Die Schuhe von Frau H. sind kaputt. Es ist das einzige Paar, das sie hat. Foto: vv

Frau N. besitzt nur ein Paar Schuhe und das ist kaputt. Der einzige Luxus, den sie sich gönnt, ist ein VVS-Ticket. Dabei müsste sie gar keine Geldsorgen haben, sagt sie, wenn sie nur geerbt hätte.

Stuttgart - Frau N. muss sich gut überlegen, ob sie bei Regen das Haus verlässt. „Dann bekomme ich nasse Füße“, sagt die 48-Jährige. Sie hat nur noch ein Paar Schuhe und bei dem sind die Sohlen gerissen. Auch ihre Winterjacke schließt nicht mehr: ein Ski-Modell in türkis-lila aus den 1980er Jahren. Es ist ihr peinlich, aber was soll sie machen? Sie hat kein Geld, um sich eine Jacke zu kaufen.

Frau N. hat viele chronische Erkrankungen. Mit Schwindelanfällen ging es los, sagt die gelernte Hauswirtschafterin, sie plagen sie bis heute. Es sei schrecklich – manchmal laufe sie den ganzen Tag nur mit einem Eimer vor dem Kopf herum, weil ihr so schlecht sei. Als sie Mitte 30 war, wurde bei ihr Diabetes Typ II diagnostiziert. Zudem hat sie ein krankhaft vergrößertes Herz. Dann erlitt sie auch noch infolge von Ausstülpungen im Darm einen Darmdurchbruch.

Ihr VVS-Ticket ist der einzige „Luxus“, den sie sich gönnt

„Seither kann ich nicht mehr arbeiten“, sagt Frau N., die seit zehn Jahren Arbeitslosengeld II bezieht. Hinzu kommt noch die Schmerzerkrankung Fibromyalgie, der Rücken macht ihr aufgrund einer angeborenen Skoliose zu schaffen. Weil ihr Bett kaputt ist, schläft sie auf der Matratze auf dem Boden. Der einzige „Luxus“, den sie sich gönnt, sei das 9-Uhr-Umweltticket für den ÖPNV. Sie habe kein Internet, kein Smartphone.

Zumindest aus der finanziellen Misere hätte es beinahe einen Ausweg gegeben. Ihre Mutter war nicht arm, sie besaß ein Dreifamilienhaus. Ihr Vater ist bereits seit 22 Jahren tot. Als ihre Mutter im Oktober 2018 starb, hätte Frau N. eigentlich erben müssen. Noch bis Frühjahr 2018 sei sie als Alleinerbin im Testament eingetragen gewesen.

Doch nach dem Tod des Lebensgefährten der Mutter habe ein Mieter die psychische Notlage der krebskranken alten Frau ausgenutzt – und dass der Kontakt zwischen Mutter und Tochter aufgrund eines Konflikts mit dem Lebensgefährten abgebrochen war. Jedenfalls habe ihre Mutter dem Mieter das Haus überschrieben und eine Generalvollmacht für die Konten erteilt, erzählt Frau N. verzweifelt. Die Konten seien alle geräumt. Der Fall wird noch das Landgericht beschäftigen.

Mutter wurde anonym bestattet

Nur durch Zufall habe sie überhaupt vom Tod ihrer Mutter erfahren, erzählt sie, niemand informierte sie. Die anonyme Bestattung habe sie deshalb verpasst. „Ich weiß nicht einmal, wo sie genau liegt“, sagt Frau N.. Sie wünscht sich Kleidung, vor allem Unterwäsche, und ein Paar Winterschuhe sowie ein Paar normale Schuhe. Auch ein Bett hat die katholische Betriebsseelsorge für sie beantragt. Die „Aktion Weihnachten“ würde ihr diese Wünsche gerne erfüllen.

Die „Aktion Weihnachten“ freut sich über Spenden. Wenn Ihr Name als Spender veröffentlicht werden soll, vermerken Sie das bitte unbedingt bei der Überweisung. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen. Die Spendenkonten der „Aktion Weihnachten“ lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00.

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