seilbahn, die bereits seit über 100 Jahren Fahrgäste von Bad Wildbads Zentrum auf das Hochplateau des Sommerbergs transportiert, nach oben ruckelt. Wer es sportlicher mag, der wandert über einen der historischen Aufstiegswege hinauf.
Oben darf man keine Bergeinsamkeit erwarten. Schon im 19. Jahrhundert suchten Kurgäste auf dem Sommerberg das milde Reizklima auf 739 Meter Höhe. Heute ist es eher die herrliche Aussicht über den nördlichen Schwarzwald, die die Besucher in großer Zahl hinaufzieht. Es ist ein im Wind wogendes Wipfelmeer in dunkelgrünen Farbtönen, das man von hier aus überblickt. Die Gemarkung Bad Wildbad mit einer Fläche von rund 10 000 Hektar hat einen Waldanteil von über 91 Prozent.
Bestens ausgeschilderte Wanderwege
Von der Bergstation der Sommerbergbahn aus hat man die Qual der Wahl: zahlreiche vom Schwarzwaldverein bestens ausgeschilderte Wanderwege führen über das Hochplateau bis zum Wildsee oder nach Kaltenbronn. „Ich will da hoch“, lautet die klare Richtungsanweisung der kleinsten Wanderin in der Runde. Zunächst wird der 2014 eröffnete Baumwipfelpfad ausprobiert, an dessen Ende sich eine 40 Meter hohe Spirale weithin sichtbar gen Himmel schraubt.
Von dem architektonisch außergewöhnlichen, 38,5 Meter hohen Aussichtsturm bietet sich ein spektakulärer 360-Grad-Blick über den kompletten Schwarzwald. Die Holzstege auf dem 1250 Meter langen Pfad winden sich zehn bis 20 Meter über dem Waldboden zwischen den Stämmen hindurch. Zahlreiche spielerische Elemente und Infotafeln vermitteln viel Wissenswertes über den Schwarzwald.
Der Aufstieg durch die Himmelsschnecke auf das oberste Plateau des Aussichtsturms erweist sich trotz der geringen Steigung als schweißtreibend. Doch schon folgt die Abkühlung: In Sekundenschnelle saust man über die spiralförmige Röhrenrutsche in die Tiefe.
Highline und Hohlohturm
Statt über die Highline – eine spektakuläre Fußgänger-Hängebrücke – über den 60 Meter tiefen Abgrund zu balancieren, wandert die Gruppe lieber in Richtung Kaltenbronn. Umgeben von so tiefem Tannenwald, wie er nur im Schwarzwald vorkommt, scheint die Zeit stillzustehen. Nur vereinzelt dringen Sonnenstrahlen bis auf den Waldboden. Der steinerne Hohlohturm, der sich majestätisch über die Baumwipfel erhebt, weist den Weg.
Wie ein Leuchtturm streckt er sich aus dem Meer der Tannen und Fichten empor. Auf 984 Meter Höhe steht der Mitte des 19. Jahrhunderts als Kaiser-Wilhelm-Turm erbaute Aussichtsturm. Der 28,6 Meter hohe Turm bietet einen ebenso schönen Ausblick wie sein Pendant in Bad Wildbad, nur dass man hier in aller Ruhe und ohne Eintrittsgeld die Schönheit der Landschaft genießen kann.
Von Trollen und anderen mythischen Gestalten
Wirklich magisch wird es, als der Wildsee näher rückt: eine Landschaft, die an schottische Hochmoore oder skandinavische Seenlandschaften erinnert. Der See könnte auch als Schauplatz für Märcheninszenierungen dienen. Wenn – wie so häufig – Nebelschwaden über den Moorgewässern wabern und der Wind durch die Birken und Erlen weht, glaubt man überall mythische Gestalten entdecken zu können.
Goethes Erlkönig zum Beispiel könnte hier ersonnen worden sein. Trolle könnten unter den von Moos bewachsenen Steinen hausen. Und sehen die langen, fast weißen Flechten, die von den Bäumen hängen, nicht aus wie langes, zotteliges Hexenhaar? Das Totholz, das im Sumpf verrottet, nicht wie der ausgestreckte Arm eines Ertrinkenden?
Man blickt und staunt, lauscht den zahlreichen Vogelstimmen und riecht den herben Geruch riesiger Pilze und modriger Stämme. Trotz des morastigen Untergrunds kommt man dank der Holzstege trockenen Fußes um den Wildsee, der gemeinsam mit dem Hohlohsee eines der letzten intakten Hochmoorgebiete Mitteleuropas bildet. Die einzigartige, urwüchsige Landschaft ist schon seit 1928 geschütztes Banngebiet und Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen.
Wildbaden mitten im Wald
Der Wildsee liegt im Zentrum des Naturschutzgebietes Wilder See-Hornisgrinde – neben dem Schliffkopf das größte Naturschutzgebiet des Nordschwarzwaldes. Zudem gehört er zu dem im Jahr 2000 gegründeten Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, der den nördlichen und mittleren Schwarzwald auf einer Gesamtfläche von 375 000 Hektar umfasst.
Eine ganz andere Aktivität, die rund um Bad Wildbad angeboten wird, ist das sogenannte Waldbaden. „Dass Wald guttut, das spürt ja irgendwie jeder Mensch“, erklärt die Schwarzwald-Rangerin Ortrud Grieb. In Bad Wildbad setzt man auf diesen Trend aus Japan und hat sogar ein eigenes Waldbade-Zimmer eingerichtet. Ob dies wohl im Sinne der japanischen Erfinder wäre, bleibt dahingestellt.
Der Unterschied zum guten alten Waldspaziergang liegt in der Wahrnehmung der Natur. „Bei einem Waldspaziergang kann man seinen schlechten Gedanken nachhängen“, erklärt Ortrud Grieb. Dass sich viele Wanderer in der Natur mit Dingen außerhalb der Natur beschäftigen, hat schon Henry David Thoreau, der mit „Walden“ im 19. Jahrhundert einen Klassiker der Aussteiger-Literatur verfasste, kritisiert. „Auf meinen Wanderungen möchte ich gerne zu meinen Sinnen zurückkehren. Was habe ich im Wald verloren, wenn ich an etwas außerhalb des Waldes denke?“, schrieb Thoreau vor 180 Jahren.
Ob Waldbaden oder Genusswanderung – der Nordschwarzwald ist zweifellos das ideale Ziel, um den Wald mit allen Sinnen zu erleben.
Info: Anreise
Mit dem Zug von Stuttgart nach Pforzheim, S 6 (Enztalbahn) bis Bad Wildbad oder dem Bus. Mit dem Auto über die A 8, A 81 oder Schwarzwaldhochstraße (B 500).
Unterkunft
Das Hotel Alte Linde liegt im Herzen Bad Wildbads (DZ ab 50 Euro plus 16 Euro Halbpension; /). Das Family-Resort Kleinzenhof bietet neben Hotelzimmern (DZ ab 78 Euro plus Frühstück 9,50 Kinder/13,50 Erwachsene) auch Camping an.
Essen und Trinken
Wer schwäbische Spezialitäten und hausgebackene Kuchen mag, ist in der Skihütte auf dem Sommerberg und in der Waldgaststätte Grünhütte (ca. 25 Minuten vom Zentrum) genau richtig.
Aktivtipps
Bad Wildbad besitzt als traditionsreicher Kurort gleich zwei große Bäder: das Palais Thermal und die Vital Therme. Weitere Ausziele sind der Baumwipfelpfad, der Abenteuerwald Sommerberg und die Hängebrücke Highline.
Allgemeine Informationen
Schwarzwald Tourismus in Freiburg, Tel. 07 61 / 89 64 60; Tourist-Info Bad Wildbad, Tel. 0 70 81 / 1 02 80.