Der Schmerz ist für Kinder ein Monster, das sie plagt und sie beherrscht. Eine Therapie ist hilfreich, für Schwerbehinderte muss eine medikamentöse Lösung gefunden werden. Foto: Martin Stollberg

Jedes 1000. Kind erleidet im Mutterleib, während oder nach der Geburt eine Hirnschädigung. Sie führt nicht nur zu bleibenden Behinderungen, sondern bei zwei Dritteln auch zu chronischen Schmerzen. Die Aktion Weihnachten sammelt Spenden für therapeutische Maßnahmen.

Stuttgart - „Dauerhafte Schmerzen sind das Quälendste für die Kinder und Jugendlichen mit Zerebralparese“, sagt Margot Kuon. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins zur Unterstützung neurologisch erkrankter Kinder (Funk) und weiß, dass sich die wenigsten von ihnen wegen ihrer Spasmen und Behinderungen äußern können. Eltern nehmen die Verkrampfungen, das Wimmern und Jammern wahr, können jedoch nur mit den üblichen Schmerzmitteln helfen.

Die Pillen haben gehörige Nebenwirkungen. Sie rufen unter anderem Müdigkeit und Schwindel hervor und können zu Leberveränderungen führen. Dr. Markus Blankenburg, der Ärztliche Direktor und Leiter des Kinderschmerzzen­trums am Olgahospital, hat mit einer Studie festgestellt, „dass der Schmerz durch eine Funktionsstörung der Schmerzfasern im Gehirn entsteht“. Blankenburg möchte im Schmerzzentrum bei den kleinen Patienten im Magnetresonanztomografen (MRT) den Ort und Hort des Schmerzes abbilden. Dann können die Ärzte ganz gezielt Mittel gegen den Schmerz einsetzen.

Weil die MRT-Untersuchungen bisher nicht als zur Therapie gehörig anerkannt sind, müssten sie aus eigener Tasche bezahlt werden. Der Verein Funk sammelt daher Spenden und unterstützt damit einen weiteren Zweck: Die Mediziner vom Olgäle können die Ergebnisse in eine dreijährige klinische Studie einfließen lassen – eine der Voraussetzungen dafür, dass am Ende überall Kinder gezielt ein Mittel gegen ihre Schmerzen bekommen können. Die Aktion Weihnachten möchte dies unterstützen.

Anschaffungen werden überwacht

Viele weitere Wünsche auf Unterstützung sind mittlerweile eingegangen – wie in jedem Jahr für sinnvolle und hilfreiche Projekte, aber vor allem für Einzelpersonen, die ohne fremde Hilfe nicht mehr weiter wissen. Die Antragsteller – soziale Organisationen – legen die Finanzen ihrer Klienten offen und sichern zu, dass nur Anschaffungen befürwortet werden, die unabwendbar sind. Am Ende organisieren sie die zweckgebundene Verwendung der Spendengelder. So können wir von der Aktion Weihnachten sicher sein, dass jeder gespendete Cent sinnvoll ausgegeben wird.

Gleiches gilt für Projekte. Im Lauf des Jahres begleiten wir sie und berichten regelmäßig über Fortschritte. So ist zum Beispiel in diesem Sommer das Wohnheim für rund 30 psychisch Kranke am Löwentor bezogen worden. Die Ausstattung, zu der die Aktion Weihnachten beigetragen hat, wird von den Bewohnern mit großer Dankbarkeit angenommen, und im nächsten Sommer ist der mit Spenden angelegte Garten eines ihrer Betätigungsfelder.

Dankesbrief kurz vor Weihnachten

Insbesondere Dankesbriefe von Menschen, die wir unterstützt haben, machen Mut für die neue Spendenaktion in diesem Advent. Ein Klient, wir nannten ihn in unserem Bericht damals Freddy, schickte uns in den vergangenen Tagen Fotos: Freddy vor seinem Auto, in seinem Auto, ein strahlender junger Mann. Freddy ist seit einem Badeunfall mit 17 Jahren querschnittsgelähmt und hätte sich den Umbau eines Fahrzeugs niemals leisten können. Er hätte auch nicht selbstständig zur Arbeit fahren können. Mit Hilfe einer Spende aus der Aktion Weihnachten und der Unterstützung zweier weiterer Organisationen ist es jetzt so weit: „Ich trainiere nun hart das Verladen meines Rollstuhls ins Auto. Ein unglaublich tolles Gefühl. Von ganzem Herzen sage ich Danke.“ Das Beispiel zeigt, dass die Aktion Weihnachten viele Förderer und Spender hat, die uns mit großem Wohlwollen begleiten und stützen. Es sind Firmen, Banken, Unternehmer. Die Sparda-Bank, die unsere Aktion seit vielen Jahren sehr wohlwollend begleitet, und die Porsche AG haben mit einer Spende von jeweils 10 000 Euro bereits den großen Grundstein für die diesjährige Spendensammlung gelegt. Dieses Beispiel darf Schule machen. Und nicht zu vergessen: Jedes Jahr tragen mehr als 2000 Privatpersonen aus Stuttgart und der Region mit vielen Einzelspenden zwischen fünf Euro und vierstelligen Beträgen zum Gelingen bei.

In den kommenden Wochen berichten wir täglich über sinnvolle Vorhaben und das Schicksal einzelner Bedürftiger, stellvertretend für all die anderen Bitten, die soziale Organisationen im Namen ihrer Klienten an uns herantragen. Und hoffen, dass am 24. Dezember für alle Bescherung sein kann.

Info

Künstler und Konten

Bei der Ballett-Matinee im Opernhaus tanzen am Sonntag, 6. Dezember, 11 Uhr, die Eleven der John-Cranko-Schule und Solisten des Stuttgarter Balletts. Auf der Bühne: drei frisch gekürte Kammertänzer, ein brandneues Solo und eine Uraufführung. Die Veranstaltung ist ausverkauft.

Unser Kolumnist Joe Bauer hat erneut viele Künstler gewonnen, die an zwei Abenden, am Dienstag, 8., und Mittwoch, 9. Dezember, bei der Nacht der Lieder auf der Bühne des Theaterhauses stehen. Mit dabei sind diesmal die Marimba-Virtuosin Jasmin Kolberg, der Sänger Michael Dikizeyeko aus dem Kongo, Marie Louise, Sängerin aus Stuttgart, die Komikerin Martina Brandl,Klassik- und Jazzensembles sowie Nils Strassburg mit seiner Elvis Xperience. Eric Gauthier ist Conférencier, begleitet wird er von seiner Kompanie und der Big Night Showband. Beginn: 19.30 Uhr, Restkarten an der Abendkasse.

Beim Quempas-Singen am Dienstag und Mittwoch, 15. und 16. Dezember, treten die Bosch-Musikgruppen unter der Leitung von Ulrich Walddörfer in der Stadtkirche Bad Cannstatt am Marktplatz auf. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, Eintrittskarten im Vorverkauf bei Easy Ticket, Telefon 07 11 / 2 55 55 55, Restkarten an der Abendkasse.

Beim traditionellen Büchermarkt in der Redaktion haben sich die Kollegen im Pressehaus mit Lesefutter eingedeckt. Der Erlös in Höhe von 1644,60 Euro fließt in die Kasse der Aktion Weihnachten.

Die Spendenkonten: Baden-Württembergische Bank, Kto. 2 342 340 (BLZ 600 501 01), Iban DE04 6005 0101 0002 3423 40, Bic SOLADEST; Schwäbische Bank, Kto. 6300 (BLZ 600 201 00), Iban DE85 6002 0100 0000 0063 00, Bic SCHWDESS

Überweisungsvordrucke liegen unseren Ausgaben an diesem, an den folgenden Samstagen und am Mittwoch, 23. Dezember, bei. Spenden sind online möglich unter www.aktionweihnachten.de(StN)