Jeder brennende Tanker in der Straße von Hormus lässt auch die Nervosität an den Börsen steigen (hier das thailändische Frachtschiff „Mayuree Naree“ nach einem Angriff). Foto: Uncredited/Royal Thai Navy via A

Vorschau auf die kommende Börsenwoche: Der Iran-Krieg zeigt einmal mehr die Verletzlichkeit der globalen Lieferketten.

Wer vor zwei Wochen noch gedacht hat, Europa sei kaum tangiert vom Angriff auf den Iran, der weiß es nun besser: Angesichts der globalen Vernetzung sind die Auswirkungen auch hierzulande spürbar – wegen der Ölpreisexplosion vor allem beim Tanken. Die Blockade der Meerenge von Hormus treibt nicht nur die Energiepreise hoch. Immer mehr zeichnet sich ab, dass erhöhte Frachtkosten durchschlagen – sogar Nahrungsmittel könnten teurer werden, sollte der Krieg noch einige Zeit anhalten.

 

Lieferkette der Chipherstellung gefährdet

Bisher schien der bilaterale Warenverkehr Deutschlands mit den arabischen Ländern überschaubar, nun zeigt der Rohstoffschock die Bedeutung der Golfregion auch für heimische Unternehmen, die auf funktionierende Lieferketten angewiesen sind. 40 Prozent des weltweit verfügbaren Heliumgases – ein unverzichtbarer Rohstoff in der Halbleiterindustrie – kommt aus Katar. Dort steht die Produktion, was die Chipindustrie in Bredouille bringen könnte. Wohin das führt, kennt man. Auch Ammoniak, Phosphat oder Schwefel könnten knapp werden – elementar für chemische Industrie und teils für die Landwirtschaft.

Lauter schlechte Nachrichten für die Anleger: Weil die wirtschaftlichen Kosten steigen und steigen, sollten sie sich auf höchst volatile Zeiten einstellen. Auf Wochensicht hat der Dax lediglich 0,6 Prozent eingebüßt, doch seit Kriegsbeginn ist enorm viel Nervosität im Markt. Seither beträgt das Minus gut sechs Prozent. Die positive Erkenntnis lautet: Börsen-Panik sieht anders aus.

Europäische Zentralbank könnte in Zugzwang geraten

Auf längere Sicht stehen höhere Inflationsraten ins Haus. Das setzt die Europäische Zentralbank in Zugzwang. Die Mehrheit der Marktbeobachter erwartet zwar noch nicht, dass die EZB schon an diesem Donnerstag den Leitzins erhöht – der Einlagensatz dürfte bei 2,0 Prozent verharren. Doch bis zum Sommer wird mit einem Zinsschritt gerechnet. Nochmals wird sich die EZB nicht – wie 2022 – den Vorwurf des zu langen Zögerns einhandeln wollen. Wie hoch der Schritt ausfallen wird, hängt von der Dauer des Iran-Kriegs ab. Steigende Zinsen bremsen in jedem Fall den Konsum, der doch den Aufschwung in diesem Jahr stützen sollte.

Bereits am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed – auch hier wird nicht mit Veränderungen beim Leitzins gerechnet.