„Das innere Kind“ muss gut geschützt werden – eine Arbeit aus der Kunsttherapie. Foto: vv

Frauen, die in ihrer Kindheit oder Jugend missbraucht wurden, kann es helfen, mithilfe von Kunsttherapie die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Die „Aktion Weihnachten“ unterstützt das Angebot bei Wildwasser.

Stuttgart - Viele Missbrauchsopfer verdrängen ihre traumatisierenden Erfahrungen – vor allem, wenn sie sehr jung waren und die Übergriffe heftig. Es sei für sie eine „Überlebensstrategie“, sagt die Kunsttherapeutin Karin Kirschmann. Ihre Erinnerungen holten die Frauen zum Teil erst nach Jahrzehnten ein. Oftmals seien die Bilder nicht klar, sondern nur Fragmente, die sie verwirrten. Als „Wirrwarr von Bildern, Wörtern, gefolgt von ,wilden‘ Gefühlen, Gerüchen und Schmerzen“ hat es eine Klientin der Anlaufstelle Wildwasser zum Beispiel beschrieben. Sie war bereits 54 Jahre alt, als die Erinnerungen sie „schlagartig, unkon­trollierbar und in Massen“ überkamen.

Ihre „Rettung“, so drückt sie es selbst aus, sei die Fachberatungsstelle Wildwasser gewesen. Diese richtet sich an Frauen, die in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erfahren haben. Weil es den Betroffenen schwerfallen kann, ihre Erinnerungen in Worte zu fassen, bietet die in Feuerbach ansässige Anlaufstelle auch Kunsttherapie an. Seit 2003 übernimmt diese Karin Kirschmann. Sie hat schon im Frauenhaus und im Kinderschutzzentrum als Kunsttherapeutin gearbeitet.

Ein sicherer Ort in einem Garten in den Wolken

Die 49-Jährige berichtet von „Redeverboten“, die ihre Klientinnen plagten – erteilt meist von den Tätern, zum Teil auch von den Müttern, die die Fassade hochhalten wollten. Über die Kunsttherapie könnten sie sich nonverbal äußern oder auch über die Bilder ihre Sprache wiederfinden.

Kirschmann arbeitet mit den Frauen in Einzelsitzungen und in der Gruppe. Bei Letzterer stehe im Vordergrund, die Frauen zu stabilisieren und ihr Selbstbewusstsein zu steigern. So würden Kraftorte gemalt, an denen sie sich sicher fühlten. Diese müssen nicht real existieren. Eine Frau hat sich zum Beispiel in den Wolken gemalt, in einem schönen Garten – sicher, nicht greifbar.

Die Frauen arbeiten mit unterschiedlichen Materialien: Sie filzen, malen, drucken, töpfern. Wie eine antike Göttin kommt zum Beispiel die Frauenfigur daher, die eine junge Frau gestaltet hat – mit ausufernden Rundungen. Die Schöpferin selbst ist sehr dünn. Sie nähere sich auf diese Art ihrer Weiblichkeit wieder an, erklärt Kirschmann.

Ein Album mit Schwarz-Weiß-Bildern über die schlimmen Erlebnisse

Eine andere Teilnehmerin hat in kleinformatigen Schwarz-Weiß-Bildern all das Schlimme, was ihr Vater ihr angetan hat, festgehalten und daraus ein Album gemacht. Das kann sie schließen, ohne zu verdrängen. „Es ist wichtig, die Selbstkontrolle wiederzuerlangen“, sagt die Kunsttherapeutin. Bisher ist sie als Honorarkraft bei Wildwasser tätig gewesen – von Januar an kann sie fest in der Anlaufstelle arbeiten. Der Verein Wildwasser ist aber auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um den Arbeitsplatz einzurichten, und hat bei der „Aktion Weihnachten“ einen Schreibtisch, einen Schreibtischstuhl, kunsttherapeutische Materialien und einen Beamer beantragt.

So können Sie spenden:

Die „Aktion Weihnachten“ freut sich über Spenden. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden soll, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung. Die Spendenkonten der „Aktion Weihnachten“ lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, Iban DE85 6002 0100 0000 0063 00.

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