Die Elefanten sind Frau M.s Lieblingstiere. In der Wilhelma kommt sie zur Ruhe. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Frau M. hat eine bipolare Störung. In einer psychotischen Phase hat sie ihre Wohnung unter Wasser gesetzt. Das hat nun auch finanzielle Folgen.

Sie sei geschockt gewesen, als sie – wieder klar im Kopf – die eigene Wohnung erblickte. „Eigentlich bin ich ein ordentlicher Mensch“, sagt Frau M. Doch in ihrem Zuhause herrschte reinstes Chaos. „Es war der Horror“, sagt die Mitte-50-Jährige. Bücher und Bilder stapelten sich. Alle Glühbirnen waren rausgedreht. Sie weiß noch, dass ihr das genial vorgekommen war. Sonst hat sie keine Erinnerung an die letzte psychotische Episode. Die hatte mit einem Polizeieinsatz geendet. Die Nachbarn müssen die Beamten wohl gerufen haben. So kam sie in die Klinik. Doch die Unordnung war noch das geringste Problem.

Frau M. hatte im Wahn alle Abflüsse verstopft. Ob sie fürchtete, dass durch die Rohre etwas in die Wohnung gelangen könnte? Vielleicht, meint sie, sie wisse es nicht. Der Wasserschaden sei erheblich gewesen. Frau M. musste länger in die Klinik – in der Zeit waren die Trocknungsgeräte in der Wohnung. Die Fenster blieben offen, während die Geräte liefen.

Das Enkelkind kam ohne Nieren zur Welt

Mit Anfang 30 sei sie psychisch erkrankt, da waren ihre drei Kinder noch klein. Für die Familie war es belastend, wenn sie immer wieder in die Klinik musste wegen ihrer bipolaren Störung. „Die manische Phase empfinde ich nicht so schlimm, die depressive Phase schlaucht mich mehr“, das sei schon immer so gewesen. Im Winter wird sie meist von der Depression erfasst. Wenn die Manie sie im Griff hat, steigt die Gefahr, dass sie aufhört, ihre Medikamente zu nehmen. Weil sie dann meint, diese nicht zu brauchen – ein Trugschluss, natürlich. Seit sie Mitte 30 ist, hat sie auch mit Psychosen zu kämpfen. Da lag die Scheidung gerade hinter ihr.

Heute hat sie nur zu einem der Söhne viel Kontakt. Ihre Tochter sei selbst Mutter und als solche stark gefordert. Frau M.s Enkelkind kam schwer nierenkrank auf die Welt. Die Pflege nehme ihre Tochter voll in Anspruch, da könne sie sich nicht auch noch um die psychisch kranke Mutter kümmern. Frau M. erwartet das auch nicht. Der Kontakt zum jüngsten Sohn ist abgebrochen. „Ich weiß nicht mal, wo er ist.“

Frau M. erträgt die Einsamkeit in der Wohnung nicht

Der letzte Klinikaufenthalt hat aber auch eine positive Wende für Frau M. gebracht – man vermittelte sie an ein Gemeindepsychiatrisches Zentrum (GPZ). Dort ist sie nun regelmäßig. Sie nimmt an einer Beschäftigungsmaßnahme teil, isst im GPZ einmal pro Woche zu Mittag – und trifft ihr „Engele“, die Sozialarbeiterin Cornelia Funk. Es tue ihr so gut zu wissen, dass jemand für sie da sei.

Was Frau M. immer noch schwerfällt: alleine in ihrer Wohnung zu sein. Die Einsamkeit setzt ihr zu. Vor allem die Wochenenden sind ein Problem, wenn das GPZ geschlossen ist. „Es treibt mich raus“, sagt sie. Samstags geht sie schwimmen und spazieren, sonntags meistens wandern. Ein Wohlfühlort ist für sie die Wilhelma. Sie liebt es, den Wildtieren zuzusehen. Vor allem den Elefanten („die sind so schön behäbig“) und den Affen („weil sie lustig sind“). Allerdings sei der Zoobesuch aus Geldgründen nur sehr selten möglich.

Der Wasserschaden zieht eine hohe Rechnung nach sich

Frau M. lebt von einer Erwerbsunfähigkeitsrente und aufstockendem Wohngeld. Ende Oktober kam die Betriebs- und Heizkostenrechnung für 2021: Die Nachforderung liegt bei mehr als 1100 Euro. Frau M. sei schockiert gewesen, sagt Cornelia Funk. Der hohe Wasser- und Energieverbrauch sei auf den psychotischen Zustand zurückzuführen, als sie Anfang 2021 ihre Wohnung überflutete. Weil Frau M. keinerlei Rücklagen hat, hat sich das GPZ hilfesuchend an die Aktion Weihnachten gewandt – und als zusätzlichen Weihnachtswunsch eine Jahreskarte für Frau M. für die Wilhelma angegeben. Wir wollen beide Wünsche erfüllen.

So können Sie spenden

Konten
Die Aktion Weihnachten freut sich über Spenden. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden darf, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung. Die Konten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen.