Denis und Mathias Kegreiß (von links) holen fast täglich Post aus dem Weihnachtsmann-Briefkasten vor ihrem Haus. Foto: Roberto Bulgrin

Matze und Denis Kegreiß haben vor ihrem Haus in Esslingen wieder ihren Santa-Mail-Briefkasten aufgestellt. Dort können Kinder Post an den Weihnachtsmann einwerfen.

Am Freitag hatten sie den knallroten Briefkasten im amerikanischen Stil wieder am Gartenzaun aufgestellt – und schon am Sonntagmorgen lag die erste Post für den Weihnachtsmann drin, berichten Mathias und Denis Kegreiß. Kein Wunder: Inzwischen ist die Aktion Santa Mail des Esslinger Ehepaares weit über die Region Stuttgart hinaus bekannt. Die ehrenamtlichen Helfer des Weihnachtsmannes rechnen bis zum 24. Dezember mit 250 bis 300 Briefen – nicht nur von Kindern. „Jeder einzelne wird beantwortet“, versprechen sie.

 

Angefangen hatte alles im Coronajahr 2020. „Uns taten die Nachbarkinder leid, die so wenig von der Weihnachtszeit hatten, weil vieles eingeschränkt oder untersagt war“, erzählt Denis Kegreiß. Gemeinschaft und Geborgenheit, das mache das Fest doch so besonders, schwärmt der 42-Jährige vom Zauber der Weihnacht. „Für uns ist das die schönste Zeit im Jahr.“ Was unschwer auch für jedermann zu erkennen ist: Der Vorgarten ihres Hauses in der Magdeburger Straße ist über und über dekoriert mit Weihnachtsfiguren und Lichterketten.

Die Briefe der Kinder an den Weihnachtsmann sind oft liebevoll gestaltet. Foto: Elke Hauptmann

Was schreiben die Esslinger dem Weihnachtsmann?

Ursprünglich sei es gar nicht um Geschenke gegangen, fügt Matze Kegreiß hinzu. „Wir wollten den Kindern einfach nur eine Freude bereiten, indem wir ihre Fragen an den Weihnachtmann beantworten. Santa hat in der Vorweihnachtszeit ja immer selbst viel zu tun, deshalb übernehmen wir das für ihn.“ Was einfacher klingt, als es tatsächlich ist: Wie schnell ist der Rentierschlitten? Wenn es keinen Schornstein gibt, wie kommt der Weihnachtsmann dann ins Haus? Wie schafft er es, so viele Geschenke an einem Tag zu verteilen? Warum blinkt die Nase von Rentier Rudolph? „Da muss man sich etwas einfallen lassen“, sagt Denis Kegreiß lachend. „Gut, dass es das Internet gibt.“

Immer häufiger würden auch Erwachsene an Santa Mail schreiben. Senioren, die niemanden sonst zum Reden haben. Alleinerziehende Mütter, die von ihren Alltagssorgen berichten. Eltern, die sich schämen, weil sie ihren Kindern keinen Wunsch erfüllen können, da das Geld vorn und hinten nicht reicht. „Manchmal öffnet man einen Brief – und hält das ganze Leben eines Menschen in den Händen“, sagt Denis Kegreiß, den die Schicksale tief berühren. In Erinnerung geblieben ist zum Beispiel eine Familie, die in ärmlichsten Verhältnissen lebte. „Es gab nicht einmal ein Kinderbett.“ Das haben sie dann gekauft. „Die Freude darüber war riesig.“

Wenn die Not groß ist, organisieren die beiden Esslinger gerne kleine Hilfen, die sie teils aus eigener Tasche, teils über Spenden finanzieren. „Dieses Jahr spüren wir besonders viel Verzweiflung“, berichtet Denis Kegreiß. So hätten sie schon einige Briefe von Menschen erreicht, die sich einfach nur ein paar Lebensmittel für die Weihnachtsfeiertage wünschen,weil sie sich diese nicht mehr leisten können. „So etwas bedrückt uns sehr.“ Und dass sogar Kitaeinrichtungen um Papier und Stifte bitten, macht sie fassungslos. „Wir hätten nicht gedacht, dass da offenkundig ein Bedarf besteht.“

Briefe an Santa Mail in Esslingen: Kinderwünsche sind eher bescheiden

Die geäußerten Wünsche seien zum großen Teil eher bescheiden, findet Matze Kegreiß. Zwar stehe gelegentlich auch mal ein teures Handy oder eine Konsole auf dem Zettel, am häufigsten aber würden Spielzeug, Süßigkeiten und Bastelsachen genannt. Er zeigt auf ein paar liebevoll gestaltete Kinderbriefe, die vor ihm liegen: Der fünfjährige Francesco wünscht sich einen Lederfußball und einen Drachen von Lego, die zwölfjährige Mathilde Nerds Candy, Sticker und einen Rätselblock.

Das Haus von Mathias und Denis Kegreiß ist festlich dekoriert. Foto: Elke Hauptmann

Die verbleibenden Tage bis Weihnachten werden anstrengend für die beiden Esslinger, die dem Weihnachtsmann neben ihren Jobs als Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes Stuttgart und selbstständiger Grafikdesigner freiwillig unter die Arme greifen. Die Antwortbriefe müssen verfasst und zur Post gebracht werden. Es sind Geschenke zu kaufen und einzupacken, bevor sie am 24. Dezember von den Helfern des Weihnachtsmanns höchstpersönlich bei den Empfängern abgegeben werden. „Da sind wir den ganzen Tag unterwegs“, erzählt Matze Kegreiß. Der Lohn für die Mühe sind strahlende Kinderaugen und das Lächeln der Erwachsenen. „Das macht uns glücklich.“

Es gibt jedoch auch Wünsche, die können sie leider nicht erfüllen, räumt Denis Kegreiß ein. Zum Beispiel, dass Schnee zum Weihnachtsfest fällt, Oma und Opa noch lange leben, Mama und Papa sich wieder vertragen oder endlich Frieden in der Ukraine ist. Nicht gerade einfach, darauf die passenden Worte zu finden. Doch der Weihnachtsmann antwortet auf jeden Fall – und schickt über seine Esslinger Helfer allen ganz liebe Grüße vom Nordpol.