In seiner Heimatstadt Heilbronn ist Dieter Schwarz als großzügiger Milliardär sakrosankt. Nun protestieren just dort Aktivisten gegen ihn und seinen Handelskonzern.
Die Macht von Dieter Schwarz und seinem Handelskonzern (Lidl, Kaufland) wird in Heilbronn nicht laut hinterfragt. Zu viel hat die Stadt dem 85-jährigen Multimilliardär zu verdanken: einen stetig wachsenden Bildungscampus, Ableger renommierter Universitäten und auch noch ein Zentrum für Künstliche Intelligenz. Da will man den Gönner nicht durch Debatten verprellen, ob er mit seinem Geld nicht zu viel Einfluss nehme. Nur hinter vorgehaltener Hand ist von modernem Feudalismus die Rede.
Nun aber soll Schwarz‘ Rolle gründlich ausgeleuchtet werden. Unter dem Motto „Unser Lidl“ laden linke Aktivisten und zivilgesellschaftliche Gruppen zu drei Aktionstagen nach Heilbronn. Von Freitag an wollen sie öffentlich thematisieren, wie der angeblich reichste Deutsche zu seinem Vermögen gekommen ist - und wie damit die Demokratie ausgehebelt werde. Die Stadt und ihr Ehrenbürger seien die „perfekte Vorlage“, um radikale Kritik“ zu üben an der Ballung von Reichtum und Macht in den Händen Weniger. Was neben den Diskussionsrunden geplant ist, wird nicht verraten. Nur soviel: es werde „bunt, kreativ und spektakulär“.
Webseite im Lidl-Design gestaltet
Für die Aktion haben die Initiatoren eigens einen Internetauftritt geschaffen, angelehnt an das gelb-blaue Design von Lidl. Ausführlich werden dort Recherchen zu Schwarz, seinem für die Kritiker auf Ausbeutung basierendem Imperium und seiner Stiftung dokumentiert, die nur scheinbar uneigennützig agiere. Durften die Aktivisten die Lidl-Optik derart ungeniert abkupfern? Dazu äußert sich der Handelskonzern so wenig wie zur Frage, ob man zum Dialog mit den Veranstaltern bereit sei. Auch zur Kritik an Dieter Schwarz kommt nur Schweigen. Erst auf die zweite Anfrage reagiert die Pressestelle überhaupt: „Bitte haben sie Verständnis, dass wir nicht kommentieren.“