Ralf Liebrecht, Geschäftsführer des Vereins Initiative Sicherer Landkreis, drückt einer Passantin einen Taschenalarm in die Hand. Die Verteilaktion haben die Stadt Göppingen, der Verein und das Polizeipräsidium Ulm gemeinsam auf die Beine gestellt. Foto: Tilman Ehrcke

Polizei, Stadt Göppingen und der Verein Initiative Sicherer Landkreis Göppingen haben eine Aktion gestartet, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu verbessern.

„Jetzt fühle ich mich sicherer“, sagt die 70 Jahre alte Frau und strahlt. Sie sei viel mit dem Zug unterwegs und stellt fest, dass die Stimmung in der Bahn immer aggressiver werde. „Die armen Schaffner, was die alles erleben“, sagt sie. Nach einer kurzen Einweisung durch den Ersten Bürgermeister der Stadt Göppingen, Johannes Heberle, steckt sie den kleinen, handlichen Taschenalarm ein und geht zum Bahnsteig.

 

Diese Woche haben Polizeipräsidium Ulm, der Verein Initiative Sicherer Landkreis Göppingen sowie die Stadt Göppingen eine Aktion auf dem Bahnhofsvorplatz gestartet. Zum einen war die Polizei mit der „Mobilen Wache“ vor Ort. Gleichzeitig verteilte die Stadt gemeinsam mit dem Verein Taschenalarme. Hintergrund sind unter anderem die Ergebnisse des im vergangenen Sommer erhobenen Sicherheitsaudits im Zuge des „Masterplan Sicherheit in Göppingen“.

„Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung ernst und arbeiten dabei eng mit der Polizei zusammen.“

Johannes Heberle, Erster Bürgermeister

„Wir nehmen die Sorgen unserer Bevölkerung sehr ernst und arbeiten dabei eng mit der Polizei vor Ort zusammen“, sagt der Erste Bürgermeister. „Die heutige Aktion ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag im Rahmen des Projekts und soll dazu beitragen, den Menschen etwas Konkretes an die Hand zu geben, um ihr Sicherheitsgefühl spürbar zu stärken“, fügt Heberle hinzu. 1000 Taschenalarme seien zunächst gekauft worden, „das ist ein erster Aufschlag, bei Bedarf können wir noch welche nachfordern“, sagt Wolfram Bosch, der Leiter des Göppinger Polizeireviers. Sie werden bei Aktionen wie diesen verteilt, sind aber auch im Ordnungsamt der Stadt Göppingen zu haben.

Akustischer Alarm und ein Lichtsignal

Die kleinen Helfer, die im besten Fall potenzielle Täter durch das akustische Signal abschrecken und unbeteiligte Passanten auf eine eventuell bedrohliche Lage aufmerksam machen sollen, können eine Lautstärke von 80 Dezibel erreichen. Heberle führt die Handhabung vor: Wenn man den Sicherheitsstift zieht, wird der Alarm aktiviert. Per Knopfdruck kann zusätzlich eine Taschenlampe für Licht sorgen. Gesponsert hat die kleinen Geräte die Initiative Sicherer Landkreis. „Der Verein ist ein verlässlicher Partner beim Thema Prävention“, sagt der Erste Bürgermeister. Der Geschäftsführer des Vereins, Ralf Liebrecht, war mit der Aktion zufrieden. Nach rund einer Stunde seien bereits etwa 30 Taschenalarme an die Frau gebracht worden. „Wir sprechen die Leute gezielt an“, sagt er.

Polizisten suchen das Gespräch

Die „Mobile Wache“ der Polizei war an diesem Nachmittag ebenfalls mit von der Partie. Es geht in erster Linie darum, das Gespräch mit Passanten zu suchen, die Polizei solle sichtbar und ansprechbar sein, sagt der Göppinger Revierleiter. Was nicht heißt, dass man bei der mobilen Dienststelle nicht auch Anzeige erstatten kann. Zum ersten Mal war das speziell ausgestattete Fahrzeug zum Auftakt des Weinfests im vergangenen Herbst im Einsatz. Die subjektive Wahrnehmung und die objektive Lage in puncto Kriminalität klafften immer weiter auseinander, sagte seinerzeit der Göppinger Revierchef. Mit der „Mobilen Wache“ will man hier gegensteuern, in der Innenstadt Präsenz zeigen und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken, sagt Wolfram Bosch – „neben unseren intensiven Präsenz- und Kontrollmaßnahmen“. Im Fokus habe die Polizei dabei besonders den Bahnhof und den ZOB.

Johannes Heberle verdeutlicht, dass die Stadt Göppingen ein ganzes Paket an Projekten geschnürt habe, um das Bedürfnis nach mehr Sicherheit zu stärken. Dazu zählten unter anderem Bürgerdialoge oder Erkundungsspaziergänge, bei denen man ganz bewusst den Lebensraum bestimmter Zielgruppen abläuft und nach Verbesserungsmöglichkeiten abklopft. „Manchmal geht es einfach auch um kleine Dinge wie eine zusätzliche Beleuchtung, einen neuen Mülleimer oder einen kaputten Pflasterstein“, macht Heberle deutlich. Ganz von vorn müsse die Stadt aber nicht anfangen. Das Gutachten, das im Rahmen des „Masterplans Sicherheit“ erstellt wurde, zeige: „Die Stadt macht schon ganz viel.“

Bürgerbeschwerden und eine schwere Straftat

Sicherheit
Das Thema Sicherheit in Göppingen ist in den vergangenen Jahren immer präsenter geworden – sei es durch sich häufende Bürgerbeschwerden, Fraktionsanfragen, Haushaltsanträge sowie eigene städtische Auswertungen. So hat die Stadt reagiert und das Projekt „Masterplan Sicherheit in Göppingen“ ins Leben gerufen.

Straftat
Nicht zuletzt hatten Aufsehen erregende Straftaten wie die Schüsse in einer Bar in der Gartenstraße die Stadt erschüttert. Am 2. Oktober 2024 hatte der Täter sein Opfer mit einer Maschinenpistole regelrecht hingerichtet.