Ein Unfall änderte das Leben von Herrn A. komplett. Foto: dpa

Im Griechenlandurlaub 1994 hatte Herr A. einen Motorradunfall. Als er Monate später aus dem Koma erwachte, war er halbseitig gelähmt. Vor acht Jahren stürzte er auch noch mit dem Rollstuhl am Stuttgarter Charlottenplatz die Treppe herunter.

Stuttgart - Als junger Mann sei er „ein absoluter Draufgänger“ gewesen, sagt Herr K.. Er liebte die Geschwindigkeit und war stolz auf seine Maschine, eine Kawasaki. Mit dem Motorrad fuhr er 1994 durch Griechenland, die Heimat seines Vaters. Dort passierte der fatale Unfall, an den er keine Erinnerungen hat, und der alles ändern sollte. Acht Monate lang lag er in einer Klinik in Thessaloniki im Wachkoma und kämpfte aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas um sein Leben. Bis heute ist er wegen des Unfalls halbseitig gelähmt, das Sprechen fällt ihm schwer.

Im Jahr 2010 hatte Herr K. erneut einen schlimmen Unfall. Ein Fahrradfahrer habe ihn angefahren, berichtet er, so sei er am Charlottenplatz mit dem E-Rollstuhl die Treppen hinuntergefallen. „Das war der Horror“, erinnert sich Herr K.. Zuerst habe ihm niemand geholfen, alle hätten nur gegafft. Schließlich hätten ihn Jugendliche zurück in den Rollstuhl gehoben.

14 Mal musste er operiert werden

Seine Kniescheibe war zertrümmert, Herr K. kam ins Krankenhaus. Dort erlebte er ein Martyrium. Resistente Keime gelangten in die Wunde. 14 Mal musste er deshalb letztlich operiert werden. Aber er hat einen hervorragenden Physiotherapeuten gefunden, mit dem er drei Mal die Woche trainiert. Die Ergebnisse machen den 48-Jährigen glücklich. Gestützt auf den deutlich kleineren Mann schafft er es, ein paar Schritte zu laufen. Das sei ein unglaublich tolles Gefühl.

Bis zu ihrem jeweiligen Tod haben ihn seine Eltern gepflegt – beide, dabei waren sie geschieden. Sie hatten sich getrennt, als er 15 Jahre alt war. Während er in der Reha war, lebten auch sie in Bayern, danach wohnte Herr K. zwei Jahre bei seiner Mutter in einer Wohnung, die für ihn wie ein Gefängnis war. „Sieben Stufen im Haus, drei Stufen vor dem Haus“, erklärt er, warum. 2006 zog er in die barrierefreie, kleine eineinhalb Zimmer-Wohnung des Körperbehindertenvereins ein, die auch jetzt noch sein Zuhause ist. Zeitweilig teilte er sich die Wohnung mit seinen Eltern. Einfach war das nicht. „Sie haben sich nicht verstanden“, sagt er. Der Vater starb, die Mutter konnte schließlich in eine Seniorenwohnung in der Nachbarschaft ziehen. Sie starb im Sommer 2017.

Im Schlafzimmer stehen mehrere Wäscheständer

Herr K. ist oft mit dem Elektrorollstuhl in Stuttgart unterwegs – und er ist stolz über alles, was er ohne Hilfe meistert. Den linken Arm kann er bewegen, damit füllt er zum Beispiel selbstständig die Waschmaschine. Aufhängen kann er die Wäsche jedoch nicht. Eine Helferin übernimmt das. Die Wäscheständer verstellen das kleine Zimmer seiner beengten Wohnung, sodass er es ansonsten nicht nutzen kann. Behinderungsbedingt hat Herr K. einen hohen Wäscheverbrauch. Hätte er einen Trockner, könnte er die Wäsche ganz alleine bewältigen, und er könnte das „Trockenzimmer“ als Schlafzimmer benutzen, wofür es eigentlich gedacht ist. Die Aktion Weihnachten unterstützt nur in begründeten Ausnahmefällen den Kauf eines Trockners. Das ist bei Herrn K. der Fall.

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