Bei Evas Tisch bekommen Bedürftige günstig eine Mahlzeit. Herr W. arbeitet hier als Tellerwäscher. Foto: dpa/Marius Becker

Herr W. hat lange Jahre hart gearbeitet. Er hatte zum Teil drei Jobs gleichzeitig. Mit der Trennung von seiner Frau ging es mit seinem Leben bergab. Seine Katzen waren für ihn wie eine zweite Familie – bis er auch sie abgeben musste.

Stuttgart - Andreas W. weiß, dass er nicht zu lange alleine in seiner Wohnung verbringen darf. Dann kommen die dunklen Gedanken – und die Gefahr steigt, dass er rückfällig wird. Wieder zur Flasche greift. Gerade ist er trocken. Es tut ihm gut, dass er eine Aufgabe hat. Er hilft am Tisch der Eva, einem Mittagstisch für Bedürftige, als Tellerwäscher und bessert so über den Ein-Euro-Job sein Arbeitslosengeld II auf. Er habe sein Leben lang körperlich schwer gearbeitet, sagt Andreas W. von sich. Es schmerzt ihn, dass er aus gesundheitlichen Gründen nur noch wenige Stunden am Tag schaffen kann.

Früher, als er noch Familienvater war, hatte er drei Jobs gleichzeitig. Das war zu viel, es rächt sich heute. Aber es galt, sechs Kinder zu versorgen, davon vier eigene. Morgens um halb sechs habe seine erste Schicht begonnen. Er war Paketfahrer – und das gleich bei zwei Unternehmen. Bei dem einen hatte er die Frühschicht, bei dem anderen die Spätschicht. „Fahren, fahren, fahren, schleppen, schleppen, schleppen“, schildert er sein Leben. 18 Stunden habe sein Arbeitstag gehabt. Jedes zweite Wochenende habe er zudem bei einem großen Automobilunternehmen die Roboter geputzt. Die Familie sah er entsprechend kaum.

Auf einem Auge ist er blind

Es kam immer öfter zum Streit mit seiner Frau – am 22. April 2003 war die Ehe kaputt. Seine Kinder waren 15,14,13 und acht Jahre alt. Es war keine Trennung im Guten, ein Rosenkrieg folgte. Und Andreas W. rutschte zuerst in die Depression, dann in die Alkoholsucht, verlor nicht nur all sein Geld, sondern auch seinen Job. Nun ist er bald 59 Jahre alt und körperlich gezeichnet. Auf einem Auge ist er seit der Kindheit blind. Er wurde versehentlich von seiner Cousine mit einem Pfeil schwer verletzt.

Zwei Herzinfarkte hat er hinter sich, vor einem Jahr wurde Diabetes Typ I diagnostiziert. Was ihm einen besonderen Schlag versetzt hat: dass auch noch eine Katzenhaarallergie hinzukam. So musste er sich von seiner Ersatzfamilie trennen: seinen zwei Katzen. „Ich habe sie so geliebt“, sagt er traurig. Bevor er sie abgeben musste, hat seine „Prinzessin“ noch geworfen – sechs „Banditos“. Die Kätzchen sind vor dem Abschied über sein Sofa hergefallen. Das hatte er vor acht Jahren gebraucht gekauft, die Tiere haben ihm den Rest gegeben. Ein neues kann er sich nicht leisten. „Herr W. lebt sehr einfach“, sagt sein Sozialarbeiter, Wolfgang Haag. Doch obwohl er sich sehr einschränken müsse, bemühe sich Herr W. immer, „gut aufzutreten“. Für das Gespräch hat er sich einen Schlips umgebunden. „Das gehört sich so“, sagt Andreas W.. Die Aktion Weihnachten will ihm den Kauf einer Couch ermöglichen.

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