Aktion Weihnachten 2018 Der Vater ist gestorben, die Mutter im Ausland

Von Viola Volland 

In der Adventszeit schildern wir Einzelschicksale von Menschen, die Unterstützung brauchen. Foto: dpa
In der Adventszeit schildern wir Einzelschicksale von Menschen, die Unterstützung brauchen. Foto: dpa

Die Aktion Weihnachten unterstützt eine 19-jährige Stuttgarterin, die auf sich gestellt ist. Ihre psychisch kranke Mutter lebt im Ausland, der Vater ist tot. In der Wohnung der Gymnasiastin gibt es bisher keine Küche.

Stuttgart - Stefanie (Name geändert) war 16 Jahre alt, als sie zu Hause auszog. Sie habe den psychischen Druck nicht mehr ausgehalten, erzählt die Schülerin. Ihr zehn Jahre älterer Bruder habe sie terrorisiert, weil sie einen Freund hatte. Er hatte offenbar das Gefühl, den verstorbenen Vater ersetzen zu müssen. Und ihre Mutter sei ihr keine Unterstützung gewesen. Sie ist körperlich und psychisch schwer krank. Zu einer Krebserkrankung kam noch eine Depression hinzu. „Meine Mutter kann schon lange nicht mehr arbeiten“, sagt die heute 19-Jährige.

Aufgewachsen ist Stefanie in Nordrhein-Westfahlen. Die Eltern trennten sich, ihre Mutter sei mit ihr, als sie zwölf war, nach Stuttgart gezogen. Stefanie war Hochleistungssportlerin, hier gab es bessere Trainingsbedingungen. Das Pensum war hoch, sie trainierte damals fünf Stunden am Tag. Nach etwa zwei Jahren zog ihr Bruder, der zuerst beim Vater geblieben war, den beiden hinterher. Die Geschwister stritten viel. Als Stefanie 16 Jahre alt war, starb ihr Vater, der in Russland geboren war. Woran er gestorben ist, habe ihr nie jemand erzählt.

Dieses Schuljahr macht sie ihr Abitur

Einmal hatte sie solche Angst, nach Hause zu kommen, dass sie die Nacht draußen schlief. Mit dem Leistungssport hatte sie bereits aufgehört, der Druck war zu groß geworden. Auch zur Schule ging sie kaum noch. „Aber ich bin intelligent; wenn ich den Stoff wiederhole, schreibe ich eigentlich immer eine Eins“, erzählt sie. Schließlich zog sie zu Hause aus und in eine Wohngemeinschaft, die vom Jugendamt betreut wurde.

Das Geschirr muss sie im Badezimmer spülen

Inzwischen, erzählt sie, habe sich das Verhältnis zu ihrem Bruder beruhigt. Drei Jahre sind vergangen. Sie sprechen wieder mitein­ander. Ihre Mutter lebt nun im nahen europäischen Ausland. Sie haben wenig Kontakt. „Ich will meinen Weg gehen“, sagt die Schülerin. Sie besucht das Gymnasium, macht dieses Schuljahr ihr Abitur. Danach will die junge Frau, die eine geringe Halbwaisenrente und Unterstützung vom Jobcenter bekommt, Medizin studieren.

Anfang November ist sie in ihre erste eigene Wohnung gezogen, als Nachmieterin ihrer Mutter. Eine Küche hat die Wohnung allerdings nicht, nur einen Campingkocher und einen alten Kühlschrank. Ihre Mutter habe ihr Leben schon lange nicht mehr im Griff gehabt, sagt Stefanie. Das Geschirr spült sie bisher notgedrungen im Badezimmer im Waschbecken. Das Jobcenter übernimmt die Kosten für eine Küchenzeile nicht, weil es Stefanie schon die Möbel für ihr erstes WG-Zimmer finanziert hatte. Die Aktion Weihnachten hilft Stefanie und ermöglicht ihr den Kauf de r Küchenzeile.

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