Herr G. kann Kaffee nur über die Magensonde zu sich nehmen. Er zieht ihn mit einer Spritze auf. Foto: vv

Herr G. gilt im Hans-Sachs-Haus als „die gute Seele“ – sein Schicksal rührt auch die Mitbewohner. Weil er Mundhöhlenkrebs hat, fällt es ihm schwer zu kommunizieren. Die Aktion Weihnachten will ihm mehr Teilhabe ermöglichen.

Stuttgart - Es begann mit Schmerzen beim Schlucken. Ein Allgemeinmediziner tippte auf eine Erkältung. Doch es wurde schlimmer. „Das konnte keine Erkältung sein“, erinnert sich Herr G. Er ging zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt, und der schlug Alarm. Herr G., seit 40 Jahren starker Raucher, hat Mundhöhlenkrebs. Dreimal wurde er seit der Diagnose im Juli operiert. Bei einem der Eingriffe wurden die Stimmbänder durchtrennt und Zähne gezogen, so dass er nur für wenige trainierte Menschen zu verstehen ist. Bei einer anderen OP erhielt er eine Magensonde, weil er nicht mehr schlucken kann. Dabei hat er zuvor immer so gerne gekocht, am liebsten auch für seine Mitbewohner.

Er vermisst es zu schmecken

Für das Gespräch mit der Vertreterin der Aktion Weihnachten im Gemeinschaftsraum des Hans-Sachs-Hauses für wohnungslose Männer hat eine Mitarbeiterin zwei Tassen Kaffee hingestellt. Herr G. zieht eine Spritze aus der Tasche und zieht den Kaffee damit auf, um ihn sich über die Sonde zuzuführen. Er vermisse es zu schmecken, sagt er. Noch härter ist es für ihn aber, so wenig kommunizieren zu können. Wagt er es, Fremde anzusprechen, erfahre er nur Ablehnung, berichtet er. Denn seine Stimme klingt fremd, sehr verwaschen. Man könnte denken, er wäre volltrunken. „Dabei bin ich nüchtern“, sagt Herr G. traurig.

Seine Ärzte hatten ihm gesagt, er würde gar nicht mehr sprechen können. „Doch ich habe trainiert, ich habe viel mit mir selbst gesprochen“, berichtet Herr G., wie er sich ein Stück seiner Sprechfähigkeit zurückerobert hat. Fünfmal die Woche muss er noch zur Bestrahlung. Kürzlich lag er auch wieder stationär im Krankenhaus. Mitbewohner kamen ihn besuchen. Das sei sehr ungewöhnlich für ihre Klientel, sagt die Sozialarbeiterin Dagmar Haas. Aber alle im Hans-Sachs-Haus hätten ihn ins Herz geschlossen. Im Herbst 2018 kam er ins Aufnahmehaus, wechselte von dort Anfang des Jahres ins Haupthaus. Er sei die „gute Seele“ bei ihnen, berichtet Haas, der trotz allem seinen ­Lebensmut nicht verloren habe.

Ein Schicksalsschlag führte zur Rückkehr nach Stuttgart

Der 56-Jährige hat mehr als 15 Jahre in Luxemburg gelebt, spricht Französisch und Englisch fließend. Er arbeitete als Wirtschaftsinformatiker bei einer Bank und einer IT-Firma. Beide Male fiel sein Job ­Umstrukturierungsmaßnahmen zum Opfer. Zuletzt war er selbstständig. Als Mädchen für alles kümmerte er sich zeitweise um Gebäude. Ein Schicksalsschlag zog ihm den Boden unter den Füßen weg: Seine Lebenspartnerin erlitt einen Hirnschlag. Mit wenig Gepäck kehrte er in seine Heimatstadt Stuttgart zurück.

Über Umwege kam er zur Evangelischen Gesellschaft und ins Aufnahmehaus in der Hauptstätter Straße. Er habe Rentenansprüche aus seiner Luxemburger Zeit, sagt Herr G. Doch bisher sei es nicht gelungen, diese geltend zu machen. Das Hans-Sachs-Haus hat ein günstiges Tablet für ihn beantragt. Das würde ihm helfen, in der Rentenfrage zu recherchieren. Auch würde es ihm etwas Teilhabe ermöglichen und die Wartezeit in Kliniken verkürzen. Die Aktion Weihnachten würde Herrn G. seinen Wunsch gerne mithilfe von Spenden erfüllen.

So kann man spenden

Spenden Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden soll, vermerken Sie das bitte bei der Überweisung. Sachspenden können wir nicht annehmen. Die Spendenkonten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00.

Info Weitere Informationen zur „Aktion Weihnachten“ finden Sie im Internet unter www.aktionweihnachten.de.

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