Die Anfragen können die Ehrenamtlichen von überall beantworten. Foto: Nethelp4u

Wenn Jugendliche in einer Krise sind, können sie über das geschützte Portal „Nethelp4u“ anonym mit anderen jungen Menschen in Kontakt treten, die dafür ausgebildet sind. Die Aktion Weihnachten will das Projekt unterstützen.

Stuttgart - „Hilfe“ – mit diesem Wort hat ein Mädchen seine erste Nachricht an Nethelp4u beendet. Die Jugendliche ist zu dem Zeitpunkt in einer akuten Krise gewesen. Sie wurde in der Schule gemobbt, hatte keine Freunde und dazu noch das Gefühl, in allem zu versagen. Doch dann ist es irgendwann aufwärts gegangen. Und der erste Schritt raus aus dem Loch ist es gewesen, diese erste Nachricht zu verfassen – sich zu überwinden, online um Hilfe zu bitten.

Seit elf Jahren gibt es das Projekt Nethelp4u ( Hilfe im Netz für Dich) der Evangelischen Jugendkirche Stuttgart. Es richtet sich an Jugendliche, die sich in einer Krise befinden und sich mit ihren Gefühlen alleingelassen fühlen. Das Besondere an dem Portal ist nicht nur der Schutz der Anonymität, der jederzeit gewährleistet ist, sondern auch die Begegnung auf Augenhöhe. Die Ehrenamtlichen, die den Jugendlichen zurückschreiben, sind zwischen 17 und 27 Jahre alt. „Sie sprechen die gleiche Sprache“, erklärt der Jugendpfarrer Matthias Rumm. 18 ehrenamtliche Peers, wie die Berater heißen, sind aktuell im Einsatz. Alle haben eine 50-stündige Ausbildung durchlaufen. Und auch danach sind sie nicht alleine mit ihrem Ehrenamt. Der Jugendreferent Christoph Werkmann, der das Projekt betreut, steht ihnen zur Seite und liest über die Antworten der Peers drüber.

Mit manchen schreiben sich die Jugendlichen über viele Monate

Patricia Böhm und Carola Herter engagieren sich als Peers. Sie finden es praktisch, das Ehrenamt zu Hause ausüben zu können. Patricia Böhm hat vor eineinhalb Jahren mit der Ausbildung begonnen, Carola Herter ist seit fünf Jahren dabei. Mobbing, wie im eingangs geschilderten Fall, sei ein typisches Problem, das von Jugendlichen angesprochen werde, berichtet Herter, aber auch Selbstverletzungen, Liebeskummer und Suizidgedanken. Mal tausche man nur wenige Nachrichten aus, dann ziehe sich die Betreuung über ein ganzes Jahr. „Es gibt Leute, die melden sich alle zwei Wochen, andere wollen gefühlt jeden Tag schreiben“, sagt die 25-Jährige. Schwierig werde es, ergänzt Patricia Böhm, wenn sich jemand plötzlich nicht mehr meldet. Der 18-Jährigen ist ihr erster Kontakt besonders haften geblieben. Ein Jahr lang schrieb ihr eine Jugendliche. Schien das eine Problem gelöst, kam das nächste auf. Das Mädchen benötigte einen Therapieplatz. Es sei gelungen, ihr einen zu vermitteln – und durch die Beratung zuvor war diese bereit, ihn auch anzunehmen. Dann kam die letzte E-Mail: „Sie hat sich verabschiedet und Danke gesagt, es hat ein schönes Ende gefunden“, erzählt Patricia Böhm. Das habe auch ihr gut getan.

Bis zu 3000 E-Mails werden pro Jahr beantwortet

Bis zu drei Personen betreut ein Peer in der Regel parallel. Pro Jahr beantworten sie etwa 2500 bis 3000 E-Mails von rund 300 Hilfesuchenden. Teilweise sei das Angebot lebenswichtig, sagt Christoph Werkmann. Auffällig sei zudem, dass in den Ferien besonders viele Anfragen kämen. Wenn Zeit da ist – und das Grübeln los geht.

Er ist auch in Schulen im Einsatz, kann dabei auch über das Portal und das Ehrenamt informieren. Denn das Projekt ist immer auf der Suche nach Ehrenamtlichen. Weil die Ausbildung und Betreuung aufwendig ist und für die Weiterbildung Kosten für Übernachtung und Verpflegung anfallen, ist die Jugendkirche auf Spenden angewiesen. Die „Aktion Weihnachten“ will sich beteiligen.

So können Sie spenden:

Die „Aktion Weihnachten“ freut sich über Spenden. Achtung: Wenn Ihr Name als Spender in den Stuttgarter Nachrichten veröffentlicht werden soll, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung. Die Spendenkonten der Aktion Weihnachten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: