Mit dieser Münzbox kann der Junge Geldstücke mit einem Griff erkennen. Foto: Heidemarie A. Hechtel

Im Haus am Dornbuschweg brauchen blinde, seh- und mehrfachbehinderte Schüler Unterstützung beim Erlernen lebenspraktischer Fähigkeiten. Die Aktion Weihnachten will einen besonderen Koffer finanzieren.

Stuttgart - „Wir spielen Banküberfall“, verkündet Isam stolz. „Und er ist der Dieb“, erklärt dazu lachend die Lehrerin Andrea Sonntag. Offenbar ein sehr erfolgreicher, denn der Achtjährige hat jede Menge Knete vor sich auf dem Tisch liegen. Natürlich werden im Haus am Dornbuschweg, das zur Nikolauspflege für Blinde und Sehbehinderte gehört, nicht Kinder und Jugendliche auf eine kriminelle Karriere vorbereitet. Vielmehr geht es an diesem Morgen in einer Klasse der Grundstufe darum, Isam, Sama, Marina und Felix spielerisch mit dem Thema Geld zu beschäftigen. Aber viel mehr als die Währung aus buntem Plastilin begeistert den sehbehinderten Buben das, was ihm Julia Wiedmann hinlegt: Eine Münzbox mit echten Geldstücken im Wert von einem Cent bis zu zwei Euro. Keine Knete.

Das Haus am Dornbuschweg ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Internat für blinde, sehbehinderte und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche. „Pflege macht einen großen Teil unserer Arbeit aus, dafür braucht man man viel Zeit und Geduld“, sagt Julia Wiedmann. Die 33-Jährige ist Ergotherapeutin mit entsprechender Zusatzausbildung, Reha-Fachkraft und verantwortlich für LPF, die lebenspraktischen Fähigkeiten. „Damit sind alle Tätigkeiten, Handgriffe und Verhaltensweisen gemeint, die zur Bewältigung des Alltags nötig sind“, erläutert Julia Wiedmann. „Denn es ist unser wichtigstes Ziel, diese Menschen so weit wie möglich selbstständig zu machen.“

Ein Schleifenbrett, um das Schleife binden zu üben

Und dafür braucht es noch mehr: Technische und oft ganz einfache Hilfsmittel. Die Münzbox, die den Einkauf erleichtert, weil der Blinde oder Sehbehinderte das richtige Geldstück auf einen Griff findet, ist nur eines davon. Ein anderes ist die sprechende Uhr mit Weckfunktion. Oder der Lichtdetektor, der signalisiert, ob es im Zimmer hell oder dunkel ist und Farben erkennt und mitteilt. Ein kleines Gerät, das man ins Glas hängt, pfeift schrill, wenn der Wasserstand das Gerät erreicht. Ein Plastikkärtchen mit einem ausgeschnittenen Feld ist eine Unterschriftenschablone. Mit dem Schleifenbrett kann das Binden von Schleifen geübt werden. Und die Brötchenschneidehilfe ist eine Box mit integriertem Messer, das unfallfrei das Weckle in zwei Hälften teilt. Die Sockenklammer, mit der man das ominöse Verschwinden von Socken in der Waschmaschine vermeidet, tut zudem sicher nicht nur bei dieser Klientel gute Dienste.

Julia Wiedmann will einen Koffer mit solch einer Kollektion ausstatten, um immer alles bei der Hand zu haben für die Demonstration und zur Erprobung. Und vor allem, um den Schülerinnen und Schülern selbstständige Aktivität und Kompetenz zu vermitteln. Ihr Selbstbewusstsein soll gestärkt und ihr Wohlbefinden und ihre Lebensqualität gesteigert werden. Die „Aktion Weihnachten“ will den Kauf solch eines besonderen Koffers gern mit Hilfe von Spenden ermöglichen.

So können Sie spenden:

Die Spendenkonten der „Aktion Weihnachten“ lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden soll, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen.

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