Einmaliges Architektur-Projekt Das Aktivhaus soll die Umwelt schützen

Von Konstantin Schwarz 

Der Architekt Werner Sobek zeigt die Möglichkeiten des Neubaus Foto: Jan Reich
Der Architekt Werner Sobek zeigt die Möglichkeiten des Neubaus Foto: Jan Reich

In nur sieben Monaten Planungs- und Bauzeit haben das Stuttgarter Ingenieurbüro Werner Sobek und die Schwörer Haus KG (Hohenstein) das knapp 90 Quadratmeter große Aktivhaus im Bruckmannweg 10 auf dem Killesberg entwickelt und gebaut.

Stuttgart - In nur sieben Monaten Planungs- und Bauzeit haben das Stuttgarter Ingenieurbüro Werner Sobek und die Schwörer Haus KG (Hohenstein) das knapp 90 Quadratmeter große Aktivhaus im Bruckmannweg 10 auf dem Killesberg entwickelt und gebaut. Rund 20 weitere Unternehmen haben ihren Teil dazu beigetragen. In den nächsten drei Jahren soll das Gebäude, das bei den Bauherren nur B 10 heißt, der Forschung dienen.

Für Werner Sobek ist aber schon heute klar, dass das Vorzeigeprojekt in Sachen Nachhaltigkeit in Serie gehen könnte. Er spreche mit Regierungsvertretern in Argentinien und der Türkei, wo es „Bestrebungen gibt, so etwas zu bauen“. Das eingeschossige Flachdachgebäude könne mit seiner Holzrahmenstruktur, auf die ein dichtes Glasfasergewebe aufgezogen wurde, bis zu sechs Stockwerke hoch entwickelt werden.

Weltweit einmalig und „aktiv“ sei das Haus, erklärte Sobek am Dienstag bei der Vorstellung, weil es in Verbindung mit dem Deutschen Wetterdienst steht. Über eine komplexe Steuerungs- und Regeltechnik kann es sozusagen vorausschauend Energie (Strom und Warmwasser wird über Sonnenenergie gewonnen) zum Beispiel in Batterien, zwei E-Smarts, einem Wassertank und Eisspeicher bunkern oder an das Nachbarhaus abgeben kann. Der Nachbar ist das bald 90 Jahre alte Weißenhof-Museum im Haus Le Corbusier. Altbauten mit zu versorgen hält Sobek für einen ganz wesentlichen Beitrag zur Energiewende. Dämmungen auf Erdölbasis gebe es keine, damit werde nur Sondermüll produziert. Eine Verbindung vom Haus zum Energieversorger könnte den vorwarnen, dass er bei prognostizierter Schönwetterlage seine Kraftwerkskapazität zurücknehmen kann.

Das Aktivhaus soll 200 Prozent der benötigten Energie selbst erzeugen und keine fossile Energie benötigen. Dazu wurde es extrem gedämmt. Der Wärmeschutz geht so weit, dass die Terrasse vor die durchgehenden, bodenhohen Fenster geklappt werden kann. Spezialscheiben aus China übertreffen den üblichen Standard um 100 Prozent.

Fördergelder haben die Firmen für den Bau nicht erhalten. Allerdings gibt es in den nächsten Jahren rund zwei Millionen Euro aus dem Fördertopf Schaufenster Elektromobilität der Bundesregierung um die Funktion und Vernetzung zu testen, zu dokumentieren und die Erfahrungen öffentlich zugänglich zu machen. Projektförderer wie Firmenchef Johannes Schwörer, der die aus zwei Modulen bestehende Hülle beisteuerte, erhoffen sich natürlich Erkenntnisse für die Serienfertigung. „Der Preis würde unter 3000 Euro pro Quadratmeter liegen“, sagte Sobek, teuer sei vor allem das Energiemanagement.

OB Fritz Kuhn, dessen Vorgänger und Ideengeber des Projekts Wolfgang Schuster und der Wissenschafts-Staatssekretär Jürgen Walter (Grüne) lobten das Konzept. Nur mit „deutlich weniger Verbrauch“ sei die Energiewende zu schaffen, sagte Kuhn. „Die Weichen, wie wir das schaffen, werden jetzt gestellt.“ B 10, sagte Walter, verkörpere „ein neues Denken und Bauen“.

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