Frau L. ist schon länger auf einen Rollator angewiesen. Foto: dpa/Paul Zinken

Die Alleinerziehende Frau L. hat eine seltene Muskelerkrankung, die zu chronischen Schmerzen, schweren Atembeschwerden und Müdigkeit führt. Für das Zimmer ihrer Tochter waren Anschaffungen nötig. Frau L. hat sich dabei finanziell übernommen.

Stuttgart - Die ständigen Schmerzen treiben Frau L. in die Verzweiflung. Sie weiß nie, wann der nächste Anfall kommt. „Ganz plötzlich habe ich Krämpfe ohne Ende – dann liege ich stundenlang auf der Couch“, sagt die Mitte 40-Jährige. Sie leidet an einer fortschreitenden Muskelerkrankung, die mit starken Schmerzen, Müdigkeit, Schwäche und schweren Atembeschwerden einhergeht. Sie will nicht, dass man den Namen der Krankheit schreibt, um nicht von ihrem Umfeld erkannt zu werden.

„Gerade geht es mir sehr schlecht“, sagt sie. Sie hat neue Medikamente gegen die Schmerzen verschrieben bekommen, die Übelkeit auslösen. Mit dem Rollator schafft sie wenige Meter, jeder Schritt schmerze. Ein Pflegedienst übernimmt ihre Einkäufe, sie kann nichts tragen. „Für meinen Körper ist mein Körper schon zu schwer.“

Sie ist im Kinderheim aufgewachsen

Die Krankheit brach aus, als sie drei Jahre alt war. Gefühlt habe sie ihr „ganzes Leben“ im Krankenhaus verbracht, so oft war sie dort – und als Kind ohne tröstende Eltern an der Seite. Sie ist im Kinderheim groß geworden. „Ich hatte niemanden“, sagt sie.

Dennoch hat sie ihre Ausbildung geschafft und war danach nie arbeitslos. „Ich bin im Geschäft zusammengebrochen“, erinnert sie sich an ihren letzten Arbeitstag vor einigen Jahren. Das war ihr Glück. So wurde sie sofort gefunden. Sie musste wiederbelebt werden. Seither ist sie berufsunfähig. Sie vermisst den alten Alltag. „Ich fühle mich wie lebendig begraben“, sagt sie. Ihr „größtes Glück“ im Leben sei, ihre Tochter aufwachsen sehen zu dürfen – das sei „ein Wunder, ein Gottesgeschenk“, meint die sehr gläubige Frau, für die der Glauben „eine Kraftquelle“ ist. Sie hofft, noch möglichst lange für die heute Zwölfjährige da sein zu können. Ihre eigene Lebenserwartung ist vermindert. Sie kenne niemanden mit der Diagnose, der so alt ist wie sie selbst. Auch sei sie ihres Wissens die einzige Mutter. Dass eine Schwangerschaft die Krankheit noch verschlimmert, habe sie erst erfahren, als sie den Kreißsaal längst verlassen hatte.

Sie kennt niemanden mit der gleichen Diagnose, der so alt geworden ist wie sie

An den Vater ihrer Tochter hat sie nur sehr belastende Erinnerungen. „Er existiert nicht mehr in unserem Leben.“ Er zahlt auch keinen Unterhalt. Ihre Geldsorgen versucht Frau L. zu Hause so gut es geht zu verheimlichen, ihre Tochter soll davon nichts wissen. Da sie selbst die Wohnung kaum verlassen könne, gebe sie für sich quasi kein Geld aus. Aber das Mädchen, das sich schon Sorgen genug um seine Mutter macht, soll es zumindest schön haben.

Nun hat sich Frau L. finanziell übernommen: Das Mädchen habe einen kräftigen Schub gemacht. Sie ist den Kindermöbeln entwachsen. Schreibtisch und Schrank hat Frau L. im Internet gebraucht bestellt. Bett und Matratze hat eine Freundin für sie in einem Möbelhaus neu gekauft. Frau L. ist am Ende ihres Überziehungskredits angelangt. „Es fällt ihr ausnehmend schwer, um Hilfe zu bitten“, berichtet die Sozialarbeiterin vom Körperbehindertenverein, Christina Wegener, aber ihre Klientin wisse nicht weiter. Die Aktion Weihnachten will die Kosten für die Zimmereinrichtung übernehmen.

So können Sie spenden:

Die Aktion Weihnachten freut sich über Spenden. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden darf, vermerken Sie das bei der Überweisung. Die Konten lauten: Baden-Württembergische Bank, Iban DE04 6005 0101 0002 3423 40, Schwäbische Bank, Iban DE85 6002 0100 0000 0063 00. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen nicht annehmen.

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