Oftmals versperren Autos und Elterntaxis Kindern auf dem Schulweg die Sicht – und werden so zur Gefahr. Foto: privat

Eine Auswertung der Meldungen von Bürgern zeigt, welche Orte auf Schulwegen in Leonberg besonders gefährlich sind. Was diese so gefährlich macht und welche Konsequenzen die Stadt nun zieht.

Ob parkende Autos, fehlende Überwege oder rasende Autofahrer: Gerade für Grundschüler und Grundschülerinnen birgt der Schulweg einige Gefahren. Eine Auswertung der gemeldeten Gefahrenstellen zeigt, dass besonders die Innenstadt, Eltingen und Höfingen betroffen sind.

 

Eltern und Bürger konnten im Rahmen einer Aktion der Stuttgarter Zeitung/Nachrichten und Correctiv gefährliche Orte auf dem Schulweg auf einer Karte eintragen. Insgesamt kamen so 82 Meldungen aus dem Leonberger Verbreitungsgebiet zusammen, 66 davon aus Leonberg. In der folgenden Karte finden Sie die von Eltern und Anwohnern markierten gefährlichen Stellen auf den Schulwegen:

Die meisten Meldungen zu gefährlichen Stellen kamen von den Schulwegen zur Spitalschule, gefolgt von der Schellingschule und der Mörikeschule.

Spitalschule: Schmale Gehwege, Raser und fehlende Überwege

Auf dem Schulweg vieler Kinder in die Spitalschule in der Leonberger Altstadt liegen die stark befahrene Grabenstraße und die Stuttgarter Straße. An der Kreuzung dieser Straßen sei der Gehweg an der Ampel so eng, dass sich die Kinder dort regelrecht „drängen“ müssten – wo sich zur Rushhour ohnehin schon der Berufsverkehr durch die Stadt drückt.

Am Übergang in den Zwinger fehle der Gehweg gänzlich, kritisiert eine Mutter. „Da müssen Kinder ohne Markierung über die Straße, der Gehweg beginnt erst später. Und ein Überweg fehlt auch.“ Die würden auf dem Weg zur Spitalschule auch im Wohngebiet am Engelberg fehlen bemerkt ein Elternteil.

Oder dort, wo sich Graben- und Seestraße kreuzen, wie die Elternbeiratsvorsitzende Marita Raschke weiß: „Es gibt einen Fußgängerüberweg mit Ampel, aber auf der steilen Grabenstraße staut sich der Verkehr oft weit zurück.“ Sobald die Grabenstraße frei werde, würden sie nicht mehr auf die dann ebenfalls grüne Fußgängerampel achten. „Die befindet sich für die Autofahrer vor der Kurve und ist für Autos, die in der Kurve stehen, nicht einsehbar.“

Entlang der Strohgäustraße etwas weiter nördlich gebe es Zebrastreifen, die jedoch wenig bringen würde: „Dort wird nicht gehalten und weil die Straße recht breit ist und es in Fahrtrichtung Höfingen auch bergab geht, verleitet dies Autofahrer dazu, auf der Strohgäustraße zu schnell zu fahren“, bemängelt Raschke. Sie schlägt vor, auf der Strohgäustraße Tempo 30 einzurichten oder Fahrbahnschwellen vor den Zebrastreifen zu errichten.

Die breite Strohgäustraße lädt zum schnelleren Fahren ein. Foto: privat

Die Hintere Straße ist eine Fußgängerzone. Der Leonberger Nico Zweigle bemängelt, dass sie als Umgehungsstraße genutzt und dort zu schnell gefahren werde. Etwas weiter südlich, wo sich Grabenstraße, Bahnhofstraße und Seestraße kreuzen, berichten mehrere Eltern von Autos, die über Rot fahren oder die Fußgängerampel missachten. Oftmals staue es sich außerdem bis an den Überweg, wodurch Autos mitten darauf stehen und die Kinder zwischen diesen über die Straße laufen müssten. Einer weiteren Teilnehmerin zufolge liege das Problem darin, dass „zu viel Verkehr durch die Stadt fließe.

Schellingschule: Verkehr, fehlende Überwege und Schlaglöcher

Zur Schellingschule in der Leonberger Innenstadt führt die Grabenstraße. Auf Höhe des Margarethe-Stingele-Weg sei dort der Bordstein abgesenkt, weshalb oftmals Autos parken, die dann zum Verkehrshindernis würden.

Auf dem Gehweg parkende Autos können dazu führen, dass Kinder auf die Straße ausweichen. Foto: privat

Oberhalb der Schule sei es zudem rund um die Bahnhofstraße gefährlich. An der Kreuzung mit der Lindenstraße und an der Kreuzung mit der Rutesheimer Straße müssen Kinder die Kreuzung mehrmals überqueren: „Die Autos kommen dort aus mehreren Richtungen und übersehen Fußgänger“, berichtet ein Elternteil. Dass die Bahnhofstraße neben der Römerstraße einer der gefährlichsten Orte für Radfahrer und Fußgänger ist, zeigt auch eine Analyse der Unfallstatistik des Statistischen Landesamtes.

Daniel Deutsch zufolge sei der Radweg an der Kreuzung von Römer- und Steinstraße schlecht einsehbar. Der Radweg verfüge über ein Vorfahrt-Gewähren-Schild, das niemandem auffalle. „Im Mai 2024 hatte mein Sohn dort einen Unfall und wurde von einem Auto angefahren. Ihm war die Vorfahrtssituation nicht bewusst.“ Dort müsse eine versetzte Barriere gesetzt werden, die die Radfahrer am Durchfahren hindert und zudem müsse die Sicht verbessert werden.

Verena Zeller verweist darauf, wie gefährlich das Radfahren für Kinder in der Stein- und Fichtestraße sei: „Die Straßen sind eng, zugeparkt und die Autos drücken sich an Engstellen an den Kindern vorbei.“ Auf der Fichtestraße gebe es zudem große Schlaglöcher, wodurch junge Radfahrer stürzen könnten. „Dabei möchte man doch, dass die Kinder nicht mit dem Auto zur Schule kommen.“ Und auch beim Fußweg am Reiterstadion an der Fichtestraße fehle es an einem Zebrastreifen. Dort parken in Kreuzungsnähe trotz Verboten in Form von Zickzack-Linien immer wieder Autos, wodurch die Kinder nur schwer über die Straße kommen.

Mörikeschule: Elterntaxis, Raser und fehlende Überwege

Rund um die Eduard-Mörike-Schule in Eltingen bemängeln Eltern, dass Elterntaxis auf dem Gehweg parken und den Schulweg versperren würden. Dadurch müssten die Kinder auf die Straße ausweichen, wo auch der Bus fahre. Mehrere Eltern fordern daher, dass das Ordnungsamt dort stärker kontrollieren sollte.

Autos wie hier an der Mörikeschule versperren Kindern die Sicht. Foto: privat

Mehrere von ihnen geben zudem an, dass ein sicherer Überweg für die Schulkinder fehle – vor der Mörikeschule oder weiter südlich auf dem Schulweg beim Sportgelände, wo sich die Bruckenbachstraße und Im Brühl kreuzen.

An den Zebrastreifen in der Bismarckstraße und in der Hindenburgstraße, wo die Mörikeschule liegt, werde nicht gehalten. „Das ist eine 30er-Zone mit Stoppschildern und zwei Zebrastreifen“, sagt Anja Denzler, eine weitere Teilnehmerin und Mutter eines Schulkinds. „Aber die Autos fahren zu schnell, oft fahren sie mit 50 oder 60 Stundenkilometern durch.“ Und schlägt daher vor, Fahrbahnschwellen an den Zebrastreifen zu errichten oder einen Blitzer aufzustellen.

Grundschule in Höfingen und Warmbronn: Baustelle und viel Verkehr

In Höfingen wurde durch die Baustelle an der Hauptstraße der Verkehr in die Goldäckerstraße, Sonnenstraße und Lachentorstraße verlagert, was das Elterntaxi-Problem und parkende Autos verschlimmern würden. „Wegen der noch bis nächstes Jahr andauernden Sperrung der Hauptstraße und der damit verbundenen Umleitung sind die Schüler gefährdet“, sagt beispielsweise Stefanie Rose. Eine Anwohnerin fügt hinzu: „Schulkinder haben größte Mühe, im Trubel der parkenden und fahrenden Autos die Straße zu überqueren. Autos weichen auf die Gehwege aus.“

Mehrere Eltern fordern daher, die Geschwindigkeit mit Zebrastreifen, Pollern oder Fahrbahnschwellen zu begrenzen. Die Stadt Leonberg wisse um die Problematik, sagt Rose. Eine Einbahnstraße in der Sonnenstraße und an der Schule wurde eingerichtet. „Leider gibt es aber noch keine sicheren Querungsmöglichkeiten“, kritisiert sie.

Auf dem Schulweg zur Grundschule im Ortsteil Warmbronn bemängeln Eltern den vielen Verkehr. Entlang der Hauptstraße würde zu schnell gefahren werden, Busse und Lkw außerdem zu dicht am Bordstein fahren. Der Zebrastreifen am Maisgraben werde von Autofahrern entweder nicht gesehen oder nicht beachtet. Ein Elternteil merkt an, dass der Gehweg dort zu schmal sei.

Stadt prüft Stellen und will weitere Überwege errichten

Grundsätzlich seien die genannten Stellen unauffällig, was Unfälle angehe, sagt Sebastian Küster, Pressesprecher der Stadtverwaltung Leonberg, auf Nachfrage und beruft sich auf eine Abfrage bei der Polizei. „Die Stadt Leonberg nimmt die Sorgen der Eltern sehr ernst“, sagt er weiter. Man werde die angesprochenen Standorte mit den zuständigen Fachämtern auf mögliche Verbesserungen hin überprüfen.

Die Verkehrsregeln müssten allerdings von allen Verkehrsteilnehmenden eingehalten werden. Elterntaxis seien Teil des Problems. Daher kontrolliere der Gemeindevollzugsdienst regelmäßig an wichtigen Stellen. Man nehme die Rückmeldungen zum Anlass, um die Standorte und Zeiten von Kontrollen bei Bedarf anzupassen.

Außerdem plane die Stadt für 2025 den Bau von Fußgängerüberwegen und einer Mittelinsel in der stark befahrenen Stuttgarter Straße. Und auch in Höfingen seien an verschiedenen Stellen zusätzliche, sichere Überquerungsmöglichkeiten vorgesehen. Man sei sich auch der Herausforderungen wegen der Baustelle in Höfingen bewusst und „arbeite aktiv an Lösungen, um die Situation zu verbessern.“

Projekt „Achtung, Schulweg!“

Aktion
In Kooperation mit dem Recherchenetzwerk Correctiv wollten wir wissen, wie sicher die Schulwege in Stuttgart und im Kreis Böblingen sind. Über ein einfaches Online-Tool konnten Sie Gefahrenstellen dokumentieren. Das Ziel des Projekts ist es, Gefährdungen von Schülern zu reduzieren.

Übersicht
Hier finden Sie die Karte mit den Gefahrenstellen sowie jegliche Artikel, die sich mit verschiedenen Schulweg-Themen befassen.