Das Mahnmal in der Gedenkstätte des KZ Hailfingen-Tailfingen bei Herrenberg zeigt die Namen von Juden, die im Lager ermordet wurden. Foto: Horst Rudel

Ein Workshop soll Jugendlichen helfen, sich gegen rechtsradikale Hetze zur Wehr zu setzen.

Herrenberg - Verschiedene Kirchliche Jugendverbände haben mit dem Trägerverein der Gedenkstätte KZ Hailfingen-Tailfingen zum zweitägigen Internet-Workshop einen prominenten Redner eingeladen: Es ist der Nazi-Aussteiger Axel Reitz, der über seinen Lebensweg spricht.

Axel Reitz begann seine politische Laufbahn als Mitglied der Jungen Union, wurde kurze Zeit darauf aber Mitglied der Jungen Nationaldemokraten und anschließend der NPD. Später gründete er mit Siegfried Lutz die Kameradschaft Walter Spangenberg, die den Namen eines SA-Mannes trug und die im Mai 2012 verboten wurde. Schon im Jahr 1999 übernahm Reitz die Führung dieser Organisation und war auch im Kampfbund Deutscher Sozialisten (KDS) aktiv, der 2002 Kontakte zum Regime des irakischen Diktators Saddam Husseins pflegte, was ihm letztlich auch den Spitznamen „Hitler von Köln“ eintrug.

Anfang März 2013 ließ Reitz durch seinen Anwalt mitteilen, dass er seine politischen Aktivitäten eingestellt habe und auch nicht wieder aufzunehmen beabsichtige, da er sich damit in eine „politische und persönliche Sackgasse“ begeben habe. Über diesen Wandel vom „Hitler von Köln“ zum „Judas der rechten Szene“ berichtet er in einem Abendvortrag auf Youtube am Freitag, 19. März, um 19 Uhr. Am nächsten Vormittag, Samstag, 20. März, beantwortet er um 9.30 Uhr Fragen zu seinem Video. Dabei geht es auch um einen Austausch und um eine Diskussion.

Wie man auf Diskriminierung antwortet

Den darauffolgenden Vortrag bestreitet Cesar Leal Soto vom Entwicklungspädagogischen Informationszentrum Reutlingen. Er will eine Anleitung geben, was man auf Populismus, Meinungsmache und rechtsradikale Parolen entgegnen kann. In eine ähnliche Richtung geht der Beitrag von Rebecca Rüddenklau. Sie zeigt, was man als Jugendleiter oder Gruppenleiter auf diskriminierende und abwertende Hassrede erwidert. Der vierte Beitrag an diesem Tag stammt von Hannah Geiger. Sie gibt Anleitungen dazu, Rassismus oder Diskriminierungen in einer Jugendgruppe erst gar nicht entstehen zu lassen. Den Abschluss bildet der Vortrag von Hans Ulrich Probst, der über den Antisemitismus heute referiert und zeigt, in welche neuen Gewänder sich der alte Judenhass gekleidet hat. Mit diesem Programm, das sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene richtet, wollen die Verantwortlichen klassische Aufklärungsarbeit leisten. Für viele Jugendliche, sagen die Veranstalter, sei die Zeit des Nationalsozialismus’ weit weg und nur noch ein Kapitel aus dem Geschichtsbuch. Sie wollen zeigen, dass der Kampf gegen rechtsradikale Hetze immer aktuell bleiben muss.

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