Die Direktkandidierenden für den Wahlkreis Ludwigsburg haben sich in Kornwestheim den Fragen von Erstwählern gestellt. Wer konnte aus Sicht der Jugendlichen punkten?
Hat die FDP auch ein Ziel im Klimaschutz? Sind SPD und CDU für oder gegen ein Social-Media-Verbot für Jugendliche? Und warum möchte die AfD alle Migranten loswerden? Diesen und anderen Fragen haben sich die Direktkandidierenden für den Wahlkreis Ludwigsburg bei einer Veranstaltung für Erstwähler im Kornwestheimer Jugendzentrum gestellt.
Wissen wollten das die Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Kornwestheimer Schulen. Nicht jeder der Kandidaten konnte dabei aus ihrer Sicht glänzen. Andere dagegen haben einen positiven Eindruck hinterlassen – einer konnte mit seinem Auftritt sogar die Sicht einer Schülerin auf seine Partei zum Positiven wandeln.
16-Jährige dürfen diesmal wählen gehen
Am 8. März ist Landtagswahl in Baden-Württemberg. Es ist das erste Mal, dass auch bereits 16-Jährige an die Wahlurnen dürfen. Ein Grund mehr für die Jugenddelegation Kornwestheim (Judeko), eine politische Veranstaltung für Schülerinnen und Schüler auf den Weg zu bringen. Gekonnt haben sie die Rededuelle im Jugendzentrum moderiert – und auch mal kräftig nachgebohrt, wenn ein Kandidat sich um eine konkrete Antwort herumwinden wollte. Vertreter der Landeszentrale für politische Bildung (LPB), die an der Aktion ebenfalls beteiligt waren, konnten im Anschluss Aussagen der Redner noch einordnen sowie Fachbegriffe oder politische Hintergründe erklären.
Da ist zum Beispiel die Grünen-Kandidatin und amtierende Abgeordnete Silke Gericke, die der Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) vorwirft, dass diese ihre „Hausaufgaben nicht gemacht hat“, als es um die Unterstützung von Startup-Unternehmern ging. „Das sind natürlich so typische Wahlkampf-Formulierungen“, erklärt der Vertreter des LPB im Nachhinein.
Beim Themenblock „Klima“ sitzt sie Wolfgang Vogt von der FDP gegenüber – der sich deutlich gegen das Verbot von Verbrennungsmotoren zugunsten von E-Mobilität als „Allheillösung“ stellt, nachträglich noch einmal den Atomausstieg kritisiert und eine Lanze für synthetische Kraftstoffe bricht. „Die FDP vermittelt immer, als wäre es so einfach, diese Kraftstoffe auf den Weg zu bringen“, sagt dagegen Silke Gericke. Das sei längst versucht, nur von der Wirtschaft leider nicht angenommen worden.
In einer anderen Diskussionsrunde sitzt der AfD-Kandidat Christoforos Tsoulopoulos neben Nadja Schmidt von den Linken und argumentiert, auf eine entsprechende Anfrage aus dem Publikum hin, dass es nicht stimme, dass die AfD alle Migranten loswerden wolle, sondern „ausschließlich Straftäter und Illegale, schaut euch unser Parteiprogramm an“. Nadja Schmidt hält dagegen und erinnert unter anderem an die Aktion der AfD Karlsruhe, bei der wahllos an Menschen mit Migrationshintergrund „Abschiebetickets“ verteilt wurden. „Die AfD verfolgt ganz klar eine rassistische Politik.“
Der Vertreter des LPB klärt auf: Die Aussagen von Tsoulopoulos stimmten so tatsächlich nicht. „Das Parteiprogramm ist in diesem Punkt gezielt schwammig formuliert und nicht so eindeutig, wie hier behauptet wurde.“ Vom Verfassungsschutz wurde die AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft.
Bei den Themen Medien und Bildung liegen die Kandidierenden von SPD und CDU gar nicht so weit auseinander in ihren Ansichten – mit dem Unterschied, dass die SPD das dreigliedrige Schulsystem bekanntlich kritisch betrachtet, während die CDU daran festhalten möchte. In einem Social-Media-Verbot für Jugendliche sehen beide wenig Sinn. „Wichtig ist, dass wir lernen, damit umzugehen, und auch dort geltendes Recht umsetzen“, findet Nathalie Ziwey (SPD).
Wie kommen die Kandidaten an?
Und wie kommt das Gesagte an bei den Schülerinnen und Schülern? „Die Kandidatin von der SPD hat sehr auf Augenhöhe gesprochen“, findet zum Beispiel Vida vom Ernst-Sigle-Gymnasium. „Aber auch die von den Grünen fand ich richtig gut“, ergänzt Rosa. Mitschülerin Ornella ist außerdem sehr positiv überrascht von Lukas Tietze (CDU). „Den fand ich sehr sympathisch, er hat sogar meine Meinung zu seiner Partei geändert.“ Die Antworten des AfD-Kandidaten hätten dagegen „irgendwie auswendig gelernt“ gewirkt, bemängelt eine Schülerin. Im Rededuell gegen die Kandidatin der Linken habe diese zudem deutlich versierter gewirkt, stellt ein anderer fest.
Zu 100 Prozent wissen sie auch nach diesem Tag noch nicht, wen sie wählen sollen, sagen einige. „Man darf auch nicht vergessen, dass die Kandidaten in so einer Runde natürlich sehen, wie ihr Gegenüber reagiert, und können sich daran anpassen“, sagt zum Beispiel Lena vom ESG. Eine lückenlose Einschätzung der Kandidaten sei nach so einer Veranstaltung daher gar nicht so einfach.