Aktion fürs Blaue haus im Stuttgarter Norden Zu Fuß tausend Kilometer durch Spanien

Von Eva Funke 

Zu schwer? Probehalber hat Julia Zimmermann  ihren  Rucksack  gepackt. Foto: Eva Funke
Zu schwer? Probehalber hat Julia Zimmermann ihren Rucksack gepackt. Foto: Eva Funke

Julia Zimmermann geht für krebskranke Kinder auf Pilgerschaft und wandert auf dem Jakobseweg von Sevilla bis nach Santiago de Compostela.

S-Nord - Am liebsten würde sie sofort los laufen. Lang bis zum Start warten muss Julia Zimmermann aber auch nicht mehr. Am Donnerstag, 30. August, fliegt die 28-Jährige nach Sevilla. Und am nächsten Morgen geht es in aller Herrgottsfrühe los: Die Stuttgarter Polizistin will in Spanien den Jakobsweg von Sevilla bis nach Santiago de Compostela gehen: 1000 Kilometer bei 36 bis 42 Grad. Die Strapazen nimmt die 28-Jährige nicht nur zum Spaß auf sich: Mit jedem Kilometer, den sie pilgert, will sie krebskranken Kindern und deren Familien helfen und mit ihrer Aktion „You can help“ zum Spenden anregen: Mit 25 Euro pro Kilometer können Privatleute, Firmen und Vereine eine Kilometerpatenschaft übernehmen. Zimmermann hofft, dass so bei 1000 Kilometern 25 000 Euro zusammenkommen. Da die junge Frau und ihre Projektpartnerin Theres Günther (29) die Werbekosten, wie T-Shirts, Flyer und die Wanderausrüstung aus eigener Tasche finanzieren, gehen die Spenden ohne Abzüge an den Förderkreiskrebskranke Kinder e. V. mit Sitz im Stuttgarter Norden, .

Gefördert werden sollen mit dem Geld drei Projekte: Das Blaue Haus im Herdweg 15, das den Familien von jungen Krebspatienten aus der Region während deren Klinikaufenthalt ein Zuhause in Krankenhausnähe bietet. Zum anderen eine Delfintherapie in der Türkei für Vivien. Vor fünf Jahren wurde bei der 11-Jährigen eine seltene Form von Leukämie diagnostiziert. Nach der Chemotherapie wäre sie auf Grund von Komplikationen fast gestorben. Eine Delfin- und Physiotherapie in der Türkei soll dem Kind helfen, ins Leben zurückzufinden. Und schließlich soll eine Stelle für eine Theatertherapeutin im Olgahospital, die nicht von den Krankenkassen bezahlt wird, mit finanziert werden.

Die Oma gab den Impuls für die Aktion

Auf die Idee für die Aktion kam die Polizistin, die als Betrugsermittlerin arbeitet, durch das Zusammensein mit ihrer Oma: „Wir laufen nicht allein durchs Leben, sondern für und miteinander. Und viele kleine Schritte führen zum Ziel. Man muss sie nur gehen“: Diese Erkenntnis hat sie von ihrer 86-jährigen Oma. Damit die vielen Schritte, die sie bis nach Santiago de Compostela gehen muss, nicht allzu quälend werden, hat sie sich einen ultraleichten Rucksack gekauft. Der wiegt statt der üblichen 1,5 Kilo nur 600 Gramm. Mehr als 10 Kilo darf er auch in gepacktem Zustand nicht wiegen. Die Hälfte davon ist für die fünf Liter Wasser reserviert, die sie täglich mit schleppen muss. Trainiert hat sie für den Marsch im Fitnessstudio an Bein- und Rückenmaschine. Und als leidenschaftliche Wandersfrau ist die 28-Jährige bereits mehrer Wege mit 250 bis 450 Kilometern gepilgert. „Tausend Kilometer sind aber schon eine andere Herausforderung“, räumt sie ein.

Die ersten ersten 200 Kilometer von Sevilla nach Merida werden vermutlich am härtesten: „Kein Baum, kein Busch und unter sengender Sonne durchs Hitzeloch“, sagt Zimmermann. Los geht es deshalb bereits um 4 Uhr morgens mit Stirnlampe. Pro Tag will die Stuttgarterin vier bis acht Stunden und durchschnittlich etwa 30 Kilometer pro Tag zurücklegen. „Manche Etappen werden nur 20, andere dafür wieder 35 Kilometerlang sein. Das hängt davon ab, wo eine Unterkunft ist“. Und es wird ein einsamer Weg werden: Zimmermann geht alleine los, und der Weg, die Via de la Plata, ist einsam: Höchstens sechs Pilgern begegnet man pro Tag. Nur die letzten 100 Kilometer wird sie von Theres Günther begleitet. Der 800 Kilometer lange Camino Francés, der in Frankreich beginnt und den der Schauspieler Hape Kerkeling gepilgert ist, ist wesentlich bekannter und der am häufigsten begangene Jakobsweg. .

Ob sie keine Angst hat, den weiten Weg ganz allein zu gehen? „Überhaupt nicht“, sagt sie. Ihre einzige Sorge ist, dass ihrer Oma in dieser Zeit etwas passieren könnte. Immerhin ist sie rund sieben Wochen unterwegs. 36 reine Pilgertage hat sie eingeplant plus vier bis sieben Ruhetage. Dafür hat Julia Zimmermann ihren gesamten Jahresurlaub genommen. „Die Kollegen stehen hinter mir und ermöglichen das.“ Am Rucksack hängt natürlich auch die Spendendose für ihre Aktion „You can help“, damit alle, denen sie begegnet, spenden können.

Redaktion Stuttgart-Nord

Ansprechpartnerin
Dr. Eva Funke
s-nord@stz.zgs.de

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