Die Pillenration des Tages von Frau B., die viele Krankheiten hat, darunter Krebs. Foto: vv

Drei Krebserkrankungen hat Frau B. schon überstanden – nun wurde wieder ein Tumor entdeckt. Die 55-Jährige hat viel mitgemacht in ihrem Leben, flüchtete vor ihrem Mann ins Frauenhaus. Sie entwickelte eine Kaufsucht und musste wegen der Schulden für ein Jahr ins Gefängnis.

Stuttgart - Frau B. hat fast ihren gesamten Besitz verloren. Nur einige Kartons mit Büchern und Kleidung konnte eine Freundin für sie retten, als sie ins Gefängnis musste. Frau B. hatte eine Kaufsucht entwickelt. Sie wollte all das Leid, das ihr passiert war, vergessen, indem sie sich „etwas gönnt“, wie sie erklärt. Die Rechnungen, die sich zu Hause stapelten, schaute sie nicht an. Der Richter verurteilte sie wegen Betrugs, ein Jahr war sie in Haft. Und ihr Ex-Mann entsorgte damals ihren Hausrat.

Das Verhältnis der beiden war und ist belastet. Frau B. war mit ihren vier Kindern vor ihrem Mann ins Frauenhaus geflohen – der älteste Sohn war zu dem Zeitpunkt 14, das jüngste Kind neun, die Zwillinge waren zehn Jahre alt. „Immer wenn er trank, ist er gewalttätig geworden“, erzählt die 55-Jährige von der Zeit der Ehe. Die Kinder habe ihr Mann Gott sei Dank nicht geschlagen, aber vor ihr machte er nie halt – auch nicht, als klar war, dass sie schwer krank war.

Es wurde schon wieder ein Tumor in der Lunge gefunden

1989 wurde bei Frau B. Brustkrebs diagnostiziert – der Beginn einer langen Krankengeschichte. Sie hat den Brustkrebs besiegt, auch zweimal Lungenkrebs, der 1991 und 2013 festgestellt wurde. Doch sie hat weitere Erkrankungen entwickelt, wie die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn. Sie hat einen Herzschrittmacher und – infolge der Chemotherapien – Probleme mit der Hals- und der Lendenwirbelsäule.

Kürzlich war Frau B. bei ihrem Onkologen. Er hatte schlechte Nachrichten. Es wurde wieder ein Tumor in der Lunge gefunden. Eine weitere Chemotherapie will sie nicht ertragen müssen. Der Tumor liegt günstig, die Ärzte werden operieren, anschließend beginnt sie mit einer Immuntherapie.

Zu schaffen macht Frau B., dass ihre Kinder seit der Inhaftierung keinen Kontakt mehr zu ihr haben wollen. Sie nehmen ihr übel, dass sie wegen ihr zurück zum Vater mussten. Inzwischen sind alle vier volljährig, wohnen in Wohngemeinschaften oder in eigenen Wohnungen. „Meine Kinder sind mein ganzer Stolz, ich wollte ihnen nie absichtlich etwas Böses antun“, sagt Frau B.

Die Wohnung hat keine Kücheneinrichtung

Sie geht ihre Probleme an, spricht regelmäßig mit einer Therapeutin, besucht eine Selbsthilfegruppe. Auch hat ihr das Jobcenter eine Fortbildung in der Buchhaltung bewilligt. Auch wenn sie krank sei – sie wolle etwas beitragen, sagt Frau B.. Für die Fortbildung benötigt sie allerdings einen Laptop.

Außerdem ist die Küche der Wohnung, in der sie seit August wohnt, bis auf ein paar Kartons leer. „Ich würde gerne wieder selbst kochen“, sagt Frau B., die eigentlich auf ihre Ernährung achten sollte. Den Abwasch erledigt sie im Badezimmer. Die Aktion Weihnachten will Frau B. unterstützen, so dass sie den Laptop und eine kleine Küchenzeile mit Kühlschrank und Herd kaufen kann.

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