Kinder wollen gefragt werden, wenn es um ihre Themen geht. Foto: dpa

Stuttgart will ernst machen mit der Kinderfreundlichkeit. OB Fritz Kuhn jedenfalls legt einen Aktionsplan vor, dessen Maßnahmen mit 2,7 Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Ob der neue Gemeinderat diesem Vorschlag wohl folgen wird?

Stuttgart - Stuttgart will kinderfreundlicher werden. Damit die Konzeption, die der Gemeinderat 2015 beschlossen hat, auch real umgesetzt wird, legt OB Fritz Kuhn (Grüne) dem Gemeinderat einen Aktionsplan vor. Dieser umfasst 32 Maßnahmen in sechs Themenfeldern und speist sich aus einer umfangreichen Befragung von Kindern und Jugendlichen.

Er umfasst ein Volumen von 2,7 Millionen Euro pro Jahr – der Gemeinderat entscheidet darüber bei den Haushaltsberatungen, die im Herbst beginnen. „Wenn die Vorlage durchgeht, wäre das ein starkes Votum des Gemeinderats“, meint Stuttgarts Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler. Neben Verbesserungen für das Leben der Kinder winkt der Stadt auch das Siegel Kinderfreundliche Kommune. Die wichtigsten Maßnahmen:

Sicherheit, Sauberkeit, Gesundheit

Die 70 am häufigsten besuchten Spiel­plätze sowie die Brunnen werden künftig mehrmals pro Woche gereinigt. Besonders verschmutzte Orte sollen der Stadt gemeldet werden. Schon jetzt nimmt der städtische Vollzugsdienst öffentliche Parks und Spielplätze durch Personalaufstockung stärker in den Blick. „Wir priorisieren – und setzen unser Personal gezielt ein“, sagt Einsatzleiter Udo Steinicke. Die neuen Kollegen verstärkten den Streifendienst – und somit die Sauberkeit im öffentlichen Raum. Zudem sollen bewährte Angebote der Gewaltprävention an den Schulen ausgebaut werden. Mindestens 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen sollen die „Nummer gegen Kummer“ kennen: eine anonyme Telefonberatung. Orte zum Stillen und Wickeln sollen per Abfrage in Kliniken, Kirchen, Vereinen ermittelt und dann auch mittels Logo ausgewiesen werden.

Spiel, Bewegung, Natur, Umwelt

Der Spielflächenleitplan wird fortgeschrieben. Die Perspektive von Kindern und ihre Bedürfnisse werden bei der Stadtplanung systematisch berücksichtigt. Temporäre Spielstraßen soll es öfter geben: Straßen in der dicht besiedelten Innenstadt, die für einen halben Tag für den Autoverkehr gesperrt und zum Spielen freigegeben werden – samt Spielmaterial. Der Verein Gartenfreunde soll ein Konzept erarbeiten, das Stadtkindern Zugang zu privaten Gärten ermöglicht.

Teilhabe und Chancengerechtigkeit

Spielflächen sollen so gestaltet werden, dass alle Kinder sie nutzen können. Für eine öffentliche inklusive Nutzung sollen mit Betroffenen Standards erarbeitet werden, die dauerhaft in Verwaltungsabläufe eingebaut werden. Kinder aus Vorbereitungsklassen sollen auch Ganztagsschulen besuchen dürfen und voll in die Ganztagsbetreuung integriert werden.

Partizipation und Information

Die Kinderrechte sollen bekannter gemacht werden, zum Beispiel durch eine Kinder­zeitung, eine Ausstellung mit Tablet-Rallye in der Stadtbibliothek, Kunstprojekte mit Grundschülern, Wettbewerbe, eine noch zu erstellende städtische Website für Kinder, die diese mitgestalten. Ein Gesamtkonzept zur Kinderbeteiligung in Stuttgart und den Bezirken wird entwickelt. Projektbezogen reden Kinder bei Spielplätzen, Stadtplanung, Kitas, Schulen mit.

Bildung, Freizeit, Kultur

Die 22 Jugendfarmen, Abenteuer- und Aktivspielplätze sollen gestärkt werden. Die Investitionen hierfür richten sich nach der Zahl der Kinder. Im Jahr 2020 soll ein Kinder- und Jugendklimagipfel steigen.

Strukturelle Rahmenbedingungen

Die Kinderrechte werden in die Hauptsatzung der Stadt aufgenommen. „Struktur ist nicht sexy, aber wichtig“, so Haller-Kindler – „damit ist das Thema in der Stadtverwaltung verankert, unabhängig von Personen“.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: