Anne Bartels zeigt einen der Erinnerungs-Fische, die den Zugang zum Bad zieren sollen. Foto: vv

Das Bewegungsbad ist für das Stuttgarter Kinderhospiz zwar ein hoher Kostenfaktor, aber die Ausgabe lohnt sich: Das Wasser tut den Kindern gut. Nun sollen Zugang und Wände besonders gestaltet werden – eine schöne Idee lässt sie zum Erinnerungsort werden.

Stuttgart - Im Dienstzimmer erinnert ein Foto an eine junge Frau, die vor wenigen Wochen im Stuttgarter Kinderhospiz gestorben ist. Sie wurde 18 Jahre alt, seit ihrem vierten Lebensjahr hatte sie Krebs. Auf dem Foto sieht sie vollkommen entspannt aus. Es wurde an einem besonderen Ort aufgenommen, an dem sich die Schwerkranke sehr wohl fühlte: im Bewegungsbad der Einrichtung. Sie habe diesen Ort geliebt, sagt Michaela Müller, die Leiterin des Kinderhospizes.

Die meisten der schwerkranken Kinder im Haus fühlten sich im Bewegungsbad besonders wohl. „Sie spüren ihr Körpergewicht nicht so, können sich leicht bewegen, haben Freude an dem Element Wasser“, sagt Müller. Und sie genössen es, es mit der Familie erleben zu können. Auch die Geschwisterkinder dürfen das Bad nutzen. Manche Familien, erzählt die Leiterin, kämen nach dem abgeschlossenen stationären Aufenthalt weiterhin nur zum Baden zu ihnen. Wie die Familie eines krebskranken Jungen, der noch im Kindergartenalter ist. In ein öffentliches Bad darf er aufgrund der Erkrankung nicht, dabei sei er so gerne im Wasser.

Die Kinder fühlen sich getragen

Das Wasser im Bewegungsbad ist 34 Grad warm, die Lufttemperatur ist hoch. Das sei wichtig für ihre Kinder, so Müller, die Wärme entspanne sie zusätzlich. In ihrer Bewegung eingeschränkte Kinder können per Lifter in das Wasser gehoben werden. Das Bad stelle einen hohen Kostenfaktor für sie dar, unter anderem wird das Wasser täglich zweimal geprüft. „Aber es lohnt sich“, sagt Michaela Müller. „Die Leichtigkeit des Wassers ist für alle Kinder enorm wichtig, getragen zu werden und keine Schmerzen zu spüren“, sagt auch die Sozialpädagogin Anne Bartels.

Noch sind die meisten Wände des Bades in grauem Beton gehalten – wie auch der Zugang zum Bad. Das soll sich ändern. Aus dem Zugang soll ein Erinnerungsort werden. Anne Bartels hat im Sommer ein besonderes Projekt begonnen: Kinder aus dem Hospiz können Fische gestalten, ihr eigenes Mosaik herstellen. Diese Fische sollen bald den Zugang und das Bad zieren – auf dann blauem Hintergrund. Einen Fisch hat sie dabei.

Es ist der Fisch der 18-Jährigen. Diese sei sehr stolz über ihr Mosaik gewesen, berichtet Bartels. Es war das letzte, was sie vor ihrem Tod gestaltet hat. Sie konnte zwar nicht mehr selbst Hand anlegen, aber dafür habe sie ihrer Mutter genaueste Anweisungen erteilt. Steinchen für Steinchen hat sie bestimmt. „Jetzt haben wir diesen schönen Fisch hier – er erinnert uns an sie und an einen schönen Nachmittag“, sagt Bartels.

Die „Aktion Weihnachten“ will das Kinderhospiz unterstützen

Weil die Verschönerung des Bewegungsbads über Spenden finanziert werden muss, will die „Aktion Weihnachten das Hospiz unterstützen, diese Idee zu verwirklichen.

Die Benefizaktion freut sich über Spenden. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden soll, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung. Die Spendenkonten der Aktion Weihnachten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00.

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