Unsere Börsenexperten blicken auf die kommende Woche. Heute: Die Aktienkurse der deutschen Autohersteller sind weit von ihren Höchstständen entfernt. Das ist nicht zwingend eine gute Einstiegsgelegenheit, meint Matthias Schiermeyer.
Wohin geht die Reise der deutschen Autohersteller an der Börse? Enttäuschende Zahlen haben die Tesla-Aktie vorige Woche auf Talfahrt geschickt und die Papiere von Mercedes, BMW & Co. in Mitleidenschaft gezogen. Deren Aktien rangieren ohnehin schon weit entfernt von ihren Höchstständen – Porsche ist sogar nah am Tiefststand.
Auch für 2024 ist der Ausblick wenig verheißungsvoll. Nach dem abrupten Aus für den Umweltbonus schwächelt die Nachfrage nach Elektroautos. Die Hersteller reagieren mit hohen Rabatten als Ersatz. Da beginnt ein Preiskrieg, der massiv auf die Margen durchschlagen könnte und die dringenden Investitionen in die Transformation nicht erleichtert.
Zudem macht der Wettbewerb mit hochsubventionierten chinesischen Herstellern bei der E-Mobilität verstärkt zu schaffen. Die Technologieführerschaft ist dahin, deutsche Marken werden teils abgehängt. Der Blick auf die Aktienstände bestätigt die Misere. Da ist für Anleger Vorsicht angesagt, wenn sie das günstige Einstiegsniveau nutzen wollen. Dass die Vorlage der Jahresbilanzen in den nächsten Wochen für Rückenwind sorgen wird, ist daher mit Skepsis zu betrachten.
LBBW: Erste Zinssenkung der EZB im Juni
Derweil werden die Aktienmärkte weiterhin von der Hoffnung auf sinkende Zinsen angetrieben. Insbesondere die Wall Street setzte in der vorigen Handelswoche ihren Rekordkurs fort. Auch KI-Werte haben dabei eine dominante Rolle gespielt. In Europa liegt der Ball im Spielfeld der Europäischen Zentralbank. Zwar habe die EZB am Donnerstag erneut nicht an der Zinsschraube gedreht, doch Christine Lagardes Abstieg vom Zinsgipfel rückt näher. „Im Juni steht die erste Zinssenkung an“, betont LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer. „Das ist seit Monaten unsere Prognose.“ Immerhin habe sein Team seit der Zinswende 2022 alle Zinsentscheidungen korrekt vorhergesagt.
Am Dienstag geht es um das Bruttoinlandsprodukt, das im vierten Quartal um 0,3 Prozent zum Vorquartal gesunken sein dürfte. Am Mittwoch gibt die US-Notenbank einen – wohl eher neutralen – Zinsausblick. Am Donnerstag sind die Verbraucherpreise im Euroraum ein Thema; erwartet wird ein Rückgang der Inflation auf 2,6 Prozent.