Aktion in Leinfelden-Echterdingen Flüchtlinge lernen den Umgang mit dem Netz

Von Natalie Kanter 

Gulizar Darwish und  Mohamad Othman aus Syrien haben sich mit ihren Kindern Tipps von einem Medienpädagogen geholt. Foto: N. Kanter
Gulizar Darwish und Mohamad Othman aus Syrien haben sich mit ihren Kindern Tipps von einem Medienpädagogen geholt. Foto: N. Kanter

Ein Medienpädagoge liefert Flüchtlingsfamilien Tipps, wo sie sinnvolle und kostenlose Apps finden und welche Seiten für ihre Kinder sicher sind.

Echterdingen - Samstagmittag in Echterdingen: Draußen sticht die Sonne vom Himmel. In den Räumen des Rock-Business-Centers an der Humboldtstraße fließt auch ohne viel Bewegung der Schweiß. Vier Flüchtlingsfamilien versuchen, trotz der Hitze etwas über den sicheren Umgang mit dem Internet zu lernen.

An einem von vier Tischen sitzt das Ehepaar Gulizar Darwish und Mohamad Othman mit ihren vier Kindern. Die syrische-kurdische Familie, die aus Aleppo nach Deutschland geflohen ist, schaut sich Seiten im Internet an. Die Eltern blättern durch Infomaterial, das auch in arabischer Schrift vorliegt. Der Nachwuchs bastelt sich einen Würfel, auf denen die Adressen von wertvollen Internetseiten für Kinder abgedruckt sind.

Ziel der Initiative ist, die Medienkompetenz von Kindern zu stärken

„Wir wollen ein Gefühl dafür bekommen, was gut und sicher ist für unsere Kinder“, sagt Mohamad Othman auf Arabisch. Eine Übersetzerin hilft bei der Verständigung. Die Familie will lernen, wo sie sich kostenlose und vor allem sinnvolle Apps herunterladen kann.

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg hat das Seminar in Zusammenarbeit mit der örtlichen Flüchtlingshelfergruppe Arbeit und Integration organisiert. Es unterstützt Eltern im Rahmen der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg. Die Ziel der Initiative ist, die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Land zu stärken.

Zeitung, Computer, Fernsehen, Handy: Wer nutzt daheim welches Medium und wie oft? Was ist ein sicheres Passwort? Welches Bild kann man ins Internet stellen? Welche guten Seiten für Kinder im Netz gibt es überhaupt? Der Medienpädagoge Frank Wagner beantwortet viele Fragen und bietet den Teilnehmern unterschiedliche Aufgaben an. Es wird auch fotografiert. Apps für die Schule werden angeboten.

In Syrien sind viele Internetzugänge gesperrt

Immer wieder klatscht der Seminarleiter in die Hände. Dann wissen die Familien, dass sie sich an den nächsten Tisch setzen sollen, dass nun eine neue Aufgabe ansteht. „Die wichtigste Regel für die Mediennutzung daheim ist, dass es Regeln gibt“, sagt er. Und: „Eltern sollten Vorbilder sein.“ Also beispielsweise beim Essen das Handy zur Seite legen und nicht selber ständig vor dem Gerät hängen. „Wir wollen zunächst ein Bewusstsein für einen sensiblen Umgang mit Internet und Co. schaffen“, sagt er. Die Familien kommen zu dem Thema zumindest ins Gespräch.

Monika Heilmann, die Leiterin der örtlichen Flüchtlingshelfergruppe Arbeit und Integration, hat das Projekt in Echterdingen angestoßen und die Familien auf eine Teilnahme angesprochen. „Die Frauen kenne ich von unserem Frauentreff am Montag“, sagt sie. Ein sicherer Umgang mit den Medien sei auch für Deutsche wichtig. Ein internetfähiges Mobiltelefon zu haben, gelte unter der Schülern als Statussymbol. Für die Zuwanderer bedeute ein Smartphone zudem die Möglichkeit, die Verbindung in die alte Heimat zu halten. Aber: „In Syrien hat Assad viele Internetzugänge gesperrt, in Deutschland ist alles offen.“ Daher sei es insbesondere für Flüchtlingsfamilien wichtig, den richtigen Umgang mit der Flut an Informationen in den Medien zu lernen.

So bewegt sich der Nachwuchs sicher im Netz

Zu den Teilnehmern des Seminars gehört auch die Familie von Najeeb Mousa. Zwei seiner drei Kinder haben bereits ein Smartphone. Auch er will lernen, was gut und was schlecht für den Nachwuchs ist.

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Land zu stärken. Partner sind hierbei die Landesanstalt für Kommunikation, der SWR, das Landesmedienzentrum, die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, die Aktion Jugendschutz und der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger.

Unter www.blinde.kuh.de finden Kinder Nachrichten, Spiele und mehr. Die Seite www.fragfinn.de ist eine weitere Suchmaschine im Netz für Kinder. Der SWR bietet die Seite www.kindernetz.de an. Tipps, wie der Nachwuchs das Netz sicher und kompetent nutzt, findet man auch unter www.internet-abc.de http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.projekt-in-der-ostheimer-schule-kinder-erzaehlen-ihre-flucht-in-trickfilmen.9e6f7bf3-436f-4dab-b742-0de775ff73dc.html http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.neuer-stadtjugendreferent-in-filderstadt-zur-naehe-an-der-jugend-gezwungen.4fb1bd72-ec99-4f34-a5c7-087e71f6d545.html http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nichts-fuer-kinder-medienexperten-warnen-vor-dschungelcamp-und-co.00ba57f5-9137-4a1e-bf6b-299650304d7a.html

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