Rainer Scholz vom Repair Café Böblingen-Sindelfingen war einer der Aussteller. Foto: Eibner/Christiana Kunz

Im Sparkassenforum wuselte es am Samstag zum Thema Klimaschutz: Über 20 Mitmachstände und ein abwechslungsreiches Programm zogen viel Publikum an. Dabei herrschte keine Krisenstimmung, sondern eher Zuversicht und Optimismus.

Das dritte Festival für die Erde setzte am vergangenen Samstag im Böblinger Sparkassenforum ein deutliches Ausrufezeichen zum Thema Klimaschutz. Die Veranstalter Jutta und Karl-Heinz Rau von den örtlichen Omas for future zeigten sich am Ende sichtlich zufrieden: „Es waren noch einmal mehr Besucher als in den Vorjahren, was mich wirklich freut“, so Karl-Heinz Rau. An die 1000 Besucherinnen und Besucher hätten den Tag über das Sparkassenforum bevölkert. Sowohl an den Ständen im Foyer als auch bei den Vorträgen im Saal herrschte reger Andrang.

 

Unter dem Motto „Klimaschutz geht uns alle an“ präsentierten über 20 Organisationen Mitmachstände: Die Besucher konnten sich unter anderem über bienenfreundliche Gärten, nachhaltige Mobilität und ressourcenschonendes Leben informieren. Neben der Messe im Foyer lockten Vorträge, Musik und Wortakrobatik die Besucher in den Saal. Den Auftakt machte die Böblinger Singpause. Das große Chorprojekt der Böblinger Schulen eröffnete den Tag schwungvoll mit Titel wie „Mein kleiner, grüner Kaktus“ von den Comedian Harmonists.

Über 50 Kinder zeigten ihr Können – Eltern und Großeltern saßen stolz im gut gefüllten Saal. Etwas getragener, aber nicht weniger heiter war die Darbietung des Kinderchors Cresc am Nachmittag. Die Veranstaltung wurde durch Grußworte von Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Böblingen, Umweltministerin Thekla Walker, dem Ersten Landesbeamten Martin Wuttke und Stefan Belz, Oberbürgermeister der Stadt Böblingen, eröffnet. Michael Fritz betonte, dass der Klimawandel nicht nur eine politische, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe sei.

Die richtigen Sprösslinge setzen. Foto: Eibner/Christiana Kunz

Thekla Walker (Grüne) zeichnete in ihrem Grußwort das Bild einer Stadt, in der Blumen und Wirtschaft blühen, und hob hervor, dass sichere und bezahlbare Energie aus erneuerbaren Quellen entscheidend für den globalen Wettbewerb sei. Stefan Belz (Grüne) erinnerte daran, dass der Klimawandel vor allem die Kinder betreffe, die in diese Welt hineinwachsen. Vize-Landrat Martin Wuttke fragte die Kinder, wie oft sie im vergangenen Winter ihren Schlitten herausgeholt hätten – die Arme gingen nur zaghaft nach oben.

Richtiges Maß an Zynismus und Humor

Für besondere Unterhaltung sorgte der aus Bochum angereiste Slam-Poet und Klimakabarettist „Sebastian 23“. Mit spitzer Zunge und einem guten Gespür für das richtige Maß an Zynismus und Humor wagte er das Kunststück, das ernste Thema Klimakrise auf heitere Weise zu beleuchten. „Aufgrund der zahlreichen Weltuntergangs-Szenarien floriert der Markt für Luxusbunker und abgelegene Inseln“, scherzte er – ein Satz, der beim Publikum auf zustimmendes Lachen stieß.

Der Autor des Buches „Alles wird gut – Die Welt retten in 5712 einfachen Schritten“ setzte der allgemeinen Krisenstimmung optimistische Akzente entgegen. „In New York gab es um 1900 kein einziges Auto, sondern nur Kutschen. 1920 gab es nur noch Autos und keine Kutschen mehr. Man sieht: Die Verkehrswende kann gelingen!“ Oder die mittlerweile autofreie Innenstadt der belgischen Stadt Gent: „Die steht auch noch und man kann dort sogar noch etwas einkaufen.“

Musikalischer Leckerbissen von Kiara Huber und Leon Küting Foto: Eibner/Christiana Kunz

An einem meterlangen Klima-Zeitstrahl führte der Herrenberger Lehrer Dirk Wiebel entlang. Er zeigte auf, wie rasant sich die menschengemachte CO2-Konzentration in der Erde steigere: „Der Anstieg zwischen 1850 und 1900 war genauso hoch wie der zwischen 2015 und 2020. Und es geht in diesem Tempo weiter.“ Mit dramatischen Folgen für das Weltklima aufgrund des Treibhauseffekts: Das Jahr 2024 war das wärmste seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahr 1850.

Zahl der Hitzetoten steigt

Klaus Wild, Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie, warnte in seinem Vortrag „Hitze – die unterschätzte Gefahr“ vor den gesundheitlichen Risiken von Hitzewellen, insbesondere für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen und Kleinkinder. Er betonte, dass Hitzschläge, Dehydrierung und die Verschärfung bestehender Erkrankungen häufige Folgen extremer Temperaturen seien. Bereits heute käme es jährlich zu mehreren Tausend hitzebedingten Todesfällen, in Rekordsommern schätzungsweise bis zu 10 000.

Einen musikalischen Leckerbissen servierte das Duo „Soul 2 go“ zum Abschluss des Tages: Die Herrenberger Sängerin Kiara Huber und der Schlagzeuger Leon Küting interpretierten bekannte Popsongs mit ihrem minimalistischen Set neu: „Man in the mirror“ von Michael Jackson ebenso wie „Imagine“ von John Lennon. Sowohl bei der Auswahl der Songs, wie auch bei den leicht abgeänderten Texten nahmen sie Bezug auf das Thema des Tages: Klimaschutz als Menschheitsaufgabe.

Omas for future

Verein
Die Omas for future sind ein Zusammenschluss von Senioren, die sich mit viel Tatkraft für den Klimaschutz einsetzen.

Ortsgruppe Böblingen
Treibende Kräfte in Böblingen und Umgebung sind Jutta und Karl-Heinz Rau, die in Zusammenarbeit mit dem ADFC, BUND, Greenpeace, NABU sowie den Klimaschutzmanagerinnen der Stadt und des Landkreises Böblingen zum dritten Mal das Festival für die Erde auf die Beine gestellt haben.