Mitten in der Natur im Zollernalbkreis liegt das Feriendorf, wo die Freizeit hingeht. Foto: V.L.

Für die drogenabhängigen Mütter und ihre Kinder ist es der Höhepunkt im Jahr: eine gemeinsame Fahrt in die Natur. „Man kann da einfach so sein, wie man will und muss sich nicht schämen, dass die Eltern anders sind“, sagt eine Tochter.

Stuttgart - In der Schule habe sie sich von lauter perfekten Familien umgeben gefühlt, sagt Verena (Namen geändert). Sie konnte da nicht mithalten. Verenas Eltern waren drogenabhängig. Zwar haben sie so gut es ging die Sucht vor den vier Kindern verborgen, aber ihr Vater kam mehrfach in Haft. Als sie 15 Jahre alt war, habe sie dann alles erfahren. Ihre Mutter Anne wollte nicht, dass die Tochter den gleichen Weg einschlägt und habe sehr offen mit ihr gesprochen, erzählt sie.

Es gab einen Rahmen, in dem sich Verena nie verstellen musste: die Freizeit für drogenabhängige Mütter und ihre Kinder, die der Verein „Die Brücke – Seelsorge für aids- und drogenkranke Menschen“ seit vielen Jahren organisiert. „Man kann dort einfach so sein, wie man will – und man muss sich nicht schämen, dass die Eltern anders sind als andere“, sagt Verena. Niemand bewerte den anderen. Das schätzt sie bis heute an der Gruppe – und nicht nur sie. Rund 30 Personen sind in diesem Sommer mitgefahren, darunter neun Mütter, acht Kinder, drei Jugendliche und sechs erwachsene „Kinder“ – wie Verena. Weiterhin ist sie willkommen. Das tut ihr gut, aber auch ihrer Mutter.

Absagen? Das sei nicht infrage gekommen

Verena hat tatsächlich einen anderen Weg eingeschlagen als ihre Eltern. Sie nimmt keine Drogen, ist verheiratet und engagierte Mutter von vier Kindern. Die vier nimmt sie seit zwei Jahren mit auf die Freizeit. Sie genössen es, mit ihrer Oma unter einem Dach zu leben, erzählt sie. Anne liebt ihre Enkel. „Ich freue mich da das ganze Jahr drauf“, sagt die 51-Jährige über die Freizeit – es ist die einzige schöne Unternehmung für sie.

Bei ihrer ersten Fahrt habe ihr jüngster Sohn noch im Kinderwagen gelegen. Heute ist er 18 Jahre alt. Dieses Jahr sei sie am Tag vor der Abfahrt schlimm gestürzt. Aber absagen? Auf keinen Fall. „Ich bin morgens ins Krankenhaus und dann zum Bahnhof“, erzählt die verwitwete Frau.

In dem Feriendorf sind sie „einfach willkommen“

Die Gruppe gebe ihr Geborgenheit und Halt, das Verständnis füreinander sei groß, sagt Anne. Sie seien wie eine Familie, pflichtet ihr Brigitte bei, eine weitere drogenabhängige Mutter, die zu dem Gespräch in die Anlaufstelle „Die Brücke“ in die Büchsenstraße gekommen ist. Brigitte ist ebenfalls 51 Jahre alt. Von ihren fünf Kindern leben noch ihre 19-jährige Tochter und ein 18-jähriger Sohn bei ihr. Der 18-Jährige ist psychisch sehr belastet. „Er hat Verlustängste“, erzählt sie. Anne und Brigitte sind beide seit vielen Jahren im Substitutionsprogramm. Beide Frauen haben große gesundheitliche Probleme – und Kinder, die sich um sie sorgen.

Das sei oft der Fall, dass die Kinder viel und auch schon früh Verantwortung übernehmen, sagt der katholische Aids-Seelsorger Uwe Volkert. Wie kann man sich gegenseitig loslassen? Auch darüber sprechen sie. Seit fünf Jahren fährt Volkert mit in das Feriendorf. Dieser Ort im Zollernalbkreis tue allen gut: „Wir sind dort einfach willkommen“, sagt er. Einen Teil der Kosten übernimmt „Die Brücke“, aber der Verein ist auf einen Zuschuss angewiesen. Die „Aktion Weihnachten“ will die Fahrt unterstützen.

So können Sie spenden:

Die „Aktion Weihnachten“ freut sich über Spenden. Die Spendenkonten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden soll, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung.

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