Nico, ein ehemaliges Pflegekind, hat wenig Liebe erfahren im Leben. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Nico ist 14 Jahre alt, als er es zu Hause nicht mehr aushält. Aufgewachsen ist er in einer Pflegefamilie. Dann kommt er doch zum überforderten Vater. Und das geht nicht gut.

In geschlossenen Räumen fühlt sich Nico immer noch nicht wohl. „Am liebsten bin ich draußen“, sagt der 16-Jährige, der eigentlich anders heißt. Auch jetzt wäre er offensichtlich lieber woanders als im Büro der Erzieherinnen und Erzieher seiner Wohngruppe. Er rutscht auf dem Stuhl herum, fährt sich ständig mit den Händen durch die Haare oder kratzt sich im Gesicht. Ein halbes Jahr lang hat Nico auf der Straße gelebt. Als er von zu Hause abhaute, war er gerade mal 14 Jahre alt. Fast noch ein Kind.

Seit einem halben Jahr lebt Nico in einer betreuten Wohngemeinschaft in der Region Stuttgart. Die Monate davor war er in einem anderen Landkreis untergebracht – doch das funktionierte nicht. Er war zu nah an seinem alten Umfeld. „Ich hatte keinen guten Umgang“, sagt er selbst. Er sei immer wieder spät zu Hause gewesen, „es gab oft Stress“. Das Jugendamt suchte deshalb nach einem neuen Platz für ihn. So kam er in eine WG rund 50 Kilometer entfernt von seinem Heimatort. „Wir sind dabei, Beziehungen und Vertrauen aufzubauen und wieder Stabilität herzustellen“, sagt eine der Fachkräfte, die in Nicos neuer WG arbeitet. Sie sieht Fortschritte.

Vom Vater wurde er enttäuscht

Nico ist ein Kind, das wenig Liebe erfahren hat in seinem Leben. Als Kleinkind kam er in eine Pflegefamilie. Die Geschichte seiner Mutter will er nicht erzählen. Was für ihn hart war: Er hat gleich zweimal seine Familie verloren. Denn als sich die Pflegeeltern trennten, wollte weder der Pflegevater noch die Pflegemutter das ihnen anvertraute Kind bei sich haben. Die Erzieherin ist erschüttert über die Vorgänge. „Viel sanfter“ hätte das für Nico ablaufen müssen. Aber die Pflegeeltern hätten leider eigene Probleme gehabt. So kam der damals Zwölfjährige plötzlich zum Vater. Er sehnte sich nach einem Zuhause – und wurde erneut enttäuscht.

Denn der Vater war schon mit dem eigenen Leben überfordert, hatte „seine eigenen Schwierigkeiten“. Nico hielt es zwei Jahre lang aus, dann haute er ab – völlig kopflos, ohne Plan. „Ich hatte einen Pulli und eine Jogginghose, mehr hatte ich nicht“, erzählt er. Aber beim Vater bleiben konnte er nicht mehr, keinen weiteren Tag. „Fragen Sie mich bitte nicht, warum es passiert ist. Ich wollte einfach weg.“ Vom Sehen kannte er andere Jungs, denen es ähnlich ging wie ihm. „Wir waren nächtelang draußen, haben in der Kreissparkasse geschlafen“, sagt er. Sie wurden zu seiner Ersatzfamilie. Er habe ihnen vertraut. Und natürlich seinem besten Freund aus der Schule. Der lebte zu Hause. „Der hat auf mich aufgepasst“, sagt Nico. „Der wollte auch nicht, dass ich draußen schlaf.“ Wenn es kalt war, durfte er zu ihm.

Die Zähne sind in einem schlimmen Zustand

Nico war für das Straßenleben nicht gemacht. Er hat es nicht mal geschafft, sich in den folgenden Monaten einen Schlafsack zu organisieren. Nach einem Erlebnis hat er selbst das Jugendamt gerufen. Es war zu einer Schlägerei gekommen: Ein anderer Junge schlug ihm dabei zwei Zähne aus. Das habe ihm klargemacht, „dass das nicht der optimale Ort für mich ist“. Nico hat sich abgewöhnt, beim Lächeln seine Zähne zu zeigen. Er will nicht, dass man sieht, dass ihm ein Schneide- und ein Eckzahn fehlen. Doch auch der Rest seines Gebisses ist eine reine Katastrophe. Alle Zähne sind kariös und stark angegriffen. „Die Zähne sind gerade mein Hauptproblem“, sagt der 16-Jährige, er habe starke Zahnschmerzen. Um Zahnpflege habe er sich während seines Lebens auf der Straße überhaupt nicht gekümmert.

Die umfangreiche Zahnsanierung wird jedoch nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Rechnung beträgt mehr als 2000 Euro. Der Träger, der die WG betreut, hat deshalb einen Antrag bei der Aktion Weihnachten gestellt. Nico, der aktuell seinen Hauptschulabschluss nachmacht, erhält nur ein Taschengeld vom Jugendamt. Wir wollen die Zahnsanierung ermöglichen.

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Konten
Die Aktion Weihnachten freut sich über Spenden. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden darf, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung. Die Konten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen.