Die Mitglieder des Jugendrats beweisen als Stuttgi-Gartenzwerge ihren grünen Daumen beim Bepflanzen der Baumbeete Foto: Martin Stollberg

Der Jugendrat hat verwahrloste Beete im Stadtbezirk bepflanzt. Jetzt hoffen die Stuggi-Gartenzwerge auf Unterstützung durch die Anwohner.

S-Süd - Erde spritzt auf, als der Junge die Hacke in den Boden schlägt. Plötzlich hält er inne: „Stopp, da ist ein Regenwurm!“ „Der ist tot“, meint ein Mädchen. „Nein, er lebt noch“, freut sich ihre Freundin und versucht behutsam, das Tier aufzuheben. Passanten in der Böblinger Straße bietet sich an diesem Samstagmorgen ein seltsames Bild. Rund um eine verwahrloste Grünfläche zwischen Marienplatz und Tannenstraße schwirren Jugendliche mit Hacken und Schaufeln herum.

„Wir haben uns am sogenannten Guerilla Gardening orientiert, das darauf abzielt, schnell und heimlich Grünflächen im Stadtgebiet zu verschönern“, meint der Sprecher des Jugendrats, Jonas Burgstahler. „Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt ist aber über unsere Aktion informiert.“ Zum Startschuss haben sich die Jugendlichen einheitliche weiße T-Shirts mit der Aufschrift „Stuggis Gartenzwerge“ und einem kleinen Fernsehturm als Motiv bedrucken lassen. „Wir bezeichnen uns als Stuggi-Gartenzwerge, weil wir uns als ein kleines Kommando sehen, das etwas erreichen kann“, meint Selma Georgi, die stellvertretende Sprecherin. „Auf weißen T-Shirts sieht man hinterher viel mehr die Arbeit, die wir geleistet haben“, lacht Jonas Burgstahler.

Das Budget reicht für vier Beete

Die Bepflanzung des zwischen parkenden Autos gelegenen kleinen Baumbeets gestaltet sich schwierig, denn der Boden ist sehr fest. Es dauert deshalb einige Zeit, bis die Hobbygärtner die Erde austauschen können. Vier Beete wollen sie zunächst in Angriff nehmen. „Für mehr Grünflächen hat unser Budget diesmal leider nicht gereicht“, bedauert Jonas Burgstahler. „Wir hoffen aber auf Spender, die unsere Arbeit unterstützen.“

Denn mit der ersten Begrünung sei die Aktion noch nicht beendet. „Wir bringen auf den Grünflächen Schilder an. Das Ziel soll sein, damit Bürger zu erreichen, die hier eigene Pflanzen anbauen“, erklärt der Sprecher. Der Jugendrat hat dabei schon einiges an Vorarbeit geleistet. Eine Sonnenblume pro Beet, Lavendel, Salbei, japanisches Efeu und sogar Edelweiß sollen die Grünflächen verschönern. „Es wäre toll, wenn die Anwohner nun die Patenschaft für die Grünflächen vor ihrer Haustür übernehmen würden“, sagt Bezirksvorsteher Rupert Kellermann. Auch Wolfgang Jaworek, der Fraktionssprecher der Grünen im Bezirksbeirat, hofft auf ein höheres Verantwortungsbewusstsein der Bürger für ihre Umwelt: „Ich finde es schade, dass in Stuttgart die Grünflächen immer sehr billig bepflanzt sind. Wenn da Blumen drinstehen würden, wäre die Hemmschwelle für Hundebesitzer viel größer, ihren Hund dort rein machen zu lassen.“

Seedbombs sollen den Süden aufblühen lassen

Um mehr solcher Aktionen durchführen zu können, will der Jugendrat Süd an seinem Stand auf dem Heusteigviertelfest am 30. Juni Seedbombs verkaufen. „Seedbombs sind kleine, mit Samen gefüllte Kugeln, die man in die Erde setzt und die im Garten unheimlich schnell Pflanzen wachsen lassen“, erklärt Selma Georgi.

Otto Müller vom Württembergischen Gärtnereiverband berät die Hobbygärtner beim Bepflanzen der Beete: „Es wäre schön, wenn so etwas häufiger vorkommen würde. Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt hat einfach nicht die Ressourcen, um sich um jede Grünfläche in der Stadt zu kümmern. Deshalb finde ich es toll, wenn sich junge Leute so engagieren.“

Jugendratsmitglied Dilana Bas ist extra schon um sieben Uhr aufgestanden, um alles für die Begrünung vorzubereiten. „Es soll hier im Stadtgebiet einfach bunter und schöner werden“, meint sie. Einen ersten Schritt dazu leisten die Stuggi-Gartenzwerge. Und auch der gerettete Regenwurm schlängelt sich langsam wieder zurück in die frisch bepflanzte Erde.

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