Zu Fuß zur Schule zu gehen und zurück fördert auch die Selbstständigkeit der Schüler. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

35 Grundschulen in Stuttgart nehmen am Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Polizei und Schulamt für mehr Verkehrssicherheit der Schüler teil. Doch die Teilnahme kommt nicht für alle Grundschulen in Frage.

Stuttgart - Amelie, eine Viertklässlerin an der Heumadener Grundschule, wohnt am Lederberg. „Ganz schön weit weg, sicher an die zwei Kilometer“, überschlägt Thomas Schenk, der Leiter des Staatlichen Schulamtes, die Strecke schnell im Kopf. Trotzdem verlässt Amelie seit einem Jahr brav schon um 7.15 Uhr das Haus, um zu Fuß in die Schule zu gehen, statt sich von den Eltern kutschieren zu lassen. Genau wie Jakob, Lina, Nils und alle Mitschüler. Denn die Schule am Lange Morgen nimmt seit einem Jahr an der Aktion „Sicher zu Fuß zur Schule“ teil. Genau wie 34 andere Grundschulen in Stuttgart und 7700 Kinder, die insgesamt 54 000 Kilometer Schulweg bewältigt haben. Im Durchschnitt ist ein Grundschulweg in Stuttgart 700 Meter weit.

„Die Aktion ist eine Erfolgsgeschichte“, interpretiert Andreas Passauer, der Beauftragte für Verkehr und Mobilität am Staatlichen Schulamt, diese Zahlen mit Aufwärtstrend am Dienstag in Heumaden. Denn gestartet ist das Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Staatlichem Schulamt, Polizeipräsidium und Förderverein Sauberes und Sicheres Stuttgart im Jahr 2016 mit 20 Grundschulen. Als Beitrag zur Verkehrserziehung und Verkehrssicherheit der Schulkinder. Aber vor allem als Strategie gegen den überhand nehmenden Pulk der Elterntaxis, die jeden Morgen und Mittag die Straßen vor den Grundschulen blockieren, wobei Halteverboteverbote ignoriert werden.

Ordnungsbürgermeister: Stuttgarter Schulwege sind sicher

„Die Schulwege in Stuttgart sind so sicher, dass sie von jedem Kind bewältigt werden können“, sagt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Ein Kinderspiel also, das vor allem auch ein Stück Bildung darstellt: „Es fördert nicht nur die Selbstständigkeit der Kinder, sie nehmen dann auch bewusst ihr Lebensumfeld als Bereicherung wahr“, so Schulamtsleiter Schenk.

Das sei, wie bei dem langen Weg von Amelie, sicher eine Herausforderung für ein Kind, vor allem in der winterlichen Dunkelheit in der Frühe. Aber es unterstützt, wie Nils beweist, die Freude an Freundschaft und Kommunikation. Denn Nils wohnt nur eine Ecke weiter von der Schule. Wie lang geht er? „Zehn Minuten, wenn ich allein bin. Und mit Paul eine halbe Stunde.“

Hohe Verkehrssicherheit für Schulkinder

Die Rektorin Petra Fix darf jetzt eine Tafel anbringen, die der Schule die Teilnahme an der Aktion bescheinigt. „Die Eltern“, so die Schulleiterin, „haben sehr positiv reagiert.“ Und die Schüler auf dieses neue Stück Freiheit sowieso. Aber warum sind es erst 35 und damit nur die Hälfte der hiesigen Grundschulen? „Wir sind noch lange nicht zufrieden“, stimmt Schulamtsleiter Schenk zu. Aber für manche Schulen komme die Teilnahme nicht in Frage, weiß sein Mitarbeiter Passauer, etwa weil es im Umfeld dieser Schulen so viel sonstigen Verkehr gebe, dass man den kleineren Kindern den Weg zu Fuß nicht zumuten wolle. Von Elternseite ist daher ein kostenloses ÖPNV-Ticket für Kinder ins Gespräch gebracht worden.

Dass die Verkehrssicherheit der Schulkinder ein hohes Niveau erreicht hat, kann Ulrich Sauter vom Polizeipräsidium belegen: Elf Schulwegunfälle im Jahr 2018 in Stuttgart, mit vier Schwer- und acht Leichtverletzten, seien zwar immer noch zuviel, aber bei insgesamt 5000 Grundschülern in der Stadt relativ wenig. Und ein Beweis für den Erfolg der Verkehrserziehung.

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