Schon 2025 seien die Pferdegruppen häufig ausgefallen, weil es keine verlässliche Betreuung gegeben habe, so einer der Vorwürfe. Bezirksvorsteher Armin Serwani will in dem Streit vermitteln. Foto: stock.adobe.com/Iannone

Der Aki Raitelsberg ist häufiger geschlossen als geöffnet. Nun ist der Streit zwischen der Vereinsführung und einer Gruppe von Aki-Unterstützern eskaliert – und die Zukunft ungewiss.

Für eine Gruppe von Unterstützern des Aktivspielplatzes Raitelsberg in Stuttgart-Ost ist die Situation „nicht mehr länger hinnehmbar“ gewesen. So steht es in einem offenen Brief, den am Mittwochabend 48 Personen unterschrieben haben. Mehr als 60 Leute hatten sich getroffen. Armin Serwani, ehrenamtlicher Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost, hatte die Veranstaltung moderiert.

 

In dem offenen Brief werden schwere Vorwürfe gegen den Vorstand des Aki erhoben. Dieser habe langjährige und erfahrene Mitarbeiterinnen vergrault und die für die pädagogische Arbeit erforderlichen Mittel nicht zur Verfügung gestellt. Der bei der Mitgliederversammlung vorgelegte Jahresbericht sei dürftig gewesen, eine nachvollziehbare Buchhaltung scheine es nicht zu geben, Protokolle seien nicht verschickt worden.

Darüber hinaus habe der Vorstand mehreren Interessierten den Eintritt in den Verein de facto verhindert, indem er von ihnen erwartete, dass sie sich an einem festgelegten Termin persönlich vorstellen, was ein absolut unübliches Verfahren sei. Nicht zuletzt werde der Platz nicht ausreichend gepflegt. So gebe es seit Monaten einen Wasserschaden im Spielhaus, und das Dach sei undicht.

Der Vorstand sei nicht willens oder nicht in der Lage, den Verein zu führen

In der Folge sei der Aki häufiger geschlossen als geöffnet. Den Kindern fehle ein zentraler Raum in ihrem Stadtteil, in dem sie selbstbestimmt ihre Freizeit verbringen können. „Der Vorstand wird seinem eigenen Anspruch und seiner gesellschaftlichen Verantwortung derzeit nicht gerecht“, heißt es in dem offenen Brief. Das Missmanagement zeige, dass der Vorstand entweder nicht willens oder grundsätzlich nicht in der Lage sei, den Verein und damit den Platz zuführen.

Die 48 unterzeichnenden Personen fordern in dem Brief den sofortigen Rücktritt des aktuellen Vorstands und unverzügliche Neuwahlen. „Nur mit einer Neubesetzung des Vorstands kann ein Neuanfang stattfinden“, so die Argumentation.

Angesprochen auf die in dem offenen Brief erhobenen Vorwürfe, zeigt sich der Vorstand überrumpelt. Nicht einmal 24 Stunden später reagiert er seinerseits mit einem Rundschreiben an die „Mitglieder und Freunde des Aki Raitelsberg“. „Schweren Herzens müssen wir heute die Konsequenzen ziehen und unseren geschlossenen Rücktritt als Vorstand mit sofortiger Wirkung erklären“, ist darin zu lesen. Es seien Lügen und Indiskretionen verbreitet worden. Die Personalsituation werde falsch dargestellt. Zudem würden Unwahrheiten über eine angebliche Verwahrlosung der Tiere sowie eine Untätigkeit der Geschäftsführung verbreitet.

„Wir ziehen uns zurück, damit der Streit und die Diskussionen, die seit Jahren geführt werden, endlich ein Ende finden“, heißt es in dem Brief des Vorstands. Und weiter steht dort: „Vielleicht hätten wir noch die Kraft gefunden, weiterzumachen, wenn uns nicht w ichtige Akteure gezeigt hätten, dass sie an einem Miteinander nicht interessiert sind.“

Kritik an Bezirksvorsteher Armin Serwani

Gemeint ist damit vor allem Armin Serwani. Es sei unverständlich, wie ein Bezirksvorsteher eine Veranstaltung moderieren könne, in der Dritte über einen Verein diskutieren, ohne den Verein selbst einzuladen oder auch nur zu informieren. Serwani weist diese Vorwürfe von sich. Er sei schon vor Monaten von besorgten Eltern angeschrieben worden, die sich über die Zustände auf dem Aki beklagt hätten. Daraufhin habe er vor Ort ein Gespräch mit dem Vorstand geführt. Nun sei er gefragt worden, eine Versammlung von Freunden des Aki zu moderieren. „So etwas zu machen, ist meine Aufgabe als Bezirksvorsteher“, sagt Serwani. Und im Übrigen habe er sich so ein Bild von beiden Seiten machen wollen.

Die Vorwürfe, die im Gespräch mit unserer Zeitung von beiden Seiten – dem Vorstand und den Unterzeichnern des offenen Briefs – erhoben werden, sind noch viel tiefgreifender als das, was in den offiziellen Schreiben zu lesen ist. Sie reichen von Mobbing und Klüngelei bis hin zur Veruntreuung von Geldern, Umsturzversuchen und Handgreiflichkeiten.

Fakt ist, dass der Aki wegen personeller Engpässe bis zum 28. März geschlossen war. Aktuell ist er wieder an zwei Tagen in der Woche geöffnet. Der Vorstand informiert, dass eine Mitarbeiterin ins Ausland verzogen sei, und sich bei einer anderen private Veränderungen ergeben hätten. In der Folge seien 1,6 Personalstellen vakant. Zudem sei der Stellenschlüssel wegen der stadtweiten Kürzungen aufgrund der Haushaltslage auf 2,05 Stellen reduziert worden.

Seit März 2026 hat die Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft auf Bitte des Jugendamtes die Dienst- und Fachaufsicht für das pädagogische Team übernommen und versucht, neues Personal zu gewinnen. Damit es im Sinne der Kinder und Eltern auf dem Aki weitergehen kann.