Gruppen lassen sich zum Picknick auf der Bundesstraße nieder. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das Bündnis Stuttgart Ökologisch Sozial hat zu einem Picknick auf der Bundesstraße 14 geladen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club legt eine temporäre Radspur aus.

Stuttgart - Thomas Schäfer dreht eine Runde auf der Bundesstraße 14. Er tritt in die Pedale, während er mit seinem Fahrrad einen 50 Meter langen Streifen aus Kunststoff entlangfährt. Er dreht wieder um, als der Asphalt beginnt, und erlaubt sich auf dem Rückweg ein paar Schlenker. Schäfer steigt mit einem vergnügten Grinsen vom Rad. „Es ist immer eine Wohltat, auf einer Straße zu fahren, wo sonst eigentlich nur Autos unterwegs sind“, sagt Schäfer. Den Spaß hat er der Stuttgarter Sektion des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) zu verdanken. Der ADFC hat den Streifen als temporäre Fahrradspur ausgelegt, weil der Abschnitt der Bundesstraße 14 vor der Leonhardskirche in der City für ein vom Bündnis Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS) angemeldetes Picknick ohnehin gesperrt ist.

Dem Stuttgarter ADFC-Vorsitzenden Cornelius Gruner zufolge geht es darum, ein Zeichen für eine andere Mobilität in der Stadt zu setzen. „Wir wollen zeigen, wie ein Radfahrstreifen auf beiden Seiten der B 14 aussehen könnte“, sagt er. Gruner erregt sich darüber, wenn einige eine Route für Fahrradfahrer als ein Hindernis für einen fließenden Autoverkehr in der Innenstadt beschreiben. „Wenn es irgendwo Baustellen gibt, wird auch mal eine Spur gesperrt“, meint er. Das führe auch nicht zu Chaos auf den Straßen.

Besucher bringen Essen mit

Gruppen mit mitgebrachtem Essen und Trinken auf Matten machen es sich jenseits des temporären Radfahrstreifens auf dem gesperrten Abschnitt der Bundesstraße bequem. Ein DJ beschallt das Picknick mit französischen Chansons. Édith Piaf singt: „Non, je ne regrette rien“, während Hannes Rockenbauch, Stadtrat von SÖS, Hände schüttelt.

Rockenbauch kündigt weitere Aktion an

Auch Rockenbauch spricht von einem Zeichen für eine andere Verkehrspolitik, das SÖS mit dem Picknick setzen wolle. Der Kommunalpolitiker rechnet mit 200 bis 300 Teilnehmern an der Veranstaltung. Mit der Verwaltung gebe es manchen Strauß auszufechten, damit das Picknick auch in der von dem Bündnis gewünschten Form über die Bühne gehen kann. „Wir wollen am autofreien Sonntag am 22. September wieder auf der B 14 ein Picknick veranstalten. Aber ausgerechnet an diesem Tag soll die B 14 für den Autoverkehr offen bleiben“, sagt Rockenbauch. Das empfände er als widersinnig, meint der Politiker.

Der Picknickbesucher Levin Neumann ist derweil damit beschäftigt, einen Grill auf der Matte aufzubauen. Er habe große Zweifel, dass in Stuttgart eine Verkehrswende weg vom Automobil und hin zu mehr Radverkehr wirklich vorankommt. „Ich fresse meinen Hut, wenn es wirklich einmal Radfahrstreifen an der B 14 gibt“, meint er. Seine Freund nicken und beantworten die Frage, ob sie ein eigenes Auto besitzen, mit Nein. Ausgerechnet Neumann, der Skeptiker in Sachen Stuttgarter Verkehrswende, gibt sich als Autofahrer zu erkennen. Er sei beruflich auf sein Fahrzeug angewiesen, meint er. „Ich bin aber gerne bereit, auf mein Auto zu verzichten, wenn es ausreichend Alternativen gibt“, sagt er. Hinter dem Anliegen von SÖS und ADFC stünde er auch als Autofahrer, meint er.

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