Aktivspielplatz in S-Ost Auf dem AKI dürfen die Kinder Kinder sein

Von Amelie Englert 

Die Sozialpädagogin Meta Dechent kümmert sich nicht nur um Kinder, sondern auch um Tiere wie das Kamerunschaf Kira (oben). In den Anfangsjahren ging es an der Poststraße recht bunt zu (unten). Foto: Amelie Englert, privat
Die Sozialpädagogin Meta Dechent kümmert sich nicht nur um Kinder, sondern auch um Tiere wie das Kamerunschaf Kira (oben). In den Anfangsjahren ging es an der Poststraße recht bunt zu (unten). Foto: Amelie Englert, privat

Der Aktivspielplatz in Stuttgart-Raitelsberg wird 40 Jahre alt. Seit 1976 darf hier nach Herzenslust gespielt und getobt werden. Die Arbeit auf dem „AKI“ ist zwar besonders, aber auch ein echter Knochenjob – eine Mitarbeiterin erzählt.

S-Ost - Besorgt krault Meta Dechent Kira das Fell. Die alte Kamerunschafdame ist heute ganz anders als sonst, will nichts fressen und sondert sich ab. „Hoffentlich brütet sie nichts aus“, sagt die Sozialpädagogin. „Kira ist ja schon fest für die Zirkusnummer eingeplant.“ Die soll am großen Jubiläum des Aktivspielplatzes „AKI“ Raitelsberg stattfinden, der dieser Tage 40 Jahre alt wird.

Seit 1976 gibt es den AKI, der damals von der Bürgerinitiative Stuttgart-Ost gegründet wurde. Im als Problemviertel verschrieenen Stadtteil Raitelsberg sollte ein Freiraum geschaffen werden, in dem Kinder nach Herzenslust spielen, toben und sich ganz frei entfalten dürfen. Dieser Plan ist aufgegangen. In 40 Jahren ist auf dem ehemaligen Bauplatz ein kleines Paradies entstanden: neben den Kamerunschafen gibt es Pferde, Hühner und Katzen, die im großen Garten frei herumlaufen dürfen. Auf einem kleinen Hügel stehen eine selbst gezimmerte Burg und ein Piratenschiff, weiter hinten auf dem Gelände finden sich eine Halfpipe, die Ställe für die Tiere samt Heuzelt und ein Reitplatz. Alles selbst gebaut.

„Auf dem AKI entsteht eigentlich immer etwas Neues. Der Platz verändert sich tagtäglich, allein mit jedem neuen Kind, das zu uns kommt; es ist ein endloser Prozess“, erzählt Meta Dechent lachend. Die Sozialpädagogin arbeitet seit anderthalb Jahren auf dem Aktivspielplatz und möchte diese Zeit um nichts auf der Welt missen. „Die Arbeit mit den Kindern hier ist etwas ganz besonderes. Die Form der Pädagogik, die wir anbieten, gibt es in der Schule nicht.“ Deshalb werden nun auch Projekttage in Kooperation mit Grundschulen angeboten. Kindern, denen es eher schwerfalle, sich in der Schule alleine zurechtzufinden, tue der Aufenthalt auf dem AKI oftmals besonders gut, da sie hier ganz andere Aufgaben und Bestätigung bekämen, so Dechent. Für die meisten Kinder sei der AKI aber wie eine Erweiterung des Kinderzimmers zuhause.

Die meisten Wohnungen in Raitelsberg sind klein, das Viertel war früher reiner Sozialbau. Auch heute wohnen hier viele mehrköpfige Familien auf wenigen Quadratmetern. Platz zum Spielen bleibt da kaum und von einem Haustier können die meisten nur träumen. „Da ist unser Spielplatz mit den vielen Tieren schon etwas besonderes“, sagt Dechent. Ob sich Raitelsberg verändert habe? Eigentlich kaum, nur die Bewohnerparteien seien inzwischen nicht mehr ein- und dieselbe Klientel. Was früher „reiner Sozialbau“ war, ist heute Wohnraum für urbane Familien, aber auch für Flüchtlinge geworden. Immer wieder kommt es zu Reibereien und das ist selbst auf dem AKI zu spüren, obwohl Internationalität hier groß geschrieben wird. „Trotzdem ist es eine große Herausforderung, Kinder mit so unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen, vor allem, wenn Flüchtlingskinder zu uns kommen. Früher wurde um Herkunft oder so keine große Sache gemacht, da war alles harmonischer“, sagt Meta Dechent. Dafür auch noch einen Kopf zu haben, sei für sie und ihre Kollegen neben der ganzen anderen Arbeit nicht einfach.

Man könne lang nicht mehr so nah am Kind sein, die Anforderungen an die Sozialpädagogen seien oft einfach zu groß und nebenher müssten dann auch immer noch irgendwelche Renovierungsarbeiten laufen. „Es wäre schön, eine Art Träger für den AKI zu haben, der uns bei Organisatorischem oder Sanierungen unter die Arme greift, denn keiner von uns hier ist gelernter Bauunternehmer.“

Vielleicht hat ja Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer ein offenes Ohr für den Wunsch der AKI-Mitarbeiter, denn auch sie wird bei der Jubiläumsfeier anwesend sein. Neben Festreden werden die Gäste Gitarrenklänge zu hören, alte AKI-Fotos, eine Trampolinshow und natürlich die Schafzirkusnummer zu sehen bekommen.

„Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass Kira bis Samstag wieder fit ist“, sagt Dechent und hält der Schafdame ein Stück Weißbrot hin. Na dann, gute Besserung, Kira!

Der 40. Geburtstag des AKI Raitelsberg wird am Samstag, 22. Oktober von 14 Uhr an auf dem Spielplatzgelände an der Poststraße 88 im Stuttgarter Osten gefeiert.

Redaktion Stuttgart-Ost

Ansprechpartner
Jürgen Brand
s-ost@stz.zgs.de

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